NewsAuslandWHO: 433 Medikamente sind essenziell
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

WHO: 433 Medikamente sind essenziell

Mittwoch, 7. Juni 2017

/Tyler Olson, stock.adobe.com

New York – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat eine Neuauflage der „Essen­tial Medicines List“ vorgestellt, also ihre Liste mit Medikamenten, die sie für die Bewältigung der wichtigsten Bedürfnisse der öffentlichen Gesundheit als wesentlich erachtet. Die Neuauflage fügt 30 Medikamente für Erwachsene und 25 für Kinder hinzu und spezifiziert neue Verwendungen für neun bereits aufgeführte Produkte. Erstmals 1977 vorgestellt aktualisiert die WHO die Liste alle zwei Jahre.

„Sichere und wirksame Medikamente sind ein wesentlicher Bestandteil jedes Gesund­heitssystems“, sagte Marie-Paule Kieny, WHO Assistant Director-General for Health Systems and Innovation. Sicherzustellen, dass alle Menschen auf diese Medikamente zugreifen könnten, sei entscheidend für die Fortschritte bei der Gesundheitsversorgung.

Anzeige

Antibiotika in drei Kategorien eingeteilt

Ein Schwerpunkt der Aktualisierung lag auf den Antibiotika. Die WHO hat sie in drei Kategorien eingeteilt – Access, Watch und Reserve – und gibt Empfehlungen, wann Ärzte jede Kategorie verwenden sollten. So raten die WHO-Experten, dass Antibiotika in der Access-Gruppe jederzeit als Behand­lungen für eine breite Palette von häufigen Infektionen zur Verfügung stehen sollten. Zum Beispiel enthält diese Gruppe Amoxicillin, ein weit verbreitetes Antibio­tikum zur Behandlung von Infektionen wie Pneumonie.

Die Watch-Gruppe umfasst Antibiotika, die als erste oder zweite Wahlbehandlung für eine kleine Anzahl von Infektionen empfohlen werden. Zum Beispiel sollte die Verwen­dung von Ciprofloxacin, die zur Behandlung von Zystitis und Infektionen der oberen Atemwege wie bakterieller Sinusitis und bakterielle Bronchitis verwendet werden, drastisch reduziert werden, um weitere Resistenzentwicklungen zu vermeiden.

Die dritte Gruppe, Reserve, umfasst Antibiotika wie Colistin und einige Cephalosporine, die als Last-Resort-Optionen betrachtet werden und nur in den schwersten Umständen verwendet werden sollten, wenn anderen Alternativen versagt haben, zum Beispiel für lebensbedrohliche Infektionen durch Multidrug-resistente Bakterien.

Zunächst sollen die neuen Kategorien nur für Antibiotika gelten, die zur Behandlung von 21 der häufigsten allgemeinen Infektionen verwendet werden. Wenn die Einteilung sich als hilfreich erweist, will die WHO die Einteilung in künftigen Versionen der Liste erweitern. „Diese Neuerung unterstützt den globalen Aktionsplan der WHO zur anti­mikro­biellen Resistenz, indem sie den besten Einsatz von Antibiotika sicherstellt“, hieß es aus der Welt­gesund­heits­organi­sation.

Auch andere Arzneimittel auf der Liste

Die aktualisierte Liste umfasst weitere Arzneimittel. Dazu gehören zum Beispiel zwei orale Krebsmedikamente (Dasatinib und Nilotinib) zur Behandlung von chronischer myeloischer Leukämie, die gegen Standard­behandlung resistent geworden ist.

Außerdem aufgelistet sind Sofosbuvir und Velpatasvir als Kombinationstherapie zur Behandlung verschiedener Arten von Hepatitis C, Dolute­gravir zur Behandlung der HIV-Infektion und Tenofovir allein oder in Kombination mit Emtricitabin oder Lamivudin, um eine HIV-Infektion zu verhindern.

Ebenfalls genannt sind Medikamente gegen multiresistente Tuberkulose (MDR-TB): Delamanid für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit MDR-TB und Clofazimin für Kinder und Erwachsene mit MDR-TB. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Juli 2019
Düsseldorf – Angesichts immer häufiger auftretender Engpässe bei Arzneimitteln hat sich der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Klaus Reinhardt, für den Aufbau von nationalen Arzneimitteldepots für
Bundesärztekammer für Aufbau nationaler Arzneimittelreserve
9. Juli 2019
Stuttgart – Viele Ärzte in Baden-Württemberg sind besorgt über Lieferengpässe bei wichtigen Arzneimitteln. Das zeigt eine Onlineumfrage der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), an der sich 932 Ärzte aus
Ärzte in Baden-Württemberg besorgt über Arzneimittelengpässe
12. Juni 2019
Berlin – Die Zahl der gemeldeten Lieferengpässe bei Arzneimitteln steigt kontinuierlich und deren Auswirkungen auf die Patientenversorgung nehmen spürbar zu. Das sagte Michael Horn, Direktor der
Lieferengpässe bei Arzneimitteln nehmen zu
11. Juni 2019
Düsseldorf – In Deutschland häufen sich im Vergleich zu früheren Jahren Lieferengpässe bei Arzneimitteln. „Derzeit liegen 226 Meldungen vor, bei denen eine eingeschränkte Verfügbarkeit oder ein
Häufiger Lieferengpässe bei Arzneimitteln
13. Mai 2019
Berlin – Die Bundesregierung schätzt die Versorgung chronisch kranker Patienten in Deutschland als gut ein. Das zeigt eine Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag. Für viele
Bundesregierung sieht chronisch Kranke gut versorgt
10. Mai 2019
Berlin – Schon im vergangenen Jahr hatten Allergiker Schwierigkeiten, an Notfallmedikamente gegen allergische Schocks zu kommen. Jetzt gibt es einen erneuten Lieferengpass für den Epinephrin-Pen
Erneut Lieferengpass bei Autoinjektor Fastjekt gegen allergische Schocks
9. Mai 2019
Berlin – Vertreter von Politik und Arzneimittelindustrie sprechen derzeit darüber, wie die Produktion von Arzneimitteln, insbesondere von Antibiotika, wieder nach Europa zurückgeholt werden kann. „Das
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER