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Medizin

Wie eine pränatale Alkoholexposition die Gesichtsform des Kindes verändert

Mittwoch, 7. Juni 2017

©Africa Studio - stock.adobe.com

Melbourne – Ein Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann die Gesichtsform des Kindes verändern. Eine Studie in JAMA Pediatrics (2017; doi: 10.1001/jamapediatrics.2017.0778) zeigt, dass in der Frühschwangerschaft bereits ein milder Alkoholkonsum Spuren hinterlässt.

In westlichen Ländern nehmen es viele Frauen mit dem Verzicht auf den Alkohol­konsum während der Schwangerschaft nicht so genau. In der Frühschwangerschaft könnte es auch unbeabsichtigt zur Exposition des Kindes kommen. Die Folge ist eine hohe Prävalenz von fetalen Alkohol-Spektrum-Störungen, die in Studien mit 3 bis 5 Prozent angegeben wird. Die Kinder fallen später durch Lernschwächen, Sprachstörun­gen, motorische Ungeschicklichkeit oder durch Verhaltensstörungen auf.

Zum fetalen Alkoholsyndrom gehören aber auch Veränderungen im Gesichtsschädel mit verminderter Lidspalte, flachem Philtrum und dünner Oberlippe. In ausgeprägten Fällen ist eine Prima-vista-Diagnose möglich, in den meisten Fällen sind die Verän­derungen jedoch subtil.

Ein Forscherteam um Evelyne Muggli von der Universität Melbourne hat jetzt zur Erkennung der Gesichtsveränderungen eine spezielle 3D-Kamera genutzt. Die Ober­flächenkonturen von 415 Kindern im Alter von 12 Monaten wurden mit den Angaben der Mütter zu ihrem Alkoholkonsum in der Schwangerschaft in Beziehung gesetzt. In Australien trinken viele Frauen: 40 Prozent der Kinder waren im ersten Trimenon exponiert. Bei 60 Prozent der Kinder hatte die Mutter irgendwann im Verlauf der Schwangerschaft Alkohol getrunken.

Auch ein verhältnismäßig geringer Alkoholkonsum von weniger als 20 Gramm Alkohol bei einem Anlass und einer Gesamtmenge von weniger als 70 Gramm Alkohol in der Woche war mit signifikanten Veränderungen des Gesichtsschädels verbunden, berichtet Muggli. Die subtilen Veränderungen bestanden in einer leichten Abflachung des Mittel­gesichts mit einer Verkürzung der Nase und einer Hebung der Nasenspitze.

Bei einer höheren Alkoholexposition verstärkten sich die Veränderungen. Der Zeitpunkt der Exposition im Verlauf der Schwangerschaft ist von großer Bedeutung. Eine besonders vulnerable Phase ist die Frühschwangerschaft. Ein Alkoholkonsum im ersten Trimenon war mit Veränderungen im Bereich der Augen, des Mittelgesichts, des Kinns und der „parietalen“ Regionen assoziiert.

Ein exzessiver Alkoholkonsum in der Früh­schwangerschaft war mit einer deutlichen Unterentwicklung des Kinns (Retrognathie) verbunden. Die Befunde passen laut Muggli zu den Ergebnissen früherer tierexperi­men­teller Studien: Bei Mäusen kommt es bei einer Exposition am Tag 7 (entspricht 17. und 18. Tag beim Menschen) zu einer schweren Entwicklungsstörung (Hypoplasie) des Mittelgesichts mit der Verlängerung der Oberlippe und einem fehlenden Philtrum. Bei einer Exposition am Tag 8,5 war die Hypoplasie des Mittelgesichts geringer ausge­prägt. Die Oberlippe war dann verkürzt, aber das Philtrum war erhalten. © rme/aerzteblatt.de

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nocure
am Donnerstag, 8. Juni 2017, 16:50

Ist doch bekannt?

Einzig die vielleicht erstaunlich geringen Alkoholmengen (man ging ja vorher von massivem Trinken aus) ist neu. Die Alkoholembryopathie mit den Gesichtsdeformationen hat doch schon jeder Medizinstudent in der Vorlesung Gyn im 8. Semester gehabt?

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