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Politik

CDU und FDP einigen sich auf Medizinfakultät in Bielefeld

Mittwoch, 7. Juni 2017

/kasto, stock.adobe.com

Düsseldorf – Das Ringen um eine medizinische Fakultät in Ostwestfalen-Lippe (OWL) scheint beendet: 50 Millionen Euro wollen CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen (NRW) für die Errichtung einer Medizinfakultät an der Universität Bielefeld bereitstellen. Das haben die Parteien gestern im Rahmen ihrer Koalitionsverhandlungen angekündigt, wie heute Karl-Josef Laumann, einer der Mitverhandler und möglicher neuer Ge­sund­heits­mi­nis­ter in NRW, auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes bestätigte. Die im Mai abgewählte rot-grüne Landesregierung hatte eine Medizinfakultät in Bielefeld aus Kostengründen abgelehnt.

Es sei höchste Zeit, dass NRW neben Münster und außerhalb des Rheinlands und des Ruhrgebiets eine weitere medizinische Fakultät erhalte, so Laumann, der derzeit Staatssekretär im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium ist. „Das ist ein ganz wichtiger Schritt, damit die Bürger in NRW auch in Zukunft flächendeckend die notwendige medizinische Versorgung erhalten.“

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Allgemeinmedizin ein Schwerpunkt

Ein Schwerpunkt der Bielefelder Fakultät soll auf der Ausbildung von Allgemeinmedizinern liegen. In den ländlichen Regionen in Ostwestfalen-Lippe drohe bereits heute ein besorgniserregender Mangel an Hausärzten, erklärte Laumann. „Darum ist es dringend notwendig, gerade hier mehr Mediziner auszubilden. Denn viele Studenten lassen sich nach ihrer Ausbildung häufig im Umkreis ihres Studienortes nieder.“

Die Relevanz dieses „Klebeeffekts“ betont auch Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL). Die Chance, dass junge Ärzte nach ihrer Ausbildung in OWL blieben, sei größer, wenn sie auch in der Region ausgebildet würden.

„Die Entscheidung für eine medizinische Fakultät in Bielefeld ist mehr als ein Schritt in die richtige Richtung. Sie ist ein Türöffner für die ganze Region Ostwestfalen-Lippe“, sagte Windhorst auf Anfrage des Deutschen Ärzteblatts. Eine Anschubfinanzierung in Höhe von 50 Millionen Euro sei ein klares Signal für den Gesundheitsstandort Bielefeld.

„Mit einer eigenen Fakultät stärken wir perspektivisch die medizinische Versorgung in der Region sowie den Wissenschaftsstandort Bielefeld“, bilanziert Windhorst. Nähere Details zur Planung und Finanzierung des Projekts sind bisher nicht bekannt. „Gedanklich sind wir bereits sehr weit, nun gilt es, die Pläne auch umzusetzen“, so Windhorst.

„Bochumer Modell“ erhalten

Bereits bestehende regionale Modellprojekte wie das „Bochumer Modell“ am Medizin Campus OWL sollten weiterhin aufrechterhalten werden, betonte der ÄKWL-Präsident. Im Rahmen dieser Kooperation zwischen der Ruhr-Universität Bochum und fünf ostwestfälischen Kliniken werden die Studierenden in Bochum und Ostwestfalen ausgebildet.

Auch die Landräte der Kreise Minden Lübbecke und Herford sowie die Vorstände der Mühlenkreiskliniken und des Klinikums Herford sprechen sich in einer gemeinsamen Pressemitteilung für eine Fortführung bereits etablierter Modelle zur Medizinerausbildung in OWL aus.

© vp/aerzteblatt.de

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urgestein
am Donnerstag, 18. Juli 2019, 21:38

Potemkinsche Universitätsklinika in NRW

Der Klebeeffekt existiert höchstens im Hirn von Herrn Windhorst et al. NRW schafft die zweite Billigfakultät für Medizin nach Bochum. Denn Investitionskosten und Betrieb der Kliniken bleiben in Trägerhand. So können die Ausbildungskosten pro Medizinstudierenden halbiert werden. Es wird weder eine wirklich uniiversitäre umfassende Patientenbetreuung noch Forschung stattfinden. Es handelt sich im eine besondere Form des dualen Studiums. Aber dafür klebt man sich das Schild Universitätsklinikum an die Pforte.
LNS

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