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Medizin

Essstörungen: Pränataler Stress begünstigt Heißhungerattacken

Donnerstag, 8. Juni 2017

/Andrey Armyagov, stock.adobe.com

München – Heißhungerattacken, die auf Stress während der Schwangerschaft zurückzuführen sind, werden schon im Gehirn des Fötus programmiert. Entscheidend ist dabei das Geschlecht des Kindes. Eine Essstörung muss aber nicht zwangsläufig daraus resultieren. Sie tritt nur unter bestimmten Auslösern auf und könne durch eine ausgewogene Ernährung der Heranwachsenden verhindert werden, heißt es in der der Studie, die die Forscher vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München in Cell Metabolism publiziert haben (2017; doi 10.1016/j.cmet.2017.05.001).

Es ist bekannt, dass sich die Lebensumstände der Mutter während der Schwangerschaft negativ auf das spätere Leben des Nachwuchses auswirken und Männer wie Frauen für verschiedene Krankheiten anfällig machen können. Mariana Schroeder, Postdoc in der Forschungsgruppe von Alon Chen und Erstautorin einer kürzlich veröffentlichten Studie, wollte herausfinden, ob dieses Phänomen auch bei Essstörungen eine Rolle spielt.

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Im Mausmodell konnten die Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie die Aktivierung der zentralen Stressantwort während einer fortgeschrittenen Schwanger­schaft biologisch nachbilden. Dann testeten sie, ob die Nachkommen während der Pubertät anfällig für Heißhungerattacken waren. Sie stellten fest, dass weibliche Nachkommen von Mäusen, die während der Schwangerschaft gestresst waren, eher Fressattacken entwickelten als weibliche Nachkommen nicht gestresster Mäuse.

Das Bemerkenswerteste an der Studie ist, dass wir den Ausbruch von Heißhungerattacken vollständig unterbinden konnten, indem wir den heranwachsenden Mäusen eine ausgewogene Diät verabreichten. Alon Chen, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie

Die Forscher um Schroeder fanden zudem heraus, dass viele Moleküle im Hypothala­mus der betroffenen Nachkommen epigenetisch verändert waren. „Diese Programmie­rung während der Schwangerschaft führt jedoch nicht immer zu gestörtem Essverhal­ten. Erst wenn während der Pubertät bestimmte Auslöser auftreten, machen sich die bereits durch pränatale Programmierung gegebenen Veränderungen bemerkbar“, erklärt die Erstautorin.

„Das Bemerkenswerteste an der Studie ist, dass wir den Aus­bruch von Heißhunger­attacken vollständig unterbinden konnten, indem wir den heranwachsenden Mäusen eine ausgewogene Diät verabreichten“, sagt Alon Chen, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie. Die Studie sei der Beweis dafür, dass Heißhungerattacken eine pränatale Programmierung zugrunde liege.

Zwanghafte Heißhungerattacken sind eine verbreitete Essstörung, von der bis zu drei Prozent der Bevölkerung betroffen sind, hauptsächlich Frauen. Sie nehmen häufig innerhalb kürzester Zeit große Mengen an Nahrung zu sich. Viele Betroffene sind übergewichtig und haben dadurch ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und Herzerkrankungen. Häufig leiden Patienten mit Heißhungerattacken auch an Depression und niedrigem Selbstwertgefühl und neigen vermehrt zu Angststörungen. © gie/idw/aerzteblatt.de

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