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Politik

Gesundheitswesen kommuniziert weiter per Brief und Fax

Donnerstag, 8. Juni 2017

/Nomad_Soul, stock.adobe.com

Berlin – Anders als in vielen Wirtschaftszweigen kommunizieren die Beteiligten im Gesundheitswesen weiterhin per Brief und Fax. Laut einer Umfrage des Hartmann­bundes und des Branchenverbandes Bitkom nutzen 37 Prozent der befragten Ärzte Briefe, um mit Krankenkassen zu kommunizieren.

Arztpraxen untereinander tauschen sich in 26 Prozent der Fälle per Post aus, und 23 Prozent der Befragten gaben an, auch mit Patienten auf diesem Weg zu kommunizieren. 

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Bei der Kommunikation mit dem Fax hinterfragt keiner die Sicherheit. Da sind wir im Vergleich zur Debatte um die Sicherheit von E-Mail-Kommunikation etwas schizophren. Klaus Reinhardt

Auch das Fax ist weiterhin beliebt, besonders in der Kommunikation mit Apotheken, aber auch Krankenkassen und anderen Arztpraxen. „Bei der Kommunikation mit dem Fax hinterfragt keiner die Sicherheit. Da sind wir im Vergleich zur Debatte um die Sicherheit von E-Mail-Kommunikation etwas schizophren“, erklärte Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes auf Nachfrage.

Auch bei anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen – Krankenkassen sowie Apothekern – sieht er kaum die Bereit­schaft, die digitale Kommunikation zu forcieren. „Gerade Krankenkassen könnte es viel Geld sparen, würden sie mit einheitlichen digitalen Formularen agieren“, so Reinhardt.

Möglichkeiten kaum genutzt

In der Umfrage unter Vertrags- und Klinikärzten werden Online-Kommunikations­formen wie Online-Terminvereinbarung, eine Patientenakte oder eine digitale Sprech­stunde kaum eingesetzt, nur unter 20 Prozent nutzt dies. Bei der Präsenz in sozialen Netzwerken liegen die Kliniken mit 30 Prozent der Nennungen vorn, nur sieben Pro­zent der Niedergelassenen nutzen diese Möglichkeiten. Bei der telemedizinischen Überwachung von Patienten geben zehn Prozent der Befragten Klinikärzte an, diese Technik zu nutzen, drei Prozent sind es bei den Niedergelassenen.

Auch in der ärztlichen Kommunikation ist Stift und Papier noch nicht am Ende – so machen sich 52 Prozent der befragten Ärzte analoge Notizen, Patientenakten werden bei 34 Prozent der Befragten handschriftlich geführt. Beim Medikationsplan sind Ärzte gespalten, 42 Prozent verfasst ihn handschriftlich, 43 Prozent digital.

Kooperationen könnten verbessert, Zeit gespart werden

Dennoch sehen zwei Drittel der Ärzte in der Digitalisierung große Chancen für die Gesundheitsversorgung.  Vor allem versprechen sie sich davon eine Zeitersparnis sowie mehr Möglichkeiten in der Diagnose und Therapie.  Mit der Patientenakte erwarten 65 Prozent der Befragten, dass sich auch die Zusammenarbeit unter den Facharztgruppen verbessern könnte.

Es gibt in der Ärzteschaft eine große Offenheit gegenüber digitalen Technologien, man spürt eine regelrechte Aufbruchsstimmung. Bernhard Rohleder

Gesundheits-Apps stehen viele offen gegenüber. 83 Prozent der Ärzte glauben, dass Apps den Patienten helfen können, ihre Vitaldaten zu kontrollieren. Hartmannbund-Vorsitzender Reinhardt mahnt, dass es für die Apps ein „geordnetes Zertifizierungs­verfahren“ geben müsse. Diese Forderung hatte auch der Ärztetag in Freiburg vor zwei Wochen an den Gesetzgeber gerichtet.

Zukunftszenarien wie Roboter-OPs oder die Herstellung von Prothesen und Implan­taten im 3D-Druck-Verfahren sieht fast die Hälfte der Befragten künftig als Teil des medizinischen Alltags. „Es gibt in der Ärzteschaft eine große Offenheit gegenüber digitalen Technologien, man spürt eine regelrechte Aufbruchsstimmung. Die Skepsis der vergangenen Jahre ist einer neuen Offenheit gegenüber digitalen Technologien gewichen“, erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

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Als größte Hemmnisse der Digitalisierung sehen Ärzte den Datenschutz und die Fehleranfälligkeit von Medizintechnik: 67 Prozent sagen, dass sie die Sorge um den Schutz der Daten von Patienten umtreibt. Ebenso sehen 60 Prozent die IT-Sicher­heit medizinischer Einrichtungen wie zum Beispiel von Krankenhäusern als problema­tisch an. 43 Prozent bemängeln auch die fehlenden finanziellen Mittel zur Umsetzung von digitalen Anwendungen und 47 Prozent bezweifeln, dass die derzeit verfügbaren Anwendungen auch schon praxisreif sind.

Reinhardt warb erneut dafür, dass sich die Ärzteschaft bei den Digitalisierungs­prozessen einbringen müsse. „Unsere Chance ist es nun, die Digitalisierung aktiv zu gestalten und die Chancen für unseren Beruf und die Patienten beherzt und entschlossen zu ergreifen.“ © bee/aerzteblatt.de

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