NewsMedizinSchweinegrippe könnte Neuronenverlust bei Parkinson verschlimmern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Schweinegrippe könnte Neuronenverlust bei Parkinson verschlimmern

Montag, 12. Juni 2017

Knoxville – Eine Infektion mit H1N1 (Schweinegrippe) hat bei Mäusen, die mit einem Neurotoxin behandelt wurden, den Verlust an dopaminergen Neuronen wesentlich beschleunigt. Die Forscher der  University of Tennessee um Richard Smeyne berichten im Fachmedium npj Parkinson’s Disease, dass eine unspezifische Entzündunsgreaktion durch das Virus der Grund hierfür sein könnte (2017; doi: 10.1038/s41531-017-0019-z).

Der genaue Grund für die Entwicklung eines Parkinsonsyndroms ist noch nicht voll­ständig bekannt. Als wahrscheinlich gilt jedoch ein multifaktorielles Geschehen, bei dem die genetische Prädisposition und Umweltfaktoren wie Infektionen, Toxine und freie Radikale eine Rolle spielen. Die Arbeitsgruppe führte bereits in der Vergangenheit Studien durch, die nachwiesen, dass Mäuse, die eine Infektion mit der Vogelgrippe (H5N1) überlebten, in der Folgezeit häufiger Parkinson entwickelten.

Offensichtlich war das Virus in der Lage, sich über eine Infektion von Nervenzellen im Gehirn festzusetzen (PNAS 2009; doi: 10.1073/pnas.0900096106). Ob dieses Risiko auch für Menschen zu­trifft, ist bisher aufgrund der relativ kurzen Beobachtungszeit und der wenigen Über­lebenden (laut WHO 856 Infektionen mit 452 Toten, Stand: 16. Januar 2017) noch nicht klar abzuschätzen. 

Anzeige

Die Forscher wollten in dieser Studie testen, ob das Risiko auch auf Viren zutrifft, die kein direkt neurotropes Potenzial haben. Sie infizierten hierzu Mäuse mit einem H1N1-Virus, dessen Vertreter als Auslöser der Schweinegrippe und der spanischen Grippe von 1918 bekannt sind. Als Kontrolle diente eine gesunde Gruppe von Mäusen. Im nächsten Schritt behandelten die Forscher beide Mausgruppen mit dem Neurotoxin MPTP, welches zu einem Verlust von dopaminergen Neuronen führt. Es zeigte sich, dass die Mäuse, die zusätzlich mit H1N1 infiziert waren, schwerwiegendere Symptome ihrer Parkinsonerkrankung entwickelten als die gesunden Vergleichstiere.

In weiteren Analy­sen stellten die Wissenschaftler fest, dass es durch das Virus im Gehirn zu einer unspe­zi­fi­schen Entzündunsgreaktion kam und die infizierten Tiere einen rund 20 Prozent stärkeren Verlust der dopaminergen Neuronen aufwiesen. Durch eine Impfung gegen H1N1 oder eine Behandlung mit Tamiflu konnten die Forscher den zusätzlichen Neuronenverlust verhindern, was die ätiopathogenetische Rolle des Virus weiter unterstreiche. 

Die Arbeitsgruppe geht davon aus, dass die unspezifische zentrale Entzündungsreak­tion die dopaminergen Neuronen sensibler für das Neurotoxin gemacht hat. Die Ergebnisse würden nahelegen, dass Infektionen einen additive Rolle in der Entwick­lung von Parkinson spielen können, so die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Oktober 2020
Innsbruck – Das synthetische Cannabinoid Nabilon, das zur kurzzeitigen Behandlung der zytostatikainduzierten Übelkeit zugelassen ist, hat in einer Pilotstudie die nichtmotorischen Symptome von
Cannabinoid Nabilon lindert nichtmotorische Symptome bei Parkinson
31. August 2020
Bochum – Patienten mit Parkinson weisen zahlreiche Risikofaktoren auf, die zu einem schweren Verlauf einer COVID-19-Infektion führen können. Zu diesem Ergebnis kommen Ärzte der Neurologischen
Parkinsonpatienten bei Coronainfektion besonders gefährdet
10. Juli 2020
San Diego – US-Forscher haben eine verblüffend einfache Methode gefunden, mit der sich Astrozyten in funktionelle Neurone verwandeln lassen. Laut ihrem Bericht in Nature (2020; DOI:
Morbus Parkinson: Gentherapie verwandelt Astrozyten in Dopamin-Produzenten
2. Juli 2020
Wien – Eine wiederholte Impfung gegen das Protein Alpha-Synuclein, dessen Ablagerungen im Gehirn an der Pathogenese des Morbus Parkinson beteiligt sein sollen, hat bei Patienten im Frühstadium der
Morbus Parkinson: Impfung soll Alpha-Synuclein aus dem Gehirn beseitigen
30. Juni 2020
Minneapolis – Die Tiefe Hirnstimulation ist bei Parkinsonpatienten etabliert – Studien dazu haben aber laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) das Verfahren bislang immer mit der
Parkinson-Patienten profitieren von Tiefer Hirnstimulation
30. Juni 2020
Washington – In China haben Forscher eine neue Art der Schweinegrippe entdeckt, die eine Pandemie auslösen könnte. Das Virus mit dem Namen G4 besitze „alle wesentlichen Eigenschaften, um Menschen
Schweinegrippe: Neue Art mit Pandemiepotenzial in China entdeckt
8. Juni 2020
Boston − Stammzellen, die aus einer Hautprobe gewonnen und im Labor in Dopamin-produzierende Zellen „umprogrammiert“ wurden, haben anderthalb und 2 Jahre nach der Implantation in das Gehirn
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER