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Politik

Große Datenmengen sollen besser genutzt werden

Montag, 12. Juni 2017

Hermann Gröhe, Johanna Wanka /dpa

Berlin – Die Digitalisierung im Gesundheitswesen soll neuen Schwung erhalten. Das haben Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) und Bundesforschungs­ministerin Johanna Wanka (CDU) heute in einer Erklärung angekündigt, die sie zum Digitalgipfel der Bundesregierung vorlegten.

Demnach soll eine „Dialog-Plattform Digitale Gesundheit“ gegründet werden, in der es um Technologien geht, die große Datenmengen (Big-Data) für die Patientenversorgung auswerten und nutzbar machen. Darüber hinaus ist geplant, die Einführung elektroni­scher Patientenakten voranzutreiben und Projekte zu fördern, die zum Beispiel helfen, bei der Krebsbehandlung neue Durchbrüche zu erzielen.

Auch Ärzte sollen Zugang zu mehr Daten erhalten

Ziel sei es, dass jeder Arzt, Patient und Forscher unter Wahrung der Selbstbestimmung des Einzelnen Zugang zu den für ihn erforderlichen Informationen habe, heißt es in der Erklärung. Dies führe etwa zu passgenaueren Diagnose- und Behandlungsent­schei­dun­­gen und schaffe neue Erkenntnisse für Forschung und Versorgung. Es gehe darum, „die Flut der täglich [...] anfallenden Daten zum Wohle des Einzelnen nutzbar zu machen, Krankheiten besser zu verstehen und Behandlungen noch genauer an die Besonderheiten jedes Einzelnen anpassen zu können“, so Gröhe und Wanke.

„Mithilfe der Digitalisierung kann die personalisierte Medizin Realität werden. Dafür müssen wir jetzt die Weichen stellen“, erklärte Wanka. Digitale Produkte und Anwen­dungen in der Gesundheitsversorgung, aber auch die Gesundheitsforschung würden mit wachsender Geschwindigkeit immer mehr Daten schaffen. Diese Datenmengen müssten zusammengebracht und ausgewertet werden. „Dann können sie uns helfen,  Krankheiten besser zu verstehen und zu behandeln“, betonte die Ministerin.

Erste Fortschritte sind sichtbar

Gröhe erinnerte daran, dass nach mehr als zehn Jahren mit dem E-Health-Gesetz „endlich Schwung in die Digitalisierung des Gesundheitswesens“ gekommen sei. Videosprechstunde, telemedizinische Befundbeurteilung bei Röntgenaufnahmen, elektronischer Arztbrief oder der Medikationsplan brächten greifbare Vorteile für die Patienten. „Dieser Weg muss konsequent fortgesetzt werden“, sagte der Minister. Als nächste Schritte stünden Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte, elek­tronische Patientenakte, Patientenfach und die Einbindung mobiler Anwendungen an.

<b>Interview mit Hermann Gröhe,</b> Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Start

Video

Interview mit Hermann Gröhe, Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter

„Jetzt muss es darum gehen, große Datenmengen zum Wohle der Patienten zu nutzen, um Krankheiten wie Alzheimer und Krebs in Zukunft besser verstehen und gezielt bekämpfen zu können. Die bereits im E-Health-Gesetz angelegte Öffnung der Tele­matik­infrastruktur für die Forschung wird uns dabei unterstützen“, meinte Gröhe.

Prüfung aller Gesundheits-Apps nicht umsetzbar

Eine vom 120. Deutschen Ärztetag geforderte staatliche Zertifizierung von Gesund­heits-Apps hält Gröhe unterdessen für nicht umsetzbar. Mittlerweile seien mehr als 100.000 Gesundheits-Apps auf dem Markt, sagte Gröhe der Passauer Neuen Presse. Alle zu prüfen und behördlich zu genehmigen, wäre nicht machbar.

Auf dem vergangenen Ärztetag in Freiburg hatten die Mediziner die Einführung eines bundeseinheitlichen Gütesiegels für Gesundheits-Apps gefordert, das zum Schutz der Patienten Datensicherheit und Datenzuverlässigkeit gewährleisten soll. Notwendig sind aus Sicht der Ärzteschaft außerdem standardisierte Verfahren zur Bewertung neuer digitaler Anwendungen etwa im Hinblick auf Wirksamkeit und Unbedenklichkeit.

Gröhe sagte, einige Apps dienten lediglich als Hilfe beim Sport. „Sie zählen Schritte, speichern Strecken und Zeiten.“ Andere Apps seien dagegen Medizinprodukte im klassischen Sinne und würden zum Beispiel bei der Behandlung eines Tinnitus helfen. Dafür gebe es bereits klare Vorschriften.

Gröhe verwies außerdem darauf, dass es beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein Innovationsbüro gebe, das Hersteller von Apps bereits im Entwicklungsprozess berät. Für die wachsende Zahl von Start-ups im Gesundheits­bereich sei dies eine gute Unterstützung. © may/afp/aerzteblatt.de

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Patroklos
am Dienstag, 13. Juni 2017, 12:52

Gegen die Big- Data- Euphorie.

Als seit fast 20 Jahren in der IT tätiger ehemaliger Arzt scheint für mich die wichtigste Frage für das Thema Big Data die nach der Anonymisierung zu sein.

Immerhin bedeutet eine zentrale Datenhaltung in einem KIS, KAS, LIS, RIS, AIS u.a. immer auch eine langjährige namentliche Speicherung der sensiblen Gesundheitsdaten eines Patienten. Häufig sind in diesen Systemen softwareseitig keine Mechanismen zur automatischen Anonymisierung nach den gesetzlich vorgeschriebenen Aufbewahrungsfristen vorgesehen und nur selten integriert.

Der Zugriff auf diese Massendaten für Forschungszwecke dürfte aber immer nur ohne persönliche Identifizierungsmöglichkeit erlaubt sein. Sonst hat man tatsächlich den gläsernen Patienten, dessen jahrzehntealte Gesundheitsdaten neben den aktuellen problemlos und unabhängig vom Ort verfügbar gemacht werden könnten.

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