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Medizin

Studie: ADHS-Patienten haben seltener einen Führerschein und etwas häufiger Verkehrsunfälle

Dienstag, 13. Juni 2017

/lightpoet, stock.adobe.com

Philadelphia – Jüngere Erwachsene mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts­störung (ADHS) besaßen in einer US-Kohortenstudie seltener einen Führerschein und sie waren laut der Publikation in JAMA Pediatrics (2017; doi: 10.1001/jamapediatrics.2017.0910) häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt. Das Risiko war jedoch weitaus geringer als in früheren Untersuchungen.

Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, die Kernsymptome der ADHS, legen die Vermutung nahe, dass die Patienten häufiger als andere Menschen als Auto­fahrer in Unfälle verwickelt sind. Frühere Untersuchungen hatten bereits ein erhöhtes Risiko ermittelt. In einer viel beachteten älteren Studie war es sogar um den Faktor vier erhöht (Pediatrics 1993; 92: 212–218). Ganz so schlimm scheint die Situation jedoch nicht zu sein, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.

Die Untersuchung verließ sich anders als frühere Studien nicht auf die Erinnerungen von Patienten und Kontrollen. Allison Curry vom Children’s Hospital of Philadelphia (CHOP) und Mitarbeiter recherchierten vielmehr, ob 18.000 ehemalige Patienten der Kinderklinik (solche mit und ohne ADHS) später einen Führerschein erwarben und ob sie in den ersten Jahren danach in einen Unfall mit mehr als 500 Dollar Schaden verwickelt waren. 

Ergebnis: Sechs Monate nach Erreichen des Mindestalters für die Fahrerlaubnis besaßen die ADHS-Patienten zu 35 Prozent seltener einen Führerschein. Die adjustiere Hazard Ratio betrug für Männer 0,65 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,61–0,70) und für Frauen 0,64 (0,58–0,70).

Die ADHS-Patienten mit Führerschein waren häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt. Von 1.785 ADHS-Patienten verunglückten 764 (42,8 Prozent). In der Vergleichsgruppe waren es 4.715 von 13.221 Personen (35,7 Prozent). Curry ermittelt eine Hazard Ratio von 1,36 (1,25–1,48), also ein um 36 Prozent erhöhtes Risiko, das bei Männern und Frauen gleich hoch war und sich mit zunehmender Fahrpraxis nicht änderte.

Auffallend war, dass nur 12,1 Prozent der ADHS-Patienten in den 30 Tagen vor dem Unfall ein Rezept auf ein ADHS-Medikament eingelöst hatten. Das Unfallrisiko war allerdings in dieser Gruppe nicht niedriger als bei den Patienten, die zum Unfall­zeitpunkt vermutlich nicht unter medikamentöser Behandlung standen. © rme/aerzteblatt.de

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