NewsMedizinStudie sieht fettarme Milchprodukte als Parkinson-Risiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie sieht fettarme Milchprodukte als Parkinson-Risiko

Montag, 12. Juni 2017

dpa

Boston – Fettarme Milchprodukte, von Ernährungswissenschaftlern als wichtige Quelle für Kalzium, Vitamine und Proteine gelobt, könnten das Risiko auf einen Morbus Parkinson im Alter erhöhen. Dies geht aus der Analyse von zwei prospektiven Beobachtungsstudien in Neurology (2017; doi: 10.1212/WNL.0000000000004057) hervor. Die Senkung des Harnsäurespiegels liefert einen möglichen Erklärungsansatz.

Die Ursachen des Morbus Parkinson, der durch den allmählichen Untergang von Dopamin-produzierenden Nervenzellen in den Basalganglien ausgelöst wird, liegen weitgehend im Dunkeln. Umso intensiver wird in epidemiologischen Studien nach Faktoren gesucht, die das Erkrankungsrisiko beeinflussen.

Neben Umweltfaktoren (Schwermetalle), einem ungesunden Lebensstil (Adipositas), Genussmitteln (Kaffee und Rauchen sollen schützen) könnte auch die Ernährung das Erkrankungsrisiko beeinflussen. Frühere Untersuchungen haben Milchprodukte mit einer erhöhten Erkrankungsrate in Verbindung gebracht. Eine neue Analyse der Nurses' Health Study und der Health Professionals Follow-up Study grenzt das Risiko jetzt auf fettarme Milchprodukte ein.

Anzeige

Katherine Hughes von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston und Mitarbeiter ermitteln für Personen, die mindestens drei Portionen fettarmer Milch­produkte am Tag verzehren, ein um 34 Prozent erhöhtes Risiko. Die adjustierte Hazard Ratio (die andere Risikofaktoren wie Alter, körperliche Bewegung und Schutzfaktoren wie Rauchen und Kaffee berücksichtigt) betrug 1,34 und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,01 bis 1,79 statistisch signifikant. Die Assoziation wurde vor allem durch den Konsum von entrahmter und fettarmer Milch ausgelöst, für die Hughes eine Hazard Ratio von 1,39 (1,12-1,73) ermittelte.

Einen Beweis liefert die Studie natürlich nicht, und ernährungsbewusste Menschen, die fettarme Milchprodukte bevorzugen, sollten sich auch keine allzu großen Sorgen machen. Von den 5.830 Teilnehmern der Studie, die täglich drei oder mehr Portionen fettarme Milchprodukte zu sich nahmen, erkrankten nur 60 Personen oder 1 Prozent im Verlauf von 24 beziehungsweise 26 Jahren, den Laufzeiten der beiden Studien, am Morbus Parkinson. Das absolute Risiko ist deshalb also nicht hoch. Und unter den 77.864 Menschen, die weniger als eine Portion pro Tag zu sich nahmen, erkrankten 483 Menschen oder 0,6 Prozent. Der Verzicht auf fettarme Milchprodukte ist deshalb keine sichere Methode zur Parkinson-Vermeidung. 

Interessant ist die Frage, wieso fettarme Milchprodukte das Risiko erhöhen. Eine Möglichkeit ist, dass Milch die Aufnahme von Toxinen über den Darm erleichtert, die dann über den Blutkreislauf ins Gehirn gelangen. Eine andere Hypothese vermutet eine Verbindung über den Harnsäurespiegel. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Milchtrinker niedrigere Harnsäure-Spiegel haben. Der häufige Konsum könnte deshalb vor einer Gicht schützen. 

Niedrige Harnsäurewerte gehören aber zu den diätetischen Risikofaktoren des Morbus Parkinson. Dieser (bisher unbewiesene) Risikofaktor hat US-Mediziner sogar zu einer randomisierten Studie (SURE-PD3) veranlasst, in der Parkinson-Patienten mit Inosin behandelt werden, das den Harnsäure-Spiegel anhebt. Ob diese Behandlung das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten kann, wird man in einigen Jahren wissen. Mit ersten Ergebnissen der Studie wird 2020 gerechnet. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20. Juli 2018
Berlin – Nitratsalze, die zum Pökeln von Fleisch benutzt werden, könnten das Risiko für Manien erhöhen. Menschen, die wegen einer manischen Episode im Krankenhaus waren, hatten mit einer 3,5-mal
Nitritgepökeltes Fleisch könnte Manien begünstigen
20. Juli 2018
Berlin – Wer vor 21 Uhr zu Abend isst oder mindestens 2 Stunden vor dem Zubettgehen die letzte Mahlzeit zu sich nimmt, hat ein geringeres Risiko für Brust- und Prostatakrebs. Verglichen mit Menschen,
Späte Mahlzeiten könnten das Risiko für Brust- und Prostatakrebs erhöhen
17. Juli 2018
Berlin – Die Grünen haben Beschwerde gegen die Nutella-Werbung zur Fußball-Weltmeisterschaft (WM) eingelegt. „Rote Karte für Nutella von Ferrero“, forderte die Bundestagsabgeordnete Renate Künast.
Grüne reichen Beschwerde beim Werberat wegen Nutella-Werbung zur WM ein
13. Juli 2018
Berlin – Eine kurze Werbeunterbrechung für ungesunde Produkte reicht aus, damit Kinder messbar mehr Kalorien pro Tag zu sich nehmen. Vor allem bereits übergewichtige Kinder greifen anschließend zu
Werbung für Ungesundes steigert Kalorienaufnahme bei Kindern
11. Juli 2018
London – Babys, die in den ersten 6 Monaten zusätzlich zum Stillen auch feste Nahrung bekommen, könnten im Vorteil gegenüber jenen sein, die ausschließlich gestillt werden. Sie schlafen länger, wachen
Babys schlafen besser mit Beikost in den ersten sechs Monaten
6. Juli 2018
Brüssel – Der Mangel an zuverlässigen Informationen hat die EU-Versammlung der Kommunal- und Regionalpolitiker dazu veranlasst, einschlägige Empfehlungen für eine gesunde Ernährung vorzulegen. Der
Europäischer Ausschuss der Regionen fordert farbliches Kennzeichnungssystem für Lebensmittel
4. Juli 2018
Charlestown – Ernähren sich Mütter von mit Folsäure angereicherten Getreideprodukten, hat das einen positiven Einfluss auf die kortikale Entwicklung des Fetus. Die erhöhte Folsäureexposition könnte

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER