Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Oxymorphon: FDA will häufig missbrauchtes Opioid vom Markt schaffen

Dienstag, 13. Juni 2017

Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den Hersteller Endo Pharmaceuticals unmissverständlich aufgefordert, das Präparat Opana ER vom Markt zu nehmen. Das Schmerzmittel mit dem Opioid Oxymorphon in einer verzögerten Formulierung erfreute sich zuletzt bei Drogenabhängigen großer Beliebtheit, die Tabletten gemörsert und in Flüssigkeit aufgelöst intravenös injizierten.

Endo Pharmaceuticals vertreibt Oxymorphon, ein halbsynthetisches Opioid und zehnmal so stark wirksam wie Morphin, bereits seit 1995 in den USA. Im Jahr 2006 führte der Hersteller das Retardpräparat Opana ER ein, das von Ärzten zur Behandlung von chronischen Schmerzen verschrieben wurde. Das Abhängigkeits- und Missbrauchs­potenzial von Oxymorphon (und anderen starken Opioiden) wurde jedoch unterschätzt. Das Schmerzmittel gelangte auf den Schwarzmarkt und in die Schlagzeilen der Presse, da das Mittel immer häufiger bei Drogentoten gefunden wurde.

Der Hersteller veränderte 2012 die Formulierung. Die neuen Tabletten wären härter und ließen sich schwerer in Flüssigkeit auflösen. Dies hat jedoch den Missbrauch nicht verhindert. Im Mai 2015 kam es in einer ländlichen Region von Indiana mit einer eher konservativen Bevölkerung zu einer Epidemie von HIV- und Hepatitis C-Erkrankungen, die durch die Injektion von Opana ER ausgelöst wurde. Der damalige Gouverneur Mike Pence, heute Vizepräsident der USA, musste widerwillig ein Nadelaustauschprogramm genehmigen, um die Epidemie zu begrenzen. Hinzu kam noch, dass die Anwendung von Opana ER mit Erkrankungen an einer thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura in Verbindung gebracht wurde. 

Die FDA ließ daraufhin die Postmarketing-Daten überprüfen. Im März empfahlen externe Gutachter der FDA mit 18 zu 8 Stimmen, das Mittel zu verbieten, da die Risiken größer seien als sein Nutzen. Die Behörde hat den Hersteller jetzt aufgefordert, das Mittel freiwillig vom Markt zu nehmen, um damit einem Entzug der Zulassung zuvorzukommen. Es wäre das erste Mal in der Geschichte der FDA, dass ein Opioid-haltiges Medikament wegen seines Missbrauchspotenzials verboten würde. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

16.11.17
Schmerzmittel in der Schwangerschaft reduzieren hämatopoetische Stammzellen
Hamburg – Jede zweite Frau nimmt während der Schwangerschaft Schmerzmittel ein. Das hat eine im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) laufende Studie ergeben, die in EBioMedicine publiziert......
16.11.17
Kratom: FDA warnt nach Todesfällen vor opioidhaltiger Pflanze
Silver Spring/Maryland – Mehrere Todesfälle nach dem Konsum von Kratom, einem in Südostasien verbreiteten Naturheilmittel zur Schmerzbehandlung, veranlassen die US-Arzneimittelbehörde FDA zu einer......
15.11.17
Crystal Meth in Bayern weiter auf dem Vormarsch
München – Die Modedroge Crystal ist in Bayern weiter auf dem Vormarsch. Das geht aus einem Bericht von Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) hervor, den dieser heute im Innenausschuss des......
13.11.17
Patienten leiden nach Intensivbehandlung häufig unter chronischen Schmerzen
Jena – Patienten leiden nach einer Behandlung auf der Intensivstation häufiger als vermutet unter chronischen Schmerzen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Universitätsklinikum Jena (UKJ).......
10.11.17
USA verbieten alle Fentanyl-ähnlichen Medikamente
Washington – Als Reaktion auf die Schmerzmittelabhängigkeit von Millionen US-Bürgern hat das Justizministerium in Washington ein Verbot aller mit dem Mittel Fentanyl verwandten Medikamente......
08.11.17
Extremitäten: Ibuprofen plus Paracetamol lindern Schmerzen wie Opiat
Albany – Patienten, die nach einer akuten Verletzung des Bewegungsapparates in der Notfallambulanz eintreffen, benötigen in der Regel keine Opiate. In einer randomisierten Vergleichsstudie im......
02.11.17
Massenrausch: Prozess gegen Psychotherapeut startet
Stade – Ein Psychotherapeut steht seit heute wegen des Massenrausches bei einem Heilpraktikerseminar in der Lüneburger Heide vor Gericht. Der 52-Jährige soll 2015 Drogen an die Teilnehmer des Treffens......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige