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Medizin

Hodenkrebs: Risikogene erklären ein Drittel der Seminome von Vater und Sohn

Dienstag, 13. Juni 2017

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Philadelphia/London – Das Seminom, mit einem Anteil von 95 Prozent die häufigste Hodenkrebs-Variante, ist innerhalb weniger Jahre zu einer der am besten erforschten Krebserkrankungen geworden. Mit zwei neuen genomweiten Assoziationsstudien in Nature Genetics (2017; doi: 10.1038/ng.3879 und 3896) lässt sich rund ein Drittel aller hereditären Tumore auf verschiedene Genvarianten zurückführen. Sie liefern nicht nur neue Einblicke in die Pathogenese. Auch Tests zur Früherkennung könnten in greifbare Nähe rücken.

Mit jährlich mehr als 52.000 Neuerkrankungen weltweit sind Seminome die häufigste Krebsform bei Männern im Alter von 18 bis 45 Jahren. Viele Erkrankungen treten familiär gehäuft auf. Genetiker schätzen, dass ein Drittel bis zur Hälfte der Seminome hereditär sind, sprich durch vererbte Genvarianten begünstigt oder ausgelöst werden. Während bei anderen Krebsformen seit Längerem Risikogene (etwa BRCA1 beim Brust­krebs) bekannt waren, blieb die Erforschung des Seminoms lange erfolglos. Dies änderte sich erst mit der Entwicklung der genomweiten Assoziationsstudien (GWAS), die das Erbgut von Menschen an mehreren Millionen Stellen, sogenannten Einzel­nukleo­tid-Polymorphismen (SNP) vergleichen. 

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Frühere GWAS hatten bereits eine Reihe von Risikogenen identifiziert. Ihre Zahl wird durch die neuen Forschungsergebnisse des internationalen TEsticular CAncer Consor­tium (TECAC) und einer von der Movember Foundation geförderten Untersuchung am Institute of Cancer Research (ICR) in London noch einmal gesteigert. Das TECAC hat das Erbgut von 3.558 Seminom-Patienten und 113.970 Kontrollen an fast 8 Millionen SNP verglichen. Beim ICR wurde die DNA von 7.319 Seminom-Patienten und 23.082 Kon­trol­len an über 10 Millionen SNP untersucht. 

Das TECAC-Team um Katherine Nathanson vom Abramson Cancer Center in Philadel­phia identifizierte insgesamt 12 Abschnitte auf den Chromosomen, auf denen sich insgesamt 39 Risikogene befinden. Sie erklären zusammen 25 Prozent der Krebserkran­kungen unter Brüdern und 37 Prozent der Fälle, in denen Vater und Sohn gemeinsam erkranken. Darunter sind zahlreiche Gene, die die Entwicklung der Keimzellen (TFCP2L1 and ZFP42), die Funktion der Kinetochore für die Zellteilung (ZWILCH), die Reaktion auf DNA-Schäden (TIPIN) oder die Stoffwechselfunktion von Mitochondrien (TKTL1 and LHPP) beeinflussen. Störungen an diesen Orten liefern plausible Erklä­rungen für eine Krebsentstehung.

Die britischen Forscher verwendeten einen anderen Genchip und sie beschreiben 19 neue Risikogene, die sich interessanterweise nicht mit den Ergebnisse der TECAC-Studie decken. Einige Genvarianten befinden sich laut Studienleiterin Clare Turnbull in Transkriptionsfaktoren. Andere steuern die Keimzelldifferenzierung oder sie greifen in den KIT-MAPK-Signalweg ein, einem bekannten Auslöser von Krebserkrankungen.

Die britischen Forscher schätzen, dass mit ihren Genvarianten jetzt 34 Prozent der gemeinsamen Seminome bei Vater und Sohn erklärt werden können. Sie haben einen Risikoscore entwickelt, der in der Lage sein soll, jene 1 Prozent der männlichen Bevölkerung zu identifizieren, deren Seminom-Risiko um den Faktor 14 erhöht ist, was einem Lebenszeitrisiko von 7 Prozent entspräche. Der Test könnte bei den Söhnen erkrankter Patienten eingesetzt werden, um eine Früherkennung zu ermöglichen. Ein solcher Test könnte sinnvoll sein, obwohl der Hodenkrebs zu den gut therapierbaren Krebserkrankungen gehört. In Deutschland standen 4.020 Neudiagnosen im Jahr 2012 nur 179 Sterbefälle gegenüber. © rme/aerzteblatt.de

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