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Hautkrebs­erkrankungen nehmen um zehn Prozent zu

Dienstag, 13. Juni 2017

/skampixelle, stock.adobe.com

Hamburg – Der Klimawandel wird auch die Gesundheit der Menschen in den Städten in Deutschland maßgeblich beeinflussen. Dermatologen und Präventionsexperten rechnen mit einem steigenden Hautkrebsrisiko. Die Stadtplanung sollte sich auf diese Situation einstellen und den öffentlichen Raum entsprechend gestalten. Das forderten die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP), die Deutsche Krebshilfe und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) heute in Hamburg.  

„Beim Klimawandel ist derzeit keine Trendwende in Sicht. Ohne einen ambitionierten Klimaschutz werden die gesundheitlichen Folgen für Mensch und Tier verheerend sein“, sagte Mojib Latif, Klimaexperte am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanfor­schung Kiel. Häufigere wärmere Tage verleiteten viele Menschen auch zu mehr und längeren Aufenthalten im Freien, wodurch sie der UV-Strahlung der Sonne stärker ausgesetzt seien.

Hautkrebs: Zahlen gehen nach oben

ADP, Krebshilfe und BfS weisen in diesem Zusammenhang auf neue Zahlen zur Epi­demio­logie von Melanomen und hellem Hautkrebs hin. Alexander Katalinic, Direktor des Instituts für Krebsepidemiologie, Universität zu Lübeck, hat diese jetzt vorgestellt. 
Sie basieren auf Hautkrebszahlen des Krebsregisters Schleswig-Holstein für das Jahr 2014.

Für einen bundesweiten Trend haben die Epidemiologen die alters- und geschlechts­spezifischen Erkrankungsraten des Jahres 2014 aus Schleswig-Holstein auf die entsprechenden Bevölkerungszahlen für Deutschland übertragen. Es handelt sich also um Schätzungen für absolute Erkrankungszahlen. Danach sind im Jahr 2014 290.691 Menschen in Deutschland an Hautkrebs erkrankt: 36.441 an einem malignen Melanom, 156.260 an einem Basalzellkarzinom und 97.990 an einem spino­zellulären Karzinom.

Anstieg beim malignen Melanom

„Die Zahl der Hautkrebserkrankungen in Deutschland ist nach der aktuellen Schätzung für 2014 gegenüber der Schätzung des Vorjahres (2013: 264.880) auf 290.691, damit um circa 26.000 Fälle (circa zehn Prozent) angestiegen“, berichtete Katalinic, der auch erster Vorsitzender der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutsch­land ist. Auffällig sei ein ausgeprägter Anstieg beim malignen Melanom und bei den In-situ-Formen.

Ob der Anstieg der Hautkrebszahlen in 2014 nach drei Jahren mit relativ konstanten Zahlen eine Trendwende hin zu einem weiteren Anstieg oder nur eine zeitliche Schwankung darstellt, bleibe abzuwarten. „Die öffentlichen Diskussionen um das Hautkrebs-Screening und Hautkrebs als Berufskrankheit können in der Bevölke­rung und der Ärzteschaft zu einer erhöhten Aufmerksamkeit gegenüber Hautkrebs und so zu erhöhten Entdeckungsraten geführt haben“, erläuterte Katalinic und warnt so vor übereilten Rückschlüssen auf den Klimawandel.

Intensive Sonne kann an vielen Orten des Alltags auftreten, beispielsweise am Arbeits­platz, auf dem Schulhof, dem Kita-Außengelände, im Park oder auf dem Fußballplatz. Das UV-Schutz-Bündnis, ein vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) initiiertes Expertengremium, fordert darum mehr verhältnispräventive Maßnahmen. „Das Lebens- und Arbeitsumfeld der Menschen sollte so gestaltet sein, dass alle, die sich im Freien aufhalten, starker UV-Strahlung ausweichen können. Das ist die Aufgabe der Verhältnisprävention von Hautkrebs“, sagte Cornelia Baldermann, Koordinatorin des UV-Schutz-Bündnisses des BfS. 

„Über die Gestaltung geeigneter Stadtentwicklungskonzepte, die auch Möglichkeiten zum Schutz vor UV-Strahlung im Alltag berücksichtigen, kann langfristig ein wichtiger Beitrag zur Reduktion des Hautkrebsrisikos geleistet werden“, appellieren die drei Organisationen an die Politik. © hil/aerzteblatt.de

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