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Medizin

Chronische Schmerzen: miRNA wandelt sensible Neurone in Schmerzfasern um

Mittwoch, 14. Juni 2017

Stockholm – Bei der Entwicklung von chronischen Schmerzen könnte die Umwandlung von sensiblen Nervenfasern in schmerzleitende Neurone eine wichtige Rolle spielen. Dies berichten Wissenschaftler um Patrik Ernfors am Karolinska Institutet in Science (2017; doi: 10.1126/science.aam7671).

Bei der Entwicklung von chronischen Schmerzen kommt es zu einer Reihe von neuro­modulativen Vorgängen, die das Schmerz- und Berührungsempfinden nachhaltig verän­dern. Typisch ist beispielsweise eine Allodynie, bei der auch leichtere Druck- und Berüh­rungsempfindungen als schmerzhaft wahrgenommen werden. Die Forscher berichten, dass viele Schmerzforscher bisher davon ausgehen, dass die schmerz­leitenden Fasern hypersensibel werden. Die Ergebnisse der Forscher weisen jedoch drauf hin, dass dies nicht der einzige Grund für das verstärkte Schmerzempfinden ist.

Mechanismen unklar

Die Arbeitsgruppe wusste aus Vorstudien, dass bestimmte microRNAs, also RNA-Partikel, welche die Genexpression modifizieren, die Entstehung von chronischen Schmerzen unterdrücken können. Zu diesen gehören beispielsweise die MiR-183-microRNAs, welche die Forscher in ihrer Studie untersuchten. Welche genauen Mechanismen bei der Schmerzunterdrückung eine Rolle spielen, war bisher laut der Arbeitsgruppe nicht klar.

Die Forscher untersuchten daher Mäuse, denen ein Nervenschaden zugefügt wurde. Sie stellten fest, dass in der Folge die Level der MiR-183-microRNAs abfielen. Dadurch kam es zu einer verstärkten Expression spezieller Ionenkanäle in den sensiblen Nervenfasern, die einen qualitativen Switch der Nerven­fasern verursachten. Aus den sensiblen Nervenfasern wurden Neurone für die Nozizep­tion. Interessanterweise zeigte sich, dass beispielsweise das Medikament Gabapentin auf genau diese Nervenfasern einwirkt. 

Die Forscher berichten, dass MiR-183-microRNAs die Expression von rund 80 Prozent der Gene beeinflussen, welche neuropathische Schmerzen modulieren. Die Ergebnisse würden darauf hinweisen, dass bei der Entwicklung von Schmerzmedikamenten auch Therapieansätze sinnvoll sein könnten, die auf den Switch der sensiblen Neurone abzielen. © hil/aerzteblatt.de

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