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Medizin

Studie: Nächtlicher Fluglärm steigert auf Dauer den Blutdruck

Mittwoch, 14. Juni 2017

dpa

Athen – Viele Bewohner einer griechischen Kleinstadt, die in der Flugschneise des neuen Athener Flughafens leben, haben innerhalb weniger Jahre Hörstörungen und eine arterielle Hypertonie entwickelt. Besonders schädlich war laut einer Studie in Occupational and Environmental Medicine (2017; doi: 10.1136/oemed-2016-104180) die nächtliche Lärmexposition.

Als der Flughafen Eleftherios-Venizelos östlich von Athen 2001 eröffnet wurde, war abzusehen, dass die Bewohner von Artemida einer erhöhten Lärmbelästigung ausgesetzt sein würden. Die Kleinstadt liegt direkt in der Flugschneise des neuen Flughafens mit täglich bis zu 600 Starts und Landungen. Eleftherios-Venizelos wurde deshalb neben anderen stadtnahen Flughäfen wie Tegel, Schiphol oder Heathrow in die HYENA-Studie einbezogen. 

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Die 2004-6 durchgeführte Untersuchung ergab, dass etwa die Hälfte der Teilnehmer (knapp 49 Prozent) tagsüber mehr als 55 dB Fluglärm ausgesetzt war. Ein Viertel (knapp über 27 Prozent) wurde nachts mit mehr als 45 dB beschallt. Die Forscher fanden damals heraus, dass vor allem der nächtliche Lärm die Bewohner stresst: Bei jedem Überflug über die Häuser stieg der Blutdruck der Bewohner vorübergehend an.

Ein Team um Klea Katsouyanni von der Medizinischen Hochschule in Athen hat 420 Teilnehmer der Studie 2013 erneut kontaktiert und nach gesundheitlichen Problemen befragt: 71 Personen waren an einer arteriellen Hypertonie erkrankt, bei 44 war ein Vorhofflimmern festgestellt worden. Weitere 18 Teilnehmer hatten einen Herzinfarkt erlitten. Nicht alle diese Erkrankungen sind  auf den Fluglärm zurückzuführen. Die Untersuchung zeigt jedoch, dass Bewohner mit einer erhöhten Lärmbelästigung häufiger erkrankten.

Die Zahl der Neuerkrankungen an der arteriellen Hypertonie erhöhtes sich mit jedem Anstieg der nächtlichen Lärmexposition von 10 dB um den Faktor 2,63 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,21 bis 5,71). Für das Vorhofflimmern ermittelten die Forscher eine Odds Ratio von 1,88 (0,85-4,19) und für Schlaganfälle von 1,99 (0,23-17,2), die beide nicht signifikant waren. Für Herzinfarkte war mit einer Odds Ratio von 0,37 (0,10-1,42) kein erhöhtes Risiko durch die Lärmexposition erkennbar. Die Studie zeigt auch eine Assoziation mit ärztlich diagnostizierten Hörstörungen. Die Odds Ratio betrug hier 3,51 (1,46-8,44) pro 10 dB.

Der Verkehrslärm – etwa ein Zehntel der Bewohner von Artemida waren einem Lärmpegel von mehr als 55 dB ausgesetzt – hatte dagegen kaum Auswirkungen auf die kardiovaskuläre Gesundheit. Die Untersuchung hat laut Katsouyanni erstmals die Langzeitwirkung von Fluglärm auf die Gesundheit untersucht. Wegen der relativ kleinen Fallzahl seien noch keine sicheren Aussagen möglich. Die Studie habe nicht alle anderen möglichen Auslöser, etwa die Luftverschmutzung, berücksichtigen können. © rme/aerzteblatt.de

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