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Medizin

Sieben Gene können den Schlaf rauben

Mittwoch, 14. Juni 2017

/Dan Race, stock.adobe.com

Amsterdam – Ein nicht erholsamer Schlaf kann angeboren sein. Eine genomweite Assoziationsstudie in Nature Genetics (2017; doi: 10.1038/ng.3888) identifizierte sieben Genvarianten, die das Schlafverhalten beeinflussen. Darunter war ein Gen, das in früheren Untersuchungen mit dem Restless Legs Syndrom in Verbindung gebracht wurde.

Jeder zehnte Erwachsene klagt über einen schlechten Schlaf. Häufig ist dies selbst­verschuldet, weil einfache Regeln zur Schlafhygiene nicht eingehalten werden. Auch persönliche Sorgen oder psychologische Probleme können dazu führen, dass Menschen nachts kein Auge zu bekommen. Schlafstörungen haben jedoch eine genetische Komponente. Dafür spricht die Beobachtung, dass Insomnien häufig familiär gehäuft auftreten. Forscher schätzen die Heritabilität von Ein- oder Durchschlafstörungen auf 59 Prozent bei Frauen und 38 Prozent bei Männern. 

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Die verantwortlichen Gene sind erst ansatzweise bekannt. Kürzlich ermittelte ein Forscherteam um Richa Saxena vom Massachusetts General Hospital in Boston einen Zusammenhang von Schlafstörungen mit einer Reihe von Genen (Nature Genetics 2017; 49: 274–281). 

Ein Team um Danielle Posthuma von der Freien Universität Amsterdam kommt jetzt zu ähnlichen Ergebnissen. Die Forscher untersuchten die Gene von 113.006 Probanden der UK Biobank, die in Fragebögen Auskunft zu ihren Schlafeigenschaften gemacht hatten. Es handelt sich überwiegend um ältere Menschen im Alter von über 50 Jahren. Frauen klagten hier zu 33 Prozent über Schlafstörungen, bei Männern betrug der Anteil 24 Prozent. 

Der Vergleich der Gene an 12,5 Millionen Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) ergab, dass sieben Genvarianten mit Schlafstörungen assoziiert waren. Die Über­prüfung an einer zweiten Kohorte von 7.565 Menschen aus Island konnte sechs der sieben Gene bestätigen. Außerdem gab es Überschneidungen mit den Genen, die die US-Forscher gefunden hatten (allerdings ebenfalls auf der Basis der UK Biobank). Ein statistisches Artefakt kann damit weitgehend ausgeschlossen werden.

Die sieben Gene haben unterschiedliche Funktionen. Bei einigen handelt es sich um Steuergene, die die Transkription anderer Gene beeinflussen. Andere sind an der Exozytose, also der Freisetzung von Molekülen aus den Zellen in die Umgebung beteiligt. Wie dies zu Schlafstörungen führen kann, ist bisher nicht erforscht. 

Konrad Oexle vom Helmholtz-Zentrum München, der an der Studie beteiligt war, hebt die Bedeutung eines Gens hervor. Das Gen MEIS1, das am stärksten mit Schlaf­störun­gen korrelierte, wurde in früheren Studien bereits mit zwei anderen Schlafstörungen verknüpft: Periodische Gliedmaßenbewegungen des Schlafes (PLMS) und Restless Legs Syndrome (RLS). 

Patienten mit PLMS und RLS leiden unter Schlafstörungen, weil körperliche Bewegungen sie nicht zur Ruhe kommen lassen, bei Schlafstörungen sind es häufig Gedanken, die die Menschen wach halten. Dass die Ursachen der rastlosen Beine und des rastlosen Geistes übereinstimmen könnten, ist für Oexle ein überraschender Zusammenhang, der jetzt in weiteren Studien näher erforscht werden soll. © rme/aerzteblatt.de

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