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Medizin

Gestationsdiabetes häufiger als bisher angenommen

Mittwoch, 14. Juni 2017

Köln – Mit 13,2 Prozent liegt die Ein-Jahres-Prävalenz des Gestationsdiabetes in Deutschland deutlich über den bisherigen Annahmen, aber im Bereich aktueller internationaler Schätzungen für Europa. Zu diesem Ergebnis kommen Melchior und Koautorinnen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 412–8); Datengrundlage für die Originalarbeit waren die ambulanten Leistungsdaten aller gesetzlich Krankenversicher­ten in den Jahren 2014 und 2015.

Das zweistufige Screening auf Gestationsdiabetes mellitus (GDM), eine erstmals in der Schwangerschaft auftretende Glukosetoleranzstörung mit einem erhöhten Risiko für Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, wird inzwischen in Deutschland umfassend umgesetzt. Mehr als 80 Prozent der gesetzlich krankenversicherten Schwan­ge­ren nutzen das Angebot und lassen die Untersuchung durchführen.

Diese besteht aus einem Vortest und – bei auffälligem Ergebnis – aus einem nachfolgenden oralen Glukosetoleranz-Test. Die Untersuchung wird seit dem Jahr 2012 in Deutschland als Regelleistung in der Gesetzlichen Krankenversicherung angeboten. Fallen beide Tests positiv aus, soll die weitere Betreuung der Schwangeren in enger Zusammen­arbeit mit einer diabetologisch qualifizierten Ärztin erfolgen. Die Kernelemente der GDM-Therapie sind Anleitungen zur Ernährungsumstellung und vermehrte körperliche Bewegung. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kann eine Insulintherapie erforderlich werden.

Die meisten Schwangeren erhalten nur den Vortest. Ihnen bleibt der aufwendigere und belastendere orale Glukosetoleranz-Test erspart, betonen die Autorinnen. Die Daten zeigten zudem, dass das Alter ein bedeutender Risikofaktor für GDM ist: Bei jüngeren Frauen kann häufiger bereits mit dem Vortest ein Gestationsdiabetes ausgeschlossen werden. Mit dem Alter nimmt die GDM-Prävalenz von rund 10 Prozent bei den 20- bis 24-Jährigen auf mehr als 20 Prozent bei Frauen ab 40 Jahren zu. © tg/aerzteblatt.de

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