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Politik

Deutschland schneidet bei Gesundheit gut ab

Freitag, 16. Juni 2017

/Christian Schwier, stock.adobe.com

Berlin – Kindern in Deutschland geht es einer Unicef-Studie zufolge in vielen Lebens­bereichen besser als ihren Altersgenossen in anderen Industrieländern. Das gilt auch für ihren Gesundheitszustand und ihr Wohlergehen: Deutschland belegt hier Platz vier unter 40 untersuchten Ländern mit hohem und mittleren Einkommen. Am besten abgeschnitten hat Portugal, gefolgt von Island und Spanien. Auf dem letzten Rang landete Chile.

Insgesamt wurden fünf Indikatoren für die Bewertung herangezogen: die Neugebore­nen­sterblichkeit, die Suizidrate unter den 15- bis 19-Jährigen, die mentale Gesundheit von Schulkindern, die Trunksucht unter den Elf- bis 15-Jährigen sowie der Anteil an Teenagerschwangerschaften.

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Japan hat die niedrigste Neugeborenensterblichkeit

Mit einer Neugeborenensterblichkeit von 0,22 Prozent liegt Deutschland knapp unter dem Länderdurchschnitt (0,28 Prozent). Den geringsten Wert erreicht Japan mit 0,09 Prozent. Auf dem letzten Platz landet Mexico: Unter 1.000 Geburten sterben dort im Durchschnitt acht Kinder in den ersten vier Lebenswochen (0,8 Prozent).

Die Suizidrate unter den 15- bis 19-Jährigen Jugendlichen liegt für die untersuchten Länder im Durchschnitt bei 0,006 Prozent. Laut Studie haben somit von 100.000 Jugendlichen im genannten Altersbereich durchschnittlich sechs von ihnen Selbstmord begangen. Deutschland befindet sich mit einer Suizidrate von 0,004 Prozent im vorderen Drittel hinter beispielsweise Bulgarien, Dänemark, Italien, Großbritannien und Spanien. Am niedrigsten ist der Anteil der jugendlichen Suizide in Portugal (0,0017 Prozent), am höchsten hingegen in Neuseeland. Dort haben sich im Durchschnitt rund 16 von 100.000 Jugendlichen umgebracht (0,016 Prozent).

Alkohol: Deutschland im Mittelfeld

Was den Alkoholkonsum der Elf- bis 15-Jährgen betrifft, liegt Deutschland im Länder­durchschnitt. Rund sieben Prozent der Elf- bis 15-jährigen Schulkinder gaben in einer Befragung an, in den vergangenen dreißig Tagen betrunken gewesen zu sein. Insbe­sondere südeuropäische Staaten wie Italien, Spanien und Portugal schneiden besser ab als der Durchschnitt, die meisten osteuropäischen Länder hingegen schlechter. Am häufigsten gaben Schulkinder in Bulgarien an, in den vergangenen dreißig Tagen betrunken gewesen zu ein (13 Prozent). Auf Platz eins liegt Island mit einem Anteil von rund zwei Prozent. Insgesamt nehme die Trunksucht unter den Jugendlichen in allen untersuchten Ländern jedoch tendenziell ab, so die Studienleiter.

Ein ähnliches Bild zeige sich auch bei den Teenagerschwangerschaften: In den meisten Staaten ist der Anteil der Mädchen, die zwischen ihrem 15. und 19. Lebensjahr schwan­ger werden, in den vergangenen zehn Jahren merklich zurückgegangen. Nichtsdesto­trotz ist die Situation in den einzelnen Ländern immer noch sehr unterschiedlich. Den geringsten Anteil an Teenagerschwangerschaften verzeichnet Korea: Durchschnittlich rund zwei von 1000 Mädchen werden dort schwanger (0,2 Prozent). In Deutschland sind es im Durchschnitt rund sechs Mädchen (0,6 Prozent). Auf den letzten Plätzen landen Rumänien (3,4 Prozent), Bulgarien (3,7 Prozent), Chile (4,8 Prozent) und Mexico (6,2 Prozent).

Psychologische Beschwerden unter Jugendlichen sind in fast allen untersuchten Ländern auf dem Vormarsch. Im Durschnitt gaben 23 Prozent der befragten Schulkinder zwischen elf und 15 Jahren an, mehr als einmal pro Woche unter mindestens zwei psychologischen Symptomen wie Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen und Depri­miert­heit zu leiden. Mit einem Anteil von 14 Prozent sind psychologische Beschwer­den unter deutschen Jugendlichen am geringsten verbreitet. Schlusslicht ist Italien mit rund 37 Prozent.

Für ihre Studie untersuchte das Unicef-Forschungszentrum Innocenti die Lage der Kinder anhand der neun von den Vereinten Nationen formulierten Kriterien für nach­haltige Entwicklung – unter anderem ging es um Armut, Ungleichheit, Gesundheit, Bildung und Sicherheit. Die untersuchten Länder sind Mitglieder der EU und/oder der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD).

Lage im Ruhrgebiet und in Berlin wie in Rumänien

Unicef-Deutschland-Sprecher Rudi Tarneden sagte, der internationale Vergleich basiere auf nationalen Durchschnittswerten. In manchen Regionen und Städten in Deutsch­land, beispielsweise im Ruhrgebiet oder in Berlin und Bremen, sei die Situation von Kindern aber „vergleichbar mit den nationalen Durchschnittswerten in Rumänien oder Griechenland“.

Das gute Abschneiden im internationalen Vergleich dürfe zudem nicht darüber hinweg­täuschen, dass auch in Deutschland ganze Gruppen von Kindern Gefahr liefen, abge­hängt zu werden. Überdurchschnittliche Probleme hätten etwa Kinder von Allein­erziehen­den, sagte er. Am kommenden Donnerstag stellt Unicef Deutschland eine detaillierte Untersuchung zur Lage von Kindern in Deutschland vor, die das Wohl­ergehen nach Regionen und besonders betroffenen Gruppen analysiert. © vp/aerzteblatt.de

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