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Medizin

US-Kardiologen: Ungesättigte Fettsäuren senken Herz-Kreis­lauf-Risiken um 30 Prozent

Freitag, 16. Juni 2017

ok-foto - stock.adobe.com

Dallas – Eine Ernährung, die gesättigte durch ungesättigte Fettsäuren ersetzt, dabei aber Transfette und Zucker vermeidet, leistet nach Einschätzung der American Heart Association einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die US-Kardiologen treten in einem „Presidential Advisory“ in Circulation (2017; doi: 10.1161/CIR.0000000000000510) Berichten in den Medien entgegen, nach denen einige gesättigte Fettsäuren unschädlich sein sollen.

Eine Umfrage ergab kürzlich, dass 72 Prozent der US-Bevölkerung Kokosöl für gesund halten. Die meisten Ernährungsexperten sind anderer Ansicht und auch die American Heart Association widerspricht vehement. Die Fettsäuren im Kokosöl sind zu 82 Prozent gesättigt. Einen gleich hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren hat Palmkernöl, das die US-Kardiologen deshalb ebenfalls als ungesund einstufen. Günstiger seien dagegen Öle mit einem hohen Anteil von ungesättigten Fetten wie Sonnenblumenöl (84 Prozent) oder Olivenöl (73 Prozent).

Die erste Präferenz gilt allerdings Ölen mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Erdnussöl (32 Prozent), Maisöl (55 Prozent), Sojabohnenöl (58 Prozent) oder am besten Diestelöl (75 Prozent). Auch Vollmilch und Butter sind aus Sicht der American Heart Association eher problematische Nahrungsmittel, da sie bei vielen Menschen die Hauptquelle für gesättigte Fettsäuren sind.

Der vermehrte Verzehr von Milchprodukten mit vermindertem Fettgehalt könnte nach Einschätzung der American Heart Association das Problem entschärfen. Dass die Fermentierung in Käseprodukten die Schädlichkeit gesättigter Fette vermindert sei dagegen nicht belegt.

Frank Sacks von der T.H. Chan School of Public Health der Harvard Universität und Mitarbeiter erklären die Bevorzugung mit den Ergebnissen aus vier randomisierten klinischen Kernstudien aus den 60er bis 80er Jahren. In der amerikanischen Wadsworth Hospital and Veterans Administration Center-Studie, der Oslo Diet-Heart Study einer Studie des British Medical Research Council und in der Finnish Mental Hospital Study waren die gesättigten durch ungesättigte Fettsäuren ersetzt worden mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Folgejahren um fast 30 Prozent sanken (Relatives Risiko 0,71; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,62-0,81). 

Auch eine Reihe von prospektiven Beobachtungsstudien hat gezeigt, dass Menschen, die gesättigte Fettsäuren in der Nahrung meiden, vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen geschützt sind. Nach den Ergebnissen der Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study kommt es allerdings stark darauf an, wodurch die gesättigten Fettsäuren ersetzt werden. Eine Ernährung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren war mit einem um 25 Prozent verminderten Erkrankungsrisiko assoziiert, bei einfach ungesättigten Fettsäuren war das Risiko um 15 Prozent vermindert.

Wer stattdessen auf Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten umsteigt, kann das Risiko um 9 Prozent vermindern. Das Erkrankungsrisiko stieg allerdings, wenn statt der gesättigten Fette vermehrt Kohlenhydrate aus Stärke und Haushaltszucker (plus 1 Prozent) oder Transfette (plus 5 Prozent) konsumiert wurden. Diese beiden Nährstoffe dominieren zusammen mit gesättigten Fetten in vielen Fastfood-Produkten. © rme/aerzteblatt.de

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