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Medizin

Studie: Radon erhöht Melanomrisiko

Sonntag, 18. Juni 2017

Basel – Radon, ein radioaktives Zerfallsprodukt des Urans, könnte neben dem Lungenkrebs auch Hautkrebs auslösen. Zu diesem Ergebnis kommt eine bevölkerungs­basierte Kohortenstudie in Environmental Health Perspectives (2017; doi: 10.1289/EHP825). Sie basiert auf Zahlen aus der Schweiz, deren Bevölkerung europaweit am stärksten durch das im Gestein enthaltene Radon exponiert ist und wo bezogen auf die Bevölkerung fast doppelt so viele Menschen am malignen Melanom sterben wie in Deutschland.

Die krebserregende Wirkung von Radon wird allgemein unterschätzt. Das Edelgas wird jedoch beständig aus Granit und metamorphen Gesteinen freigesetzt, die in den Alpen reichlich vorhanden sind. Radon zerfällt nach kurzer Zeit unter Abgabe von Alpha­teilchen, die auf kurze Distanz das Gewebe schädigen und Krebs auslösen können.

Besonders gefährdet sind die Lungen, in die das Gas beim Atmen gelangt. Radon ist nach Rauchen der zweitwichtigste Auslöser von Lungenkrebs. Die Weltgesund­heitsorganisation vermutet, dass 3 bis 14 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen durch Radon ausgelöst werden. In der Schweiz wird der Anteil auf fast 10 Prozent geschätzt.

Radon wird jedoch nicht nur eingeatmet. Die Haut ist nach den Atemwegen das am zweitstärksten exponierte Gewebe. Es gibt deshalb gute Gründe, nach dem Einfluss von Radon auf das Hautkrebsrisiko zu suchen. Ein Team um Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) hat hierzu die Daten der Swiss National Cohort ausgewertet, die eine Verknüpfung von Zensusdaten (mit dem Wohnort der Einwohner) zu den Sterberegistern (mit den Angaben zu den Todesursachen) ermöglicht.

Ausgewertet wurden 1.900 Todesfälle am malignen Melanom, die zwischen 2000 und 2008 bei Personen über 20 Jahre in der ganzen Schweiz aufgetreten waren. Die häusliche Radonbelastung wurde anhand von rund 45.000 Messungen des Bundesamtes für Gesundheit errechnet unter Berücksichtigung der Gebäude­charakteristik und der geologischen Beschaffenheit des Wohnorts.

Ergebnis: Die Zahl der Todesfälle am malignen Melanom war in den Regionen mit der stärksten Radon-Exposition am höchsten. Röösli ermittelte ein relatives Risiko von 1,16 pro 100 Bq/m3, das mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,04-1,29 signifikant war. Das Risiko war sogar vergleichsweise höher als für die UV-Exposition, die das Sterberisiko am Melanom um den Faktor 1,11 pro W/m2 erhöhte (1,01-1,23) – wobei hier natürlich Äpfel mit Birnen verglichen wurden – es fehlen Angaben zu dem geschätzten Anteil beider Risiken an den Todesfällen. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist, dass die UV-Exposition im Gebirge, wo das meiste Radon freigesetzt wird, am höchsten sind und die Urlauber in der Regel beiden Risiken ausgesetzt sind. 

Interessanterweise war das Risiko, durch Radon an einem malignen Melanom zu sterben, in der Altersgruppe der 30-Jährigen mit einer Hazard Ratio von 1,41 pro 100 Bq/m3 (1,09-1,80) am höchsten. Bei den 75-Jährigen fand Röösli nur noch einen nicht-signifikanten Trend von 1,05 pro 100 Bq/m3 (0,94-1,18). Diese Abnahme des Risikos mit dem Alter ist laut Röösli biologisch plausibel, da das Gewebe von jüngeren Menschen empfindlicher auf ionisierende Strahlung reagiere als im Alter. So seien in Japan nach den Atombombenexplosionen Kinder im Alter von 10 Jahren doppelt so häufig an Krebs erkrankt wie 40-Jährige.

© rme/aerzteblatt.de

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