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Ausland

Mehr Menschen denn je auf der Flucht

Montag, 19. Juni 2017

Genf – Vor Krieg, Gewalt und Verfolgung waren im vergangenen Jahr 65,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Das sind 300.000 mehr als im Jahr davor, jeder Fünfte stammte aus Syrien. Wie das UN-Flüchtlings­hilfswerk (UNHCR) heute in Genf berichtete, mussten pro Minute auf der Welt 20 Menschen fliehen. Jeder 113. Mensch auf der Welt sei ein Flüchtling. Seit 1997 hat sich die Flüchtlingszahl damit praktisch verdoppelt.

Darunter waren 22,5 Millionen Menschen, die in andere Länder flüchteten und 40,4 Millionen Vertriebene, die in ihren Heimatländern Unterschlupf fanden. Die Gesamtzahl lag knapp über der des Vorjahres.

Die Zahlen suggerierten eine Stagnation der Lage, aber das sei falsch, sagte Flüchtlings­hochkommissar Filippo Grandi. Sie verschleierten nur, wie instabil die Lage in vielen Regionen sei. Grandi zufolge sind Millionen Menschen in ihre Heimatorte zurückgekehrt, ohne dass die Lage wirklich sicherer war. Andere hätten ein neues Zuhause in Drittländern gefunden. Neu wurden 10,3 Millionen Menschen in die Flucht getrieben.

Dies ist keine Krise der reichen Welt, sondern eine Krise der Entwicklungsländer. Filippo Grandi

Besonders alarmiert ist das UNHCR über die Lage im Südsudan, die außer Kontrolle zu geraten droht. Das Land steht nach Anzahl der ins Ausland geflüchteten Landsleute mit 1,4 Millionen Menschen bereits an dritter Stelle, hinter Syrien mit 5,5 Millionen und Afghanistan mit 2,5 Millionen. Seit Jahresbeginn seien aus dem Südsudan weitere 500.000 Menschen geflohen. Das Land ist erst seit 2011 mit damals zwölf Millionen Einwohnern unabhängig geworden. Zwei Jahre später brachen Kämpfe zwischen verschiedenen Ethnien um die Vorherrschaft aus.

Zählt man die über die Grenzen Geflüchtete und intern Vertriebene zusammen, steht Syrien an erster Stelle mit zwölf Millionen. 650 von 1.000 Einwohnern von Syrien sind auf der Flucht. Danach kommt Kolumbien mit 7,7 Millionen, gefolgt von Afghanistan mit 4,7 Millionen, Irak mit 4,2 Millionen und Südsudan mit 3,3 Millionen, dahinter liegen Kongo, Somalia, Nigeria, Ukraine und Jemen. 84 Prozent fanden in Entwick­lungsländern Zuflucht. „Dies ist keine Krise der reichen Welt, sondern eine Krise der Entwicklungsländer“, betonte Grandi.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller hat unterdessen vor einer großen Fluchtbewegung von bis zu 100 Millionen Menschen aus Afrika Richtung Norden gewarnt, falls eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad nicht gelingt. Vor allem in Afrika entscheide sich die Zukunft der Welt, sagte der CSU-Politiker der Bild am Sonntag.

„Wenn wir weitermachen wie bisher, haben die Menschen in vielen Teilen Afrikas gar keine andere Chance, als sich zu uns auf den Weg zu machen“, sagte der CSU-Politiker.
Müller forderte einen „Marshallplan“, ein groß angelegtes Investitionsprogramm für Afrika.

Die Lage in Afrika wird am 7. und 8. Juli in Hamburg auch erstmals ein Schwerpunkt­thema beim G20-Gipfel sein. Die Bundesregierung hatte vergangenen Montag beim Gipfeltreffen afrikanischer Staats- und Regierungschefs in Berlin 300 Millionen Euro zugesagt. Damit soll reformorientierten Staaten in Afrika geholfen werden, private Investoren anzulocken. Die Hilfszusage soll die anderen G20-Staaten zu einem stärkeren Engagement auf dem von Konflikten, Flucht und Armut gebeutelten Kontinent bewegen.

© dpa/aerzteblatt.de

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