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Medizin

Insulinnasenspray könnte helfen, das Essverhalten zu regulieren

Montag, 19. Juni 2017

Nasenspray /Manuel Schäfer, stock.adobe.com
Durch die Applikation des Insulins über ein Nasenspray gelangt das Hormon direkt ins Gehirn. /Manuel Schäfer, stock.adobe.com

Tübingen – Insulin im Gehirn aktiviert bestimmte Hirnregionen und kann so helfen, das Hungergefühl zu regulieren. Darauf deuten Untersuchungen von Forschern des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) aus Tübingen hin. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in Scientific Reports (2017, DOI:  10.1038/s41598-017-01907-w).

Um die Wirkungsweise von Insulin besser zu verstehen, haben Forscher 25 gesunden schlanken, zehn übergewichtigen und 12 adipösen Erwachsenen Insulin oder einen Placebo gegeben. Durch die Applikation des Hormons über ein Nasenspray wird die Bluthirnschranke umgangen und das Insulin gelangt direkt ins Gehirn. Dreißig Minuten nach der intranasalen Insulingabe wurden die Hirnaktivitäten im Magnetresonanz­tomographen untersucht. Weitere eineinhalb Stunden später befragten die Autoren die Teilnehmer nach ihrem subjektiven Hungergefühl, was zu unterschiedlichen Antworten in Abhängigkeit vom Körpergewicht führte.

Das intranasale Insulin verbessert bei allen Studienteilnehmern, vor allem aber bei den Übergewichtigen, die funktionalen Verbindungen in den präfrontalen Regionen des Ruhestandsnetzwerks (Default Mode Network, DMN). Diese Gruppe von Hirnregionen wird aktiviert, wenn der Mensch keinerlei Aufgaben nachgeht und sich stattdessen kognitiven Prozessen widmet, wie Tagträumen oder Zukunftsplänen. Es ermöglicht das reizunabhängige Denken. Darüber hinaus verstärken sich die funktionalen Verbin­dungen zwischen dem DMN und dem Hippocampus sowie dem Hypothalamus – eine homöostatische Region, die im Gehirn unter anderem den Salz- und Wasserhaushalt sowie den Blutdruck reguliert.

Bei einer durch Insulin erhöhten Konnektivität zwischen dem DMN und dem Hippocampus wird diese Verkettung zwischen Fettgewebe und dem subjektiven Hungergefühl unterdrückt. Stephanie Kullmann, Deutsches Zentrum für Diabetesforschung, Tübingen

Die beobachteten Veränderungen im Gehirn beeinflussen somit auch das Essverhalten. Sie bewirken, dass sich die Verbindung zwischen Fettleibigkeit und Hungergefühl ändert. Eigentlich haben Menschen mit viel viszeralem Fettgewebe auch mehr Hunger. In der Studie hatten die Teilnehmer nach intranasaler Insulingabe jedoch weniger Hunger. „Bei einer durch Insulin erhöhten Konnektivität zwischen dem DMN und dem Hippocampus wird diese Verkettung zwischen Fettgewebe und dem subjektiven Hungergefühl unterdrückt“, erläutert Stephanie Kullmann, Autorin der Studie.

Verbesserte Insulin-Empfindlichkeit durch intranasales Insulin

Außerdem beobachteten die Wissenschaftler, dass Insulin im Gehirn auch die Wirkung des Hormons im Körper verbessert. Studienteilnehmer mit einer durch Insulin induzierten erhöhten funktionalen Konnektivität im DMN weisen im Körper eine höhere Insulin-Empfindlichkeit auf. Das wirkt Adipositas und Typ-2-Diabetes entgegen.
Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass Insulin im Gehirn durch eine verbesserte funktionelle Verbindung zwischen kognitiven und homöostatischen Regionen im Hirn vielleicht helfen kann, das Essenverhalten zu regulieren und abzunehmen. © gie/aerzteblatt.de

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