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Medizin

Wachstumshormon: Genvariante im Rezeptor kann Leben von Männern um 10 Jahre verlängern

Montag, 19. Juni 2017

newrossosh - stock.adobe.com

New York – Eine Genvariante im Rezeptor für das Wachstumshormon ist bei Männern, nicht aber bei Frauen, mit einer um zehn Jahre höheren Lebenserwartung verbunden. Dies geht aus der Analyse von vier Kohortenstudien in Science Advances (2017; 3: e1602025) hervor. Die Genvariante verbesserte die Effektivität des körpereigenen Wachstumshormons, weshalb die Träger etwa 2,5 cm größer waren als andere Senioren.

3Bei den meisten Spezies leben kleinere Wesen länger. Forscher führen dies auf die negativen Wirkungen von Wachstumshormon und Insulin-ähnlichem Wachstumsfaktor 1 (IGF1) auf den Stoffwechsel zurück. Menschen mit Laron-Syndrom, einem seltenen angeborenen Defekt von Rezeptoren für das Wachstumshormon, erkranken seltener an Diabetes, Krebs und Schlaganfall.

Ein Team um Gil Atzmon vom Albert Einstein College of Medicine in New York hat deshalb den Einfluss von d3-GHR, einer häufigen Variante des Wachstumshormon­rezeptors, auf die Überlebenszeit untersucht. Die erste Kohorte waren Aschkenasim, also Juden osteuropäischer Herkunft, die am Longevity Genes Project teilgenommen hatten. Die Sequenzierung des Gens ergab, dass bei den Hundertjährigen 12 Prozent Träger der Variante d3-GHR waren, gegenüber nur 4 Prozent bei den jüngeren Altersgruppen, ein Unterschied von absolut 8 Prozent.

In einer zweiten Kohorte, einer Gruppe von Mitgliedern der „Old Order Amische“, nahm der Anteil der d3-GHR-Variante sogar um absolut 16 Prozent zu, in der Cardiovascular Health Study waren es 14,2 Prozent und in einer französischen Kohorte sogar 23,5 Prozent mehr. In allen Kohorten war ein Vorteil nur bei Männern vorhanden. Insgesamt war die Genvariante mit einer um zehn Jahre höheren Lebenserwartung verbunden.

Atzmon hatte zunächst angenommen, dass die Genvariante d3-GHR die Wirksamkeit des Wachstumshormons herabsetzt. Dies scheint aber nicht unbedingt der Fall zu sein. Die Hundertjährigen mit d3-GHR waren im Durchschnitt einen Zoll (etwa 2,5 cm) größer als andere Senioren. Untersuchungen an Lymphozyten ergaben, dass die Zellen nach Zusatz von Wachstumshormonen eine erhöhte Proliferation zeigen, was – übertragen auf andere Zellen und die Verhältnisse im Kindesalter – die erhöhte Körpergröße erklären könnte. Ohne die Zugabe der Wachstumshormone war d3-GHR in den in vitro-Tests mit einer verminderten Proliferation der Lymphozyten verbunden. Atzmon vermutet hierin einen Grund für die erhöhte Lebenserwartung. 

Wachstumshormone, die in der Kindheit das Wachstum fördern, stehen im späteren Alter im Verdacht, Diabetes und Krebswachstum zu fördern. Endokrinologen warnen deshalb auch vor dem Einsatz von Wachstumshormonen oder IGF1, die häufig von Bodybuildern injiziert werden, um das Muskelwachstum zu fördern. © rme/aerzteblatt.de

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