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Medizin

Stillen reduziert Risiko für Herzerkrankungen bei Müttern

Donnerstag, 22. Juni 2017

Die Stillquote lag im Vergleich zu westlichen Nationen sehr hoch: 97 Prozent der Frauen hatten im Durchschnitt etwa zwölf Monate gestillt. /gamelover, stock.adobe.com

Oxford/Peking – Stillen kommt nicht nur der Gesundheit des Kindes zu gute. Auch die Mutter profitiert. Ihr Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall sinkt um acht bis 18 Prozent in Abhängigkeit der Stilldauer, berichten Forscher der University of Oxford, der Chinese Academy of Medical Sciences und der Peking University im Journal of the American Heart Association (2017, DOI: ). Hingegen konnten Studien aus den USA erst ab einer Stilldauer von zwei Jahren einen signifikanten Zusammenhang mit weniger kardiovaskulären Erkrankungen feststellen.

Kurzfristige Vorteile für stillende Mütter sind bereits bekannt. Nach der Geburt berichten Forscher über positive Effekte auf den Gewichtsverlust, die Blutdruckwerte, niedrige Cholesterin- und Blutglukosewerte. In der jetzt publizierten Beobachtungs­studie mit fast 300.000 Frauen aus China konnten die Autoren um Sanne A. E. Peters und Ling Yang aus Oxford Hinweise für langfristige Vorteile auf Herzkreislauferkrankungen beobachten.

Die Daten stammen aus der China Kadoorie Biobank. Als die Mütter sich hier einschrieben, hatte keine eine kardiovaskuläre Erkrankung. Acht Jahre später waren schon 16.671 Frauen erkrankt, unter anderem an Herzinfarkten und fast 24.000 hatten einen Schlaganfall erlitten. Die Stillquote lag im Vergleich zu westlichen Nationen sehr hoch: 97 Prozent der Frauen hatten im Durchschnitt etwa zwölf Monate gestillt.

Dabei beobachteten die Forscher Unterschiede zugunsten der Mütter, die ihre Kinder gestillt hatten. Ihr Risiko für Herzerkrankungen lag um neun Prozent, das für Schlaganfälle um acht Prozent unter dem der Frauen, die nie gestillt hatten. Wer sein Kind mindestens zwei Jahre stillte, reduzierte sein Risiko um etwa das doppelte (18 und 17 Prozent). Jedes weitere halbe Jahr mit dem Kind an der Brust führte zu einer zusätzlichen Risikominimierung um vier beziehungsweise drei Prozent. Andere Einflussfaktoren, wie Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Haus­haltseinkommen, Schulabschluss und Bewegung wurden von den Autoren der Studie berücksichtigt.

Widersprüchliche Studienergebnisse aus den USA und Norwegen
Die Ergebnisse stehen im Widerspruch mit Beobachtungen bei fast 90.000 schwangeren Frauen aus den USA. Die Auswertung von Daten aus der U.S. Nurses' Health Study konnte nur bei Frauen, die mindestens zwei Jahre gestillt hatten ein reduziertes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen ausmachen. Die HUNT Studie mit 20.000 Frauen aus Norwegen führte die Risikominimierung auf das Alter zurück. Sie fanden Hinweise dafür, dass das kardiovaskuläre Risiko am geringsten bei einer Stilldauer von sieben bis zwölf Monaten ist und anschließend wieder ansteigt.

Auch wenn die chinesische Beobachtungsstudie keine Rückschlüsse auf einen kausalen Zusammenhang zulässt, äußert Erstautorin Peters eine Vermutung: „Der positive Effekt des Stillens könnte durch einen schnelleren 'Reset' des Metabolismus der Mutter nach der Geburt erklärt werden.“ Das Stillen könnte dabei beispielsweise die zusätzlichen Fettdepots aus der Schwangerschaft schneller und effektiver eliminieren. Nicht zu unterschätzen sei auch der Einfluss des Gesundheitsbewusstseins, das bei stillenden Müttern meist stärker ausgeprägt sei als bei nicht stillenden.

© gie/aerzteblatt.de

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