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Medizin

Traditionelle chinesische Medizin könnte herzkranken Patienten nützen

Mittwoch, 21. Juni 2017

Tyler Olson - SimpleFoto

Jinan – Behandlungen mit bestimmten Arzneien, die auf Grundlage der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) beruhen, könnten für Patienten, die an Herzerkrankungen oder Risikofaktoren leiden, Gesundheitsvorteile bringen. Davon gehen Forscher um Yuxia Zhao an der Shandong University aus. Sie berichten darüber in  Journal of the American College of Cardiology (doi: 10.1016/j.jacc.2017.04.041).

Die TCM ist ein Konglomerat aus verschiedenen Methoden der Krankheitsbehandlung, die innerhalb von 2.000 Jahre im asiatischen Raum, insbesondere China, entwickelt wurden. Allgemein geläufige Therapieverfahren wie Akupunktur oder Arzneimittel­therapien auf Grundlager der TCM finden auch im Westen Anklang bei Patienten. Zusammen mit der Bewegungstherapie, speziellen Massagen und der Diätetik bilden sie die fünf Behandlungssäulen der TCM.

Jedoch werden bis auf die Akupunktur die Methoden der TCM von der akademisch etablierten Medizin in weiten Teilen abgelehnt. Für viele Verfahren fehle es an der evidenzbasierten Grundlage. Nicht zuletzt sei insbesondere bei den verabreichten Medikamenten, die oft aus pflanzlichen Mischungen bestehen, unklar, welcher der Wirkstoffe eine therapeutische Wirkung entfalten solle, so eine Kritik.

Die Forscher der Studie analysierten klinische randomisierte Studien der vergangenen zehn Jahre, bei denen die Wirkung der traditionellen Arzneimittel an Patienten mit einer KHK, Herzinsuffizienz, Hypertonie, Dyslipidämie oder einem Diabetes untersucht wurde.

Es zeigte sich, dass einige der Arzneimittel einen positiven Einfluss auf die genannten Erkrankungen hatten. Darunter waren acht randomisierte Studien, die an Hypertonie-Patienten durchgeführten wurden. Traditionelle Arzneimittel mit dem Namen Tiankuijiangya, Zhongfujiangya, Qiqilian, Jiangya und Jiangyabao hatten laut diesen Studien eine antihypertensive Wirkung, die über einen Placeboeffekt hinausging. Bei Patienten mit einer Herzinsuffizienz oder einer KHK konnten die Studien für einen Teil der Medikamente eine signifikante Reduktion der Todesrate und der kardiovaskulären Ereignisse zeigen.

Die Forscher geben zu bedenken, dass in der TCM Medikamente durch die Anwender teilweise noch zusätzlich modifiziert werden. Sie gehen jedoch davon aus, dass bestimmte Arzneimittel der TCM für herzkranke Patienten ein komplementärer Ansatz sein könnten. © hil/aerzteblatt.de

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Practicus
am Samstag, 1. Juli 2017, 00:32

altes Märchen

2000, wahlweise auch 3000 oder 5000 Jahre "Tradition"... das kann auch die europäische Medizin seit Hippokrates und Galen beanspruchen, sogar zurück bis Ötzi...
Die wirkliche "traditionelle chinesische Medizin" ist ein magisch-mythischer Zirkus von magischen Kräften, dämonischer Besessenheit und Astrologie.
Die Ausrottung von Elefanten, Nashörnern, Tigern und Löwen im Namen mystisch-magische "Medizin" der Chinesen ist symptomatisch dafür...
TCM ist ein bißchen reelle Phytotherapie und eine Riesenmenge geschicktes Marketing.
Bisher erfüllt keine einzige "positive" Studie über Wirkungen der TCM die wissenschaftlichen Anforderungen an Verblindung und Randomisierung.
Da zählt nicht Evidenz, sondern Eminenz... und der willige Wunderglaube des Publikums in geheimnisvolle exotische Heilmethoden
doc.nemo
am Donnerstag, 29. Juni 2017, 08:35

Evidenzbasierung? Eher nicht!

Die angesprochene Studie (meinten Sie „Lu et al.: Effect of Xuezhikang, an Extract From Red Yeast Chinese Rice, on Coronary Events in a Chinese Population With Previous Myocardial Infarction, 2008”? Ohne ausreichend Dollars leider nicht im Volltext verfügbar) liefert keinen Hinweis auf die Wissenschaftlichkeit der Traditionellen Chinesischen Medizin. Es ist unbestritten, auch in der westlichen Medizin, dass sich unter den hunderten, in der TCM eingesetzten Phytotherapeutika zahlreiche pharmakologisch aktive Substanzen befinden, die noch nicht isoliert, beschrieben und erforscht sind. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass eine solche "traditionelle" Behandlung durchaus einen klinischen Effekt haben kann, aber mit der Gültigkeit der spirituell-magischen Grundkonzeption der TCM hat das nichts zu tun. So fanden die Statine erst als chemisch definierte Substanzen eine klinische Anwendbarkeit, Artemisinin ist nur als Reinsubstanz in der Behandlung der Malaria sinnvoll einsetzbar, und so könnte es mit vielen anderen Substanzen, die in TCM-typischen Heilpflanzen vorhanden sind, ebenfalls gehen. Je intensiver die TCM erforscht wird, desto mehr muss sie sich aus dem traditionellen Gerüst von Qi, Yin/Yang, den Fünf Elementen, Meridianen und diversen Konstitutionen lösen. Alle Versuche, diese hypothetischen Entitäten wissenschaftlich nachzuweisen, sind gescheitert.
Wiebrecht
am Dienstag, 27. Juni 2017, 20:02

Chinesische Medizin nähert sich einer Evidenzbasierung

Es ist zu konstatieren, dass das wissenschaftliche Niveau der Chinesischen Medizin wächst. Eine Substanz (Xuezhikang), die schon im 16. Jahrhundert als Heilmittel erwähnt wurde - in moderner Terminologie würde man übersetzen mit "die Fließeigenschaften des Blutes verbessernd" - wurde in einer großen methodisch hochwertigen Endpunkt-Studie (Jadad-Score=5) unter Einschluss von 4870 Patienten mit Zustand nach Myokardinfarkt untersucht. Nach einem Follow-up von durchschnittlich 4,5 Jahren lag die Anzahl eingetretener kardiovaskulärer Ereignisse mit 5,7% signifikant niedriger als unter Placebo (10,4%). Die Heilwirkung der Statine wurden in China entdeckt, ohne dass man damals diese Verbindungen kennen konnte. Auch die Endpunkt-Studien bei Herzinsuffizienz beeindrucken. Eine Untermauerung der Ergebnisse durch weitere Forschung könnte neue Handlungsperspektiven eröffnen bzw. für manche Überraschung gut sein.
doc.nemo
am Donnerstag, 22. Juni 2017, 09:18

Scientabilität für TCM

Man mag sich darüber streiten, ob das DÄB mit diesem neutralen Bericht über den Originalartikel seine Reputation gefährdet, beim „Journal of the American College of Cardiology” ist das schon nicht mehr so klar. Mit einem impact factor um 16 ist es zwar kein Spitzenjournal, aber auch nicht gerade ein Nischenprodukt. Leider liegt der Artikel hinter einer Paywall, und so kann ich nur das Abstract beurteilen. Und hier findet man wieder euphemistische Floskeln wie “might be used”, “alternative approach”, “further trials”, die in ihrem Zusammenhang nichts anderes heißen als “Es ist nichts Wesentliches dabei herausgekommen”. Aktuell läuft (überwiegend) in China viel Forschung, die darauf abzielt, die Existenz der geheimnisvollen Lebensenergie “Qi” oder der “Fünf Elemente” mit modernsten molekularbiologischen oder genetischen Methoden nachzuweisen. Bislang, wen wundert’s, ohne Erfolg, wenn auch die meisten Autoren in ihren Abstracts und Conclusions anderer Meinung sind. Es ist unzweifelhaft, dass in den tausenden, in der TCM genutzten Pflanzenarten noch viel unendecktes pharmakologisches Potential liegt, das gehoben werden sollte, aber es ist nicht nachvollziehbar, dass die 3000 Jahre alten gesundheitsphilosophischen Konzepte der traditionellen asiatischen Medizin (das gilt auch für ayurvedische Medizin) von ihren Anwendern weiterhin kritik- und vorbehaltlos akzeptiert werden. Man sollte sich wirklich fragen, ob die TCM, analog zur Homöopathie, nicht dem Prinzip des Scientabilität unterworfen werden sollte - soll heißen, weitere Forschung ist nicht sinnvoll, da das zugrunde liegende Konzept real nicht existiert.
j.g.
am Mittwoch, 21. Juni 2017, 23:30

unbegreiflich!

Mit solchen Artikeln stellt das Ärzteblatt seine Seriosität zur Disposition. Auch wenn mir nun Intoleranz nachgesagt werden kann, solch alternativer und nachgewiesenermaßen völlig unwissenschaftlicher Klimbim hat in unserem Standesorgan nichts zu suchen. Oder stellen Sie sich vor, in einem juristischen Fachblatt würde Exorzismus oder ein bißchen Steinigung zur Strafbemessung empfohlen werden.

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