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Ärzteschaft

Keine Hausbesuche: Kinder- und Jugendärzte weisen Vorwürfe zurück

Mittwoch, 21. Juni 2017

Bonn/Mainz – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte wehrt sich gegen Vorwürfe, sie würden ihre Patienten schlecht versorgen, etwa indem sie zu wenige Hausbesuche machten, weil diese zu schlecht bezahlt seien. Über ein entsprechendes Ergebnis einer bundesweiten Umfrage hatte das TV-Magazin Report Mainz gestern berichtet.

„Tatsächlich versorgen die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte in der Regel ihre Patienten in der Praxis“, betonte der Präsident des Berufsverbandes, Thomas Fischbach. Dafür gebe es gute Gründe. Unter anderem sei in der Praxis eine viel gründlichere Diagnostik möglich. Zudem seien die Kinderärzte „wegen fehlgeleiteter Bedarfsplanung“ in der Regel völlig überlastet.

Würden wir unsere Patienten zu Hause besuchen, könnten wir nur einen Bruchteil aller kranken Kinder und Jugendlichen versorgen.Thomas Fischbach

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„Würden wir unsere Patienten zu Hause besuchen, könnten wir nur einen Bruchteil aller kranken Kinder und Jugendlichen versorgen“, sagte Fischbach. Die meisten kranken Kinder seien auch transportfähig, so dass ein Besuch in der Praxis zumutbar sei. Infektiöse Kinder würden gesondert eingelassen und in gesonderte Untersuchungszimmer gesetzt, so dass sie andere nicht anstecken könnten.

Report Mainz hatte berichtet, 80 Prozent der befragten Ärzte gäben an, sie hätten keine Zeit für Hausbesuche. Viele hätten den Eltern „unterstellt“ dass diese sich vor allem durch einen Hausbesuch die Wartezeit ersparen wollten. Und ein Drittel habe erklärt, Hausbesuche seien zu schlecht bezahlt.

Keine Unterstellung, sondern erlebte Wirklichkeit

Der Berufsverband wies auch darauf hin, dass von den 700 befragten Kinder- und Jugendärzten nur 130 geantwortet hätten. Dass Eltern sich häufig Wartezeit sparen wollten, sei keine Unterstellung, wie die Reporter behaupten, sondern erlebte Wirklichkeit", so Fischbach. Aber Hausbesuche, um sich Wartezeiten in der Praxis zu ersparen, weil gerade kein Babysitter für die Geschwisterkinder da sei oder weil man tagsüber nicht am Arbeitsplatz fehlen wolle, seien nicht zu rechtfertigen. „Hausbesuche sind laut Gesetzgeber lediglich gestattet, wenn es eine medizinisch notwendige Indikation gibt. Und diese Indikation stellt der Arzt und nicht die Eltern“, erklärte Fischbach.

Er bestätigte zudem die Kritik, dass Hausbesuche schlecht bezahlt seien. „Tatsächlich bekommen wir pro Hausbesuch circa 15 Euro – etwa ein Zehntel dessen, was der Schlüsseldienst bekommt für einen Hausbesuch.“ Doch statt darüber zu klagen, versorge man „die uns anvertrauten Kinder und Jugendliche: in der Regel in der Praxis, in Ausnahmefällen, wenn es notwendig ist - zum Beispiel bei beatmeten Kindern - auch zu Hause“.

Chronisch kranke Kinder unterversorgt

Der Berufsverband wies heute zudem darauf hin, dass chronisch kranke Kinder vielfach unterversorgt sind. „Wir haben heute die Chance, mit modernen Medikamenten und anderen Therapien vielen dieser Kinder helfen zu können. Chronisch kranke Kinder brauchen jedoch mehr als eine gute medizinische Versorgung für eine erfolgreiche Krankheitsbewältigung“, mahnte Fischbach. Wichtig sei es, pädagogische und medizinische Betreuung stärker zu verzahnen.

Als besonderes Problem hob er die ambulante Versorgung von psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter hervor. Den Angaben zufolge leidet jedes sechste Kind und jeder vierte Jugendliche an einer chronische Grunderkrankung. Zu den häufigsten Erkrankungen gehören Allergien, Asthma, Krebserkrankungen, Neurodermitis oder Diabetes.

© kna/aerzteblatt.de

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