Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Beweiserleichterung bei Haftung für Arzneimittel zulässig

Mittwoch, 21. Juni 2017

Luxemburg – Nationale Gesetze dürfen Patienten in Schadenersatzprozessen gegen Pharmaunternehmen die Beweisführung erleichtern. Ein „Bündel ernsthafter, klarer und übereinstimmender Indizien“ kann ausreichen, um die Haftung für ein Arzneimittel zu begründen, entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) heute in Luxemburg (Rechtssache: C-621/15).

Hintergrund ist ein Fall aus Frankreich. Dort war ein Mann nach einer Impfung gegen Hepatitis B an Multipler Sklerose erkrankt und gestorben. Seine Familie verklagt nun den Hersteller des Impfstoffs Sanofi Pasteurs. Die französischen Gerichte stellten fest, dass es keinen wissenschaftlichen Konsens gebe, auf den ein Zusammenhang zwischen der Impfung und der Erkrankung des Mannes an Multipler Sklerose gestützt werden könne.

Das französische Recht erleichtert Patienten die Beweisführung in solchen Fällen allerdings. Demnach kann ein Zusammenhang vermutet werden, wenn eine Krankheit kurz nach Einnahme des Arzneimittels auftritt und weder der Patient noch ein Familienmitglied an einer relevanten Vorerkrankung litt.

Aus Sicht der Luxemburger Richter ist diese Regel mit EU-Recht vereinbar, da ein Indizienbündel gefordert wird, das einen Zusammenhang zwischen Medikament und einer späteren Erkrankung mit „einem hinreichend hohen Grad an Wahrscheinlichkeit“ nahelegt. Andernfalls wäre es für Patienten „übermäßig schwierig“, wenn nicht „gar unmöglich“ Pharmaunternehmen in Anspruch zu nehmen. Beweiserleichterungen dürften aber nicht so weit gehen, dass „automatisch“ ein Zusammenhang zwischen Medikament und Erkrankung vermutet werde, so die Luxemburger Richter.

Auch in Deutschland gibt es eine Beweiserleichterung für Patienten nach dem Arzneimittelgesetz. Demnach wird vermutet, dass ein Arzneimittel eine Erkrankung verursacht hat, wenn es im Einzelfall dazu „geeignet“ ist. Relevant sind dabei etwa die Zusammensetzung des Medikaments, seine Dosierung, der zeitliche Zusammenhang zu der Erkrankung und der gesundheitliche Zustand des Patienten. © dpa/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

27.07.17
Biosimilars: Kein relevanter Unterschied zu Originalpräparaten
Berlin – Auf die therapeutische Gleichwertigkeit von Biosimilars gegenüber ihren Referenzarzneimitteln, den Biologika, weist die Arzeimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) in einem neuen......
26.06.17
Berlin – Biopharmazeutika, also gentechnisch hergestellte Medikamente, sind zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten in Deutschland in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Das zeigt......
11.04.17
Millionen Menschen sind medikamentenabhängig
Berlin – In Deutschland sind bis zu 1,9 Millionen Menschen von Medikamenten abhängig und damit vermutlich mehr als von Alkohol. Als alkoholabhängig gelten rund 1,77 Millionen Menschen, wie aus dem......
16.02.17
Kiel – Schmerzmittel, Antidepressiva und Antibiotika: In nahezu allen Gewässern im Norden lassen sich Arzneimittelrückstände nachweisen. Viele Menschen spülen abgelaufene Pillen schlicht im Klo......
09.12.16
Berlin – Die deutschen Apotheker haben sich mächtig über das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Preisbindung von rezeptpflichtigen Arzneien geärgert. Jetzt wollen sie die Patienten in......
11.07.16
Vorübergehender Lieferengpass des hexavalenter Impfstoffs für Säuglinge
Berlin – Seit Juni 2016 besteht ein akuter Lieferengpass des hexavalenten Kombinationsimpfstoffs Infanrix hexa, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI) im aktuellen Epidemiologischen Bulletin Nr. 26.......
30.06.16
Berlin – Die medizinische Biotechnologie wird in Deutschland immer wichtiger – wegen ihrer therapeutischen und diagnostischen Bedeutung, aber auch als Wirtschaftsfaktor. Das zeigt der Branchenreport......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige