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Politik

Gewebespende: Zahl der Spender hat sich seit 2007 verdreifacht

Mittwoch, 21. Juni 2017

Heute stammen mehr als 90 Prozent der Gewebespenden, wie etwa Augenhornhaut, von Menschen, die an einem Herz-Kreislauftod verstorben sind. /DGFG
Heute stammen mehr als 90 Prozent der Gewebespenden, wie etwa Augenhornhaut, von Menschen, die an einem Herz-Kreislauftod verstorben sind. /DGFG

Berlin – Im Gegensatz zur Organspende hat sich die Versorgungslage bei Gewebe­transplantaten in Deutschland deutlich verbessert. Seit 2007 hat sich die Zahl der Gewebespender von 865 auf 2.343 Spender nahezu verdreifacht und die Wartezeiten haben sich von einigen Monaten auf wenige Wochen verkürzt. Diese positive Bilanz verkündete die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) heute in Berlin. Schon in zehn Jahren könnte der Bedarf zu 100 Prozent gedeckt sein, prophezeit Björn Nashan, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Organtransplantation.

Zahlen und Fakten

Die Transplantation von Augenhornhäuten ist neben Knochentransplantationen die häufigste Verpflanzung eines Gewebes beim Menschen. Bundesweit übertragen Ärzte jährlich rund 6.000 Augenhornhäute. Der Bedarf wird jedoch auf 8.000 Transplantate geschätzt.

Voraussetzung zur Gewebespende

  • Todesfeststellung nach Richtlinie der Bundes­ärzte­kammer
  • Einwilligung des Verstorbenen oder dessen Angehörigen
  • Ausschluss übertragbarer Krankheiten und von Krankheiten, die die Qualität des Gewebes beeinträchtigen

Gewebe, das gespendet werden kann

  • Augenhornhaut (auch bei einer Krebserkrankung ist eine Spende in vielen Fällen möglich)
  • Herzklappen, Blutgefäße (derzeit überwiegend im Rahmen von Organspenden, eine mögliche Herztransplantation geht immer vor)
  • Knochen, Weichteile und Haut (Lebendspenden und von Verstorbenen sind möglich)
  • Plazenta/Amnion (Lebendspende bei Kaiserschnittgeburt)

Quelle: Jahresbericht der DGFG 2016

Seit 2007 hat die DGFG mehr als 30.000 Gewebepräparate zur Transplantation vermittelt. „Damit stellen wir heute etwa 30 bis 50 Prozent aller Gewebe­transplantationen für Augenhornhäute, Amnionmembranen sowie Herzklappen und Blutgefäße sicher“, sagt Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG. Von etwa 2.000 Kliniken in Deutschland sind fast 70 Kooperationspartner der DGFG. Darüber hinaus können auch alle anderen Kliniken, die die behördliche Erlaubnis etwa vom Paul-Ehrlich-Institut oder einer regionalen Gewerbe­auf­sichts­amt haben, Gewebespenden vermitteln. Importe aus dem Ausland, vor allem den USA sind ebenfalls möglich.

Die optimistische Einschätzung des Stellvertretenden Vorsitzenden der Ständigen Kommission Organtrans­plantation der Bundes­ärzte­kammer, Nashan, teilt auch Börgel. Potenzielle Gewebespender gebe es genügend, erläutert er den wesentlichen Unter­schied zum Problem der Organspende, wofür nur etwa 4.000 Menschen pro Jahr aufgrund eines Hirntods in Frage kommen. „Für die Gewebespende kommt im Grunde jeder Verstorbene in Frage, was in Deutschland bis zu 900.000 Menschen pro Jahr entspricht.“ Selbst wenn einige verstorbene Menschen aufgrund von Erkrankungen nicht geeignet sind, oder einer Gewebespende nicht zugestimmt haben, blieben immer noch genügend übrig, sagt der Geschäftsführer der DGFG. Die Bevölkerung habe eine sehr positive Einstellung gegenüber der Gewebespende, sagt Börgel. „Diese müsse man nur erreichen – es handelt sich um eine rein organisatorische Herausforderung.“ Diese will die DGFG mithilfe universitärer Strukturen in den kommenden zehn Jahren stemmen.

Für die Gewebespende kommt im Grunde jeder Verstorbene in Frage, was in Deutschland bis zu 900.000 Menschen pro Jahr entspricht. Martin Börgel, Geschäftsführer der DGFG

Allein im vergangenen Jahr hat die gemeinnützige GmbH mehr als 29.000 Verstor­benenmeldungen bearbeitet und mehr als 6.000 Gespräche mit Angehörigen geführt. Auf diese Weise unterstützt die DGFG Kliniken oder übernimmt den gesamten Prozess der Gewebespende in den kooperierenden Krankenhäusern, um das Personal zu entlasten.

Gesellschafter der DGFG sind vier Universitäten – Anstalten des öffentlichen Rechts: das Universi­tätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover sowie die Universitätsmedizin Rostock. „Die Gründung DGFG war ein Beispiel dafür, wie Universitätskliniken gemeinsam ihren Versorgungs­auftrag ernst nehmen“, sagt Wolfgang Fleig, Medizinischer Vorstand und Vorstandssprecher des Universitätsklinikums Leipzig und Vertreter der Gesellschafter der DGFG. Altruistische Gewebespende gehört in ein gemeinnützig organisiertes Umfeld. © gie/aerzteblatt.de

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