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Medizin

Paracetamol kann akuter Höhenkrankheit (häufig) vorbeugen

Mittwoch, 21. Juni 2017

/dpa

Kathmandu –  Die Einnahme von Paracetamol hat in einer randomisierten klinischen Studie einer akuten Höhenkrankheit ebenso gut vorgebeugt wie Ibuprofen. Völlig verhindern konnten beide Mittel die Krankheit laut den in Wilderness & Environmental Medicine (2017; 28: 72-78) veröffentlichten Studienergebnissen jedoch nicht.

Bei einem raschen Aufstieg in alpine Höhen leiden viele Touristen, aber auch versierte Bergsteiger unter unspezifischen Symptomen mit Schwindel, Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Schlafstörungen. Diese akute Bergkrankheit ist bei einem Verzicht auf einen weiteren Aufstieg in der Regel selbstlimitierend und ungefährlich, solange keine Zeichen von Lungen- oder Hirnödem auftreten.

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Experten empfehlen neben einem langsamen Aufstieg als Prophylaxe die Einnahme von Azetazolamid, dessen Effektivität durch viele placebokontrollierte Doppel­blindstudien belegt ist. Das Mittel ist jedoch nur auf Rezept erhältlich und zudem nicht ohne Nebenwirkungen (Kribbeln an Fingern und Zehen, Geschmacksstörungen und die Gefahr einer allergischen Reaktion), so dass viele Bergsteiger in der Selbstmedikation Ibuprofen einnehmen, dessen Wirksamkeit in zwei Studien belegt wurde. Aber auch Ibuprofen wird nicht von allen Menschen vertragen.

Eine Alternative könnte die Einnahme von Paracetamol sein, das in der Regel gut verträglich ist, solange die Schwelle zur Lebertoxizität nicht überschritten wird. Ein Team um Buddha Basnyat von einem Forschungsinstitut der Universität Oxford in Kathmandu, Nepal, hat in einer randomisierten klinischen Studie die beiden rezeptfrei erhältlichen Mittel an einer Gruppe von Bergsteigern im Himalaya untersucht.  

An der Studie nahmen 332 Bergsteiger (Sherpas ausgenommen) teil, die sich in den Basislagern Pheriche (4.371 m) und Dingboche (4.410 m) auf die Besteigung des Mount Everest vorbereiteten. Sie wurden entweder mit Paracetamol (1.000 mg) oder Ibuprofen (600 mg 3 mal täglich) randomisiert. Die Wirksamkeit wurde bei Erreichen des Lagers Lobuche (4.940 m) mit dem Lake Louise Questionnaire beurteilt.

Laut Basnyat berichteten 43 Teilnehmer (19,1 Prozent) über Symptome einer akuten Bergkrankheit. Von diesen hatten 25 Teilnehmer (22,1 Prozent) Paracetamol und 18 Teilnehmer (16,1 Prozent) Ibuprofen eingenommen. Die Wirkung von Paracetamol war damit vielleicht etwas schwächer. Die Unterschiede waren jedoch statistisch nicht signifikant, so dass ein Zufall nicht ausgeschlossen werden kann.

Die Studie hatte keine Placebogruppe, doch nach der Erfahrung von Basnyat liegt die Häufigkeit der akuten Bergkrankheit ohne Prävention um etwa 14 Prozentpunkte höher. Es fehlt auch eine Studiengruppe zu Azetazolamid, so dass ein direkter Vergleich mit dem Mittel der Wahl nicht möglich ist. Tatsache ist, dass bei einem Aufstieg in anspruchsvolle Höhen trotz der Einnahme von Ibuprofen oder Paracetamol jeder fünfte Patient eine akute Bergkrankheit erleidet. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #725371
Frager
am Mittwoch, 21. Juni 2017, 21:58

Koka vergessen

Leider wurde bei dieser Studie vergessen, einen Arm mit Kokablättern vorzusehen. Dass diese Blätter seit Jahrhunderten in den Anden verwendet werden, hat ja einen guten Grund. Mir selbst haben sie auch schon geholfen, und zwar nicht nur präventiv, sondern auch therapeutisch. Ich fürchte, hier ist medizinischer Erkenntnisgewinn und ggf Fortschritt sinnlosen Drogen-Dogmen zum Opfer gefallen.
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