NewsMedizinDNA des Feten beeinflusst Präeklampsie-Risiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

DNA des Feten beeinflusst Präeklampsie-Risiko

Donnerstag, 22. Juni 2017

Nottingham – Zwei Genvarianten im Erbgut des Feten waren in einer genomweiten Assoziationsstudie mit einem erhöhten Risiko einer Präeklampsie assoziiert, die bei der Mutter zu Hypertonie und Proteinurie führt. Die Varianten befinden sich laut dem Bericht in Nature Genetics (2017; doi: 10.1038/ng.3895) in der Nähe des Gens FLT1. Es kodiert ein Protein, das als Biomarker für das Präeklampsie-Screening genutzt wird.

Die Präeklampsie, die bei etwa 5 Prozent aller Schwangerschaften auftritt, hat eine starke erbliche Komponente. Eine Heritabilität betrifft nicht nur die Mutter, sondern auch den Vater, von dem der Fetus die Hälfte seiner Gene erhält. Ein Einfluss des Vaters ist plausibel, da der Ursprung der Erkrankung in der Plazenta vermutet wird, die zum überwiegenden Teil vom Embryo gebildet wird. 

Die InterPregGen-Studie, die die genetischen Ursachen der Erkrankung erforscht, hat ihre genomweite Assoziationsstudie (GWAS) folglich nicht an den Genen der erkrankten Mutter, sondern an den Genen des Feten durchgeführt. Und im Gegensatz zu früheren GWAS hat das Team um Linda Morgan von der Universität Nottingham eine Genvariante entdeckt, die das Risiko auf eine Präeklampsie um 21 Prozent erhöht. 

Anzeige

Die Forscher hatten zunächst die Gene von 4.380 Säuglingen aus Großbritannien und Island, deren Mütter in der Schwangerschaft eine Präeklampsie entwickelt hatten, an 7,5 Millionen Stellen mit dem Erbgut von über 300.000 gesunden Kontrollen verglichen. Die Ergebnisse wurden später an zwei Kohorten aus Norwegen und Finnland überprüft.

Die Genvariante „rs476963“ befindet sich auf dem Chromosom 13 in der Nähe des FLT1-Gens. Sie enthält die genetische Information für die „Fms Related Tyrosine Kinase 1“ (Flt-1), die in der Plazenta die Entwicklung von Blutgefäßen fördert. Die lösliche Form sFlt-1 tritt auch ins Blut der Mutter über. Der Quotient sFLT-1/PlGF wird als Screening-Test zur Früherkennung der Präeklampsie eingesetzt. Die Forscher entdeckten noch eine zweite Genvariante rs2050029, die sich ebenfalls in der Nähe des FLT1-Gens befindet.

Der Nachweis von zwei Genvarianten in der Nähe des FLT1-Gens, das ein Protein kodiert, das unmittelbar in die Pathogenese der Erkrankung eingreift, macht das Ergebnis der GWAS biologisch plausibel. Nach den derzeitigen Konzepten ist die vermehrte Freisetzung von sFlt-1 für die Schäden an den Blutgefäßen und Nieren verantwortlich, die zu Hypertonie und Proteinurie führen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. September 2020
Berlin – Fast Rücken an Rücken haben in diesem Jahr in Berlin Gegner und Befürworter eines Rechts auf Abtreibung für ihre Positionen geworben. Die Teilnehmer des alljährlichen „Marsches für das Leben“
Mit Maske und Abstand gegen Abtreibung und Suizidbeihilfe
15. September 2020
Birmingham – Eine Vorbehandlung mit Mifepriston hat in einer randomisierten Studie die Erfolgsrate einer Behandlung der verhaltenen Fehlgeburt („Missed Abortion“) mit Misoprostol deutlich verbessert.
Mifepriston plus Misoprostol mit besseren Behandlungsergebnissen bei Missed Abortion
10. September 2020
Berlin – Mängel bei der Früherkennung und der Versorgung eines Gestationsdiabetes kritisiert die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). In Deutschland hat sich die Erkrankungsrate für einen
Mehr Engagement gegen Schwangerschaftsdiabetes gefordert
9. September 2020
Berlin – Die Grünen wollen die hohe Zahl von Entbindungen per Kaiserschnitt in Deutschland mittels einer Reform der Klinikvergütung reduzieren. Durch die Änderungen sollten Fehlanreize beseitigt
Grüne wollen Zahl der Kaiserschnitt-Entbindungen per Vergütungsreform senken
3. September 2020
Berlin – Zu einem verantwortungsvollen Verhalten in der Schwangerschaft haben heute die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela
Appell an Schwangere: Alkoholkonsum kann fatale Folgen haben
2. September 2020
Birmingham – Die Sorge um die Gesundheit der als besonders vulnerabel eingestuften Schwangeren und ihrer Neugeborenen hat ein internationales Forscherteam zu einem „Living Systematic Review“
SARS-CoV-2: „Lebende“ Meta-Analyse untersucht Gefährdung von Schwangeren und Neugeborenen in Echtzeit
26. August 2020
Düsseldorf – Kreißsäle, in denen Hebammen alleinverantwortlich Geburten durchführen, sind ebenso sicher wie ärztlich geleitete. Operative Eingriffe und Schmerzmittel kommen bei Frauen, die ihre Geburt
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER