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Wissens­kommunikation: Der Virusname entscheidet über die Impfquote

Donnerstag, 22. Juni 2017

Der "falsche" Virusname in der Schlagzeile kann die Impfquote beinträchtigen. /bramgino, stock.adobe.com

Salt Lake City/Iowa City – Der Name für einen Virus oder eine neu entdeckte Krankheit will gut überlegt sein. Er entscheidet darüber, wie ernst die Öffentlichkeit die potenzielle Gefahr nimmt. Ebenso lassen sich Menschen von der Darstellungsform einer Grafik beeinflussen. Die reine Macht von Worten und Bildern wirkt sich sogar auf die Impfquote aus, wie eine Online-Umfrage unter mehr als 16.000 Menschen in elf Ländern zeigen konnte. Die Ergebnisse wurden in Vaccine und eine zweite Studie zum Thema in Emerging Infectious Diseases publiziert (2017; DOI: 10.1016/j.vaccine.2017.05.048 und DOI: 10.3201/eid2308.170364).

Lasen die Studienteilnehmer in einer Zeitung die Meldung „Das Yarraman-Grippe-Virus breitet sich rasant in den USA aus…Gesundheitsexperten sind davon überzeugt, dass es sich um einen schlimmen Ausbruch handelt...“ gab dies Anlass für ernsthafte Sorgen. Auf einer sieben Punkte Skala vergaben die Befragten durchschnittlich 3,86 Punkte, wobei das Maximum von sieben Punkte die größt mögliche Sorge bedeutet hätte. Ähnlich beunruhigend wurde der fast identische Text mit einem anderen Virusnamen „H11N3 Influenza“ eingeschätzt (3,83 Punkte). Weniger Sorgen machten sich die Teilnehmer hingegen, wenn es sich in der Meldung um das „Pferde-Grippe-Virus“ drehte. Hierfür wurden nur 3,74 Punkte im Mittel vergeben.

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Auch der Wunsch, sich vorsichtshalber gegen das fiktive Virus impfen zu lassen, war größer, wenn der weitestgehend unbekannte Name H11N3 oder Yarraman in der Nachricht auftauchte – den Begriff nutzen die Aborigines in Australien synonym für das Wort Pferd (4,67 [Yarraman] versus 4,66 [H11N3] versus 4,54 Punkte [Pferde-Virus]).

Die Autoren um Aaron M. Scherer von der University of Iowa hatten ausschließlich den Namen des Virus geändert. Der Rest der Meldung berichtete identisch über die Symptome, die Ausbreitung, die Gefahr des Virus und die AUssicht auf einen Impfstoff. Ob Virus-Stämme, die nach dem Tierreservoir benannt werden, grundsätzlich weniger überzeugen, sich impfen zu lassen, könne aus diesen Ergebnissen jedoch nicht geschlussfolgert werden, schreiben die Forscher.

Die Heat Map ist am beliebtesten

In einer zweiten Studie wertete ein Team um Angela Fagerlin von der University of Utah School of medicine die gleiche Studienpopulation erneut aus. Dieses mal lag der Fokus auf einer Grafik, mit der ein Beitrag illustriert wurde. Eine Europakarte zeigte an, wo sich wie viele Menschen mit H7N3-Grippe-Viren infiziert hatten und wie viele Todesfälle es gab. Die Fallzahlen wurden farbig in einer Heat Map, mit Kreisen in einer Dot Map oder als Balken dargestellt (siehe Abbildung).

Vor allem die Heat Map animierte die Leser dazu, sich impfen zu lassen im Vergleich zum Balken­diagramm (4,67 versus 4,56 von max. 7 Punkten, p = 0,01), sie waren auch eher an mehr Informationen zum Virus interessiert (5,27 versus 5,20 Punkte, p = 0,04). Fragen zur Grafik konnte ein Großteil der Teilnehmer nur mittelmäßig beantworten. Am besten schnitten beim Wissenstest diejenigen ab, die die Heat Map oder die Balkendiagramme betrachtet hatten, etwa 25 Prozent ihrer Antworten waren korrekt.

Hingegen konnten nur 22,7 Prozent der Dot Map-Betrachter die Fragen richtig beantworten. Auch der Ländervergleich zeigte, dass die Teilnehmer die Heat Maps und Balkendiagramme den Dot Maps vorzogen. Unter den gut 1.500 Befragten in Deutschland war die Heat Map am beliebtesten, wie in den meisten anderen Ländern auch. Nur in Polen, Spanien und den USA bevorzugten die Teilnehmer das Balkendiagramm noch vor der Heat Map mit einem geringfügigen Vorsprung.

Das Fazit für Scherer lautet: „Im Gesundheitswesen können bereits kleine Änderungen eine relativ große Auswirkung auf die Öffentlichkeit haben.“ Wie Gesundheitsprobleme in der Öffentlichkeit dargestellt werden, sollte daher keine bequeme Standard­entscheidung sein, ergänzt Fagerlin. „Wenn wir die Möglichkeit haben, Informationen so zu präsentieren, dass die Bevölkerung sie besser versteht, profitieren alle davon.“

© gie/aerzteblatt.de

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