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Ärzteschaft

Mehr Patienten mit neurologischen Symptomen in Notaufnahmen

Donnerstag, 22. Juni 2017

Berlin – Die neurologische Notfallmedizin wird immer wichtiger. Das signalisiert eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Danach kommen etwa 15 Prozent der Patienten wegen neurologischer Symptome in die Notaufnahmen der Kliniken. Der Anteil von Patienten, die aus der Notaufnahme stationär in die Neurologie aufgenommen wurden, hat sich laut Erhebung in den vergangenen zehn Jahren von 40 auf 80 Prozent verdoppelt.

Für die Umfrage hatte die DGN-Kommission „Neurologische Notfallmedizin“ von Juli bis September 2016 alle Einrichtungen mit neurologischen Abteilungen in Deutschland per Onlinefragebögen zur Struktur ihrer Notfallversorgung befragt. Die Rücklaufquote betrug 32 Prozent. „Die Zahlen sind valide genug, um die Herausforderungen konkret zu benennen“, sagte der Vorsitzende der Kommission, Helge Topka, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Bogenhausen in München.

Laut DGN verursacht das hohe Patientenaufkommen massive Personal- und Finanzierungsprobleme für die neurologischen Abteilungen und Kliniken. „Die Krankenhausneurologen nehmen die Herausforderung grundsätzlich gerne an“, sagte Frank Erbguth, Vorsitzender der DGN-Kommission „Leitende Krankenhausärzte“. Allerdings zeigten sich auch bei der neurologischen Notfallversorgung die grundsätzlichen Probleme der Krankenhaus-Notfallambulanzen in Deutschland.

Bis zu ein Drittel der Notaufnahmevorstellungen erfolgen der Umfrage zufolge bei nicht dringlichen Konstellationen. Der hohe Anteil wird unter anderem auf monatelange Wartezeiten auf Termine bei niedergelassenen Neurologen zurückgeführt. Es mangele zweitens an einer Koordination der unterschiedlichen Player im Notfallmanagement: Neurologie-Praxis, ärztlicher Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), Terminvergabestellen der KV, Rettungs­leitstellen, Portalpraxen und Klinik-Notaufnahmen, so die Studienautoren.

„Die Ampeln stehen kurz vor Rot – die Gesundheitspolitik kann nicht mehr einfach weiterwursteln auf dem Rücken der Kliniken und Klinikmitarbeiter, die sich aus ihrem Berufsethos heraus unter unzumutbaren Bedingungen immer noch bemühen, die beste Notfallversorgung für ihre Patienten zu gewährleisten“, mahnte Erbguth, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie am Klinikum Nürnberg. Er fordert: „Es bedarf zumindest einer angemessenen budgetären Berücksichtigung des Aufwands für die Kliniken.“

© hil/aerzteblatt.de

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