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Ärzteschaft

Chirurgen wollen Belegarztwesen stärken

Donnerstag, 22. Juni 2017

Berlin – Für einen Ausbau des Belegarztsystems spricht sich der Berufsverband der Deutschen Chirurgen (BDC) aus. „Das Belegarztsystem ist essenzieller Bestandteil sektorenüberwindender Strukturen und muss durch entsprechende Rahmenbe­dingungen wieder attraktiver gemacht werden“, betonte Dirk Farghal, Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Beleg- und Kooperationsärzte im BDC (AG BeKo).

Die Arbeitsgemeinschaft schlägt vor, Haupt- und Belegabteilungen parallel auf der gleichen Station zu betreiben und so die gegenseitigen Vorteile und Organisa­tionsstrukturen zu nutzen. Für Patienten würde der Weg zwischen Krankenhaus und Arztpraxis dadurch sehr kurz und es gäbe weniger Informationsverluste, so Farghal. Bisher seien für Belegärzte interdisziplinäre Abteilungen nicht vorgesehen.

„Chirurgen, Unfallchirurgen und Orthopäden könnten aber gemeinsam mit Internisten, Geriatern oder Hausärzten eine Abteilung betreiben“, schlägt Farghal als mögliches Modell für Belegärzte vor. Die Idee hinter diesem Konzept sei, Patienten als Ganzes und damit die medizinische Versorgung als Ganzes zu betrachten. Deshalb sollten auch mehr Fachrichtungen in das Belegarztwesen eingeschlossen werden – auch Allgemeinmediziner.

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Erlaubnisvorbehalt in der Kritik

Die Kommission kritisiert den Erlaubnisvorbehalt als Hemmnis für Belegärzte. Der Erlaubnisvorbehalt gilt für neue Behandlungsformen in Belegkrankenhäusern – anders als in regulären Krankenhäusern. Dort gelte ein Verbotsvorbehalt. Das bedeutet, neue Methoden dürfen im regulären Krankenhaus zulasten der gesetzlichen Krankenkassen erbracht werden, solange diese nicht vom Gemeinsamen Bundes­aus­schuss ausgeschlossen sind.

Belegärzte dürfen dies nicht. Für sie gelten in diesem Bereich die Regelungen des ambulanten Sektors, das heißt, sie dürfen nur Leistungen erbringen, die ausdrücklich Teil des Leistungskataloges sind. Hier schließt sich die Arbeitsgemeinschaft der Beleg- und Honorarärzte im BDC der Forderung des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI) an, der einen Verbotsvorbehalt auch für Belegärzte gefordert hatte.

Ein weiteres Hemmnis für die Belegärzte sind laut Kommission die Honorare. „Hier könnten Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV schnell eine Lösung zur Förderung finden und auch die Begleitleistungen extrabudgetär vergüten“, schlägt Farghal vor und fordert, dass in weiteren Verhandlungen dringend die Bewertungen im Kapitel 36 des Einheitlichen Bewertungsmaßstabes „Belegärztliche Operationen, Anästhesien, postoperative Überwachung und konservativ belegärztlicher Bereich“ angehoben werden müssten.

Neben dem BDI hat auch der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) eine Stärkung des Belegarztwesens gefordert und dazu ein Aktionsbündnis vorgestellt. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, betonte im Februar diesen Jahres ebenfalls, ein funktionierenden Belegarztsystem könne eine hohe Krankenhausdichte und Bettenkapazitäten sinnvoll reduzieren.

© hil/aerzteblatt.de

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