NewsMedizinSchimmelpilze: Nicht nur im Essen eine Gefahr
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Schimmelpilze: Nicht nur im Essen eine Gefahr

Dienstag, 27. Juni 2017

/burdun, stock.adobe.com

Toulouse – Toxine von drei häufigen Schimmelpilzen, die sich in Gebäuden auf Tapeten verbreiten, sollen als Mitverursacher des Sick-Building-Syndroms (SBS) infrage kommen. Neue Messungen zeigen, wie viele Partikel unter welchen Bedingungen in die Luft geraten und eine Gefahr für die Atemwege darstellen. Als kleinstes Aerosol von 0,4 bis 1 µm könnten vor allem Mycotoxine des Schimmelpilzes Stachybotrys chartarum leichter in die Atemwege geraten, befürchten die Autoren einer Studie, die in Applied and Environmental Microbiology erschienen ist (2017, DOI: 10.1128/AEM.01001-17). Den größten Anteil von giftbehafteten Partikeln in der Luft sondern hingegen Penicillium brevicompactum ab.

Anzeige

Die Forscher simulierten einen Luftstrom, der sich über eine pilzkontaminierte Tapete hinweg bewegte. Auf der Versuchsarbeitsfläche testeten sie drei Schimmelpilzarten, die bisher vor allem aufgrund ihrer Fähigkeit, Lebensmittel zu kontaminieren, untersucht wurden: Penicillium brevicompactum, Aspergillus versicolor und Stachybotrys chartarum.

Getestete Schimmelpilze auf Tapeten, die ihr Gift über die Luft verbreiten:

  • Penicillium brevicompactum (Gift: Mycophenolsäure, gemessen wurden 5,6 x 104 Partikel in der Luft bei einem Luftzug von 0,3 m/s)
  • Aspergillus versicolor (Gift: Sterigmatocystin, gemessen wurden 1,2 x 103 Partikel in der Luft bei einem Luftzug von 2 m/s)
  • Stachybotrys chartarum (Gift: Trichothecene, u.a. Satratoxin H und verrucarin J, gemessen wurden 7 x 103 Partikel in der Luft bei einem Luftzug von 6 m/s)

In der Versuchsanordnung bildeten sie ihre Gifte nach zehn Tagen bei 25 °C in unterschiedlichen Mengen aus: Auf der Tapete bildeten sich 1,8 mg/m2 Mycophenolsäure, 112,1 mg/m2 Sterigmatocystin und 27,8 mg/m2 Trichothecene. Diese Mengen stimmen in etwa überein mit Messungen aus früheren Studien. Neue Erkenntnisse gewannen die Forscher hingegen bei der quantitativen Messung in der Luft. Ein Großteil der Gifte fand sich hier auf Partikeln von mindestens 3 µm wieder, was der Größe von Pilzsporen entspricht. Einige der makrozyklischen Trichothecene (Satratoxin H und verrucarin J) und wenige Mycophenolsäuren konnten die Forscher jedoch selbst auf kleineren Partikeln in der Luft nachweisen, die tief in das Atemwegssystem des Menschen eindringen können.

Vom Gift der Penicillium-Pilze landet der größte Teil in der Luft

Den größten Anteil von Partikeln (5,6x104) sonderte der Penicillium-Pilz in die Luft ab; 15 Prozent vom Gift, was sich auf der Tapete befand. Dieser Pilz benötigte zudem den geringsten Luftzug von 0,3 m/s, wie er in Wohnräumen üblich ist. Stachybotrys-Pilze  benötigten hingegen fast 6 m/s um 7x103 Partikel zu verbreiten und Aspergillus versicolor 2 m/s für 1,2x103 Partikel. Um 6 m/s zu erreichen müsste jedoch ein Ventialtor in Betrieb sein, heißt es in der Studie.

Insbesondere Wohnungen, in denen Wände sichtbar mit Pilzen kontaminiert sind, sollten bei der Messung der Luftqualität berücksichtigt werden“, schlussfolgert Jean-Denis Bailly von der National Veterinary School in Toulouse. Seiner Meinung verschärft sich das Problem durch Mycotoxine in Innenräumen auch durch immer mehr energieeffiziente Wohnungen. Denn diese seien zu stark von der Außenluft isoliert. Die Ergebnisse unterstützen zudem zwei Studien aus 2003 und 2004, die die drei Pilzarten mit dem SBS in Verbindung gebracht hatten. Das Syndrom beschreibt Gebäudenutzer, die über Befindlichkeitsstörungen klagen, vor allem die Augen, Atemwege, das Nervensystem und die Haut betreffend.

In Nordeuropa und Nordamerika gehen Wissenschaftler davon aus, dass sich in 20 bis 40 Prozent der Innenräume von Gebäuden Schimmelpilze mit dem Mikroskop nachweisen lassen. Einer der am häufigsten vertretenen Indoor-Schimmelpilze ist Aspergillus versicolor. In Häusern, in denen ein Wasserschaden vorgekommen ist, findet sich hingegen meist der Pilz Stachybotrys chartarum. © gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Januar 2019
Richmond/Virginia – Wenn eine Infektion mit dem Rabiesvirus zu neurologischen Symptomen geführt hat, kommt jede Hilfe zu spät. Eine US-Amerikanerin, die sich bei einer Yogafreizeit in Indien infiziert
Karpaltunnelsyndrom war Initialsymptom eines Tollwutfalls
17. Januar 2019
Hanau – Auf der Intensivstation für Frühgeborene des Klinikums Hanau sind vier Kinder durch den Keim Enterobacter cloacae erkrankt. Bei drei der Säuglingen sei die Infektion aber mittlerweile wieder
Klinik Hanau: Vier Frühgeborene mit Enterobacter cloacae infiziert
16. Januar 2019
Neapel – Die Darmflora hat offenbar einen großen Einfluss auf die Entwicklung von Nahrungsmittelallergien. Dies zeigen tierexperimentelle Studien in Nature Medicine (2019; doi:
Darmbakterium könnte vor Milchallergie schützen
16. Januar 2019
Houston – Eine Infektion mit dem Pilz Candida albicans hat im Tierversuch Gedächtnisprobleme und Hirnanomalien verursacht, die denen der Alzheimerkrankheit ähneln. Das berichten Wissenschaftler um
Candidainfektion kann Gedächtnis einschränken
7. Januar 2019
München – Das elektronische Polleninformationsnetzwerk (ePIN) in Bayern steht kurz vor dem Start. Es soll aktuelle und genaue Echtzeitdaten zum Pollenflug in Bayern bereitstellen. „Ab dem Frühjahr
Elektronisches Polleninformationsnetzwerk in Bayern kurz vor dem Start
10. Dezember 2018
Magdeburg – In diesem Jahr sind bislang deutlich mehr Norovirus-Erkrankungen diagnostiziert worden als im Vorjahreszeitraum. Bis in die erste Dezemberwoche hinein wurden mehr als 7.600 Fälle der
Anstieg bei Norovirus-Erkrankungen in Sachsen-Anhalt
7. Dezember 2018
Aarhus – Kinder und Jugendliche, die wegen schwerer Infektionen im Krankenhaus behandelt wurden, erkrankten in einer bevölkerungsweiten Kohortenstudie aus Dänemark in JAMA Psychiatry (2018; doi:
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER