NewsPolitikKrankengeld bleibt Beratungsthema Nummer eins
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krankengeld bleibt Beratungsthema Nummer eins

Freitag, 23. Juni 2017

/M. Schuppich, stock.adobe.com

Berlin – Krankengeldbezug, Behandlungsfehler und Verweigerung der Einsicht in die Krankenakte: Zu diesen drei Themen suchten auch im Jahr 2016 ein Großteil der Versicherten Rat bei der Unabhängigen Patientenberatung (UPD).

Dabei wurden rund 10.193 Beratungen zum Krankengeld geleistet, 4.700 Beratungen zu Behandlungsfehlern und 1.591 Beratungen bei der Verweigerung der Einsicht in die Krankenakte. Das geht aus dem Monitor Patientenberatung 2016 hervor, den UPD-Chef Torben Krumwiede gemeinsam mit dem Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), heute vorgestellt hat.

Krankengeld nur bei lückenlosem Nachweis

Nach Darstellung der UPD sei offenbar auch vielen Ärzten nicht bewusst, dass der Bezug von Krankengeld „an die lückenlose Feststellung der Arbeitsunfähigkeit gebunden ist“, sagte Krumwiede. „Vielen Ärzten und ihren Mitarbeitern in den Arztpraxen ist nicht klar, dass eine Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung zum Zwecke des Krankengeldbezugs nicht rückdatiert werden kann.“

Anzeige

Daher fordert die UPD hier mehr Aufklärung für Ärzte aber auch bei den Kranken­kassen. Diese müssten aus Sicht der unabhängigen Patientenberatung „ganz ausführlich“ auf die Probleme hinweisen, wenn der Krankengeldbezug erhalten bleiben soll. Auch im Versorgungsstärkungsgesetz hatte es bereits rechtliche Änderungen zum Krankengeldbezug gegeben, die UPD kann sich weitere Klarstellungen vorstellen. Auch Laumann kritisierte, dass Patienten, aber auch Ärzte nicht genügend über die Voraussetzungen des Anspruchs auf Krankengeld informiert werden. Hier müssten Krankenkassen verpflichtet werden, mehr Information und Transparenz bereit zu stellen.

Probleme mit dem MDK

Die Daten des Monitors geben auch wieder, dass viele Patienten die Arbeit des Medizinischen Dienstes der Kran­ken­ver­siche­rung (MDK) offenbar als „wenig patientenorientiert empfinden“. „Patienten müssen jedoch ohne jeden Zweifel darauf vertrauen können, dass der MDK grundsätzlich unabhängig und neutral aufgestellt sein“, sagte Laumann. Er habe schon vor einiger Zeit gefordert, dass der MDK „sowohl personell als auch inhaltlich neu organisiert und von den Kranken- und Pflegekassen gelöst werden“ müsse. Es gebe derzeit ein kurzes Zeitfenster vor und nach der Bundestagswahl in der diese Forderungen formuliert werden müssten.

Grünen-Politikerin Maria Klein-Schmeink begrüßte diese Forderung. Allerdings: „Leider hat Herr Laumann es versäumt, in dieser Wahlperiode rechtzeitig entsprechende Änderungen vorzutragen, damit sie auch parlamentarisch umgesetzt werden können“, so Klein-Schmeink in einer Mitteilung.

Beim Thema Behandlungsfehler fordert Laumann von der Ärzteschaft eine „Fehlerkultur, die weder skandalisiert noch bagatellisiert, sondern die transparent und gemeinsam mit den betroffenen Patienten aufarbeitet, was geschehen ist“, sagte Laumann in Berlin. Er könne sich auch Erleichterungen beim Nachweis von Behandlungsfehlern vorstellen.

Ebenso sieht Laumann es als „beschämend“ an, dass es rund 1.600 Beratungen zum Einsichtsrecht der Krankenunterlagen gab. „Mit dem Patientenrechtegesetz hat der Gesetzgeber glasklar geregelt, dass Patienten ein zeitnahes Einsichtsrecht haben“, so Laumann. Wenn dies von Ärzten verweigert werden würde, „bin ich der Meinung, dass die Ärzteschaft selbst berufsrechtlich härter durchgreifen muss.“

Der Leiter der UPD betonte, dass „der Monitor ein Seismograf für Probleme, keine repräsentative Erhebung“ sei, da sich vor allem die Unzufriedenen Hilfe und Rat suchen. „Aufgrund der großen Zahl an Beratungen geben die Ergebnisse dennoch deutliche Hinweise auf systematische Probleme in unsrem Gesundheitswesen“, so Krumwiede weiter. Laumann empfahl dagegen, dass der Monitor auf „jedem Schreibtisch von allen im Gesundheitswesen tätigen, besonders den Krankenkassen“ gehöre. © bee/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Machts Sinn
am Samstag, 24. Juni 2017, 10:38

Versagen der Sozialgerichtsbarkeit und des Gesetzgebers

Seit 10 Jahren immer wieder die alte Leier – und jetzt wieder die falschen Konsequenzen:

Kurz nachdem das BSG seinen langjährigen Irrtum von der Haftung der Ärzte am 11.05.2017 einräumte, werden sie wieder zum Buh-Mann der Nation erklärt, obwohl die Arbeitsunfähigkeits-Richtlinien (AU-RL) die Rückdatierung des Beginns der Arbeitsunfähigkeit ebenso wie eine rückwirkende Bescheinigung über das Fortbestehen der Arbeitsunfähigkeit ausdrücklich regeln.

In Wirklichkeit geht es um etwas ganz anderes: das Versagen der Deutschen Sozialgerichtsbarkeit und des Gesetzgebers. Anstatt die „illegale BSG-Krankengeld-Falle“ einfach abzuschaffen ist sie von unserem Souverän um einen Werktag sowie um Sonn- und Feiertage entschärft zum 23.07.2015 in den Stand der „gesetzlichen Krankengeld-Falle“ erhoben worden. Und der „SGB X-widrige Selbstvollzug fiktiven Krankengeld-Rechts“ wird nach wie vor bundesweit ignoriert.

Gröhe, Laumann und die Große Koalition halten ausdrücklich an der völlig überflüssigen Schikane fest. Sie bevorzugen sinnlosen Aufwand, wollen die Krankenkassen zu mehr Information und Transparenz verpflichten, statt eigene Fehler einzuräumen und zu korrigieren.

Wieder ein Akt der Volksverdummung: unwissende Ärzte, Mitarbeiter, Patienten.

Nachrichten zum Thema

29. Juni 2018
Kiel – Vor einer wachsenden Entfremdung zwischen Menschen und Staat hat Schleswig-Holsteins Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten gewarnt. Behörden würden von vielen zunehmend als „die da oben
Mehr Beschwerden über Krankenkassen in Schleswig-Holstein
28. Juni 2018
Berlin – Qualitätssicherung, Disease-Management-Programme und Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung: Die drei Unterausschüsse des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) hat die Unparteiische Regina
„Die Ausschöpfung des Potenzials der Selbstverwaltung muss man wollen“
21. Juni 2018
Düsseldorf – Eine Fortentwicklung der Patientenrechte und der transparenten Patienteninformation, der Barrierefreiheit im Gesundheitswesen sowie der Patientensicherheit fordert die
Patientenorientierung weiterentwickeln
20. Juni 2018
Düsseldorf – Bei Behandlungsfehlern sollten Patienten leichter Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche stellen können. Das forderte der nordrhein-westfälische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann
Pfiffe gegen Ge­sund­heits­mi­nis­ter
12. Juni 2018
Berlin – Die Unabhängige Patientenberatung hat 2017 deutlich mehr Menschen rund um Fragen zum Gesundheitswesen beraten als im Vorjahr. Laut dem Bericht „Monitor Patientenberatung 2017“ haben 154.931
Immer mehr Menschen ratlos über das Gesundheitswesen
18. April 2018
Magdeburg – Wenn das Kind krank ist, bleiben immer häufiger die Väter zu Hause. Diesen Trend hat die Barmer auf Basis von Daten ihrer Versicherten zum Kinderkrankengeld ermittelt. Demnach stieg der
Väter bleiben häufiger beim kranken Kind
12. April 2018
Berlin – Rund 1.500 gesetzlich Krankenversicherte haben sich im vergangenen Jahr an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) gewendet, weil ihre Krankenkasse die
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER