NewsMedizinAnleitung zur Selbsthilfe lindert chronisches Erschöpfungssyndrom in Studie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Anleitung zur Selbsthilfe lindert chronisches Erschöpfungssyndrom in Studie

Montag, 26. Juni 2017

London – Eine professionelle Anleitung zur Selbsthilfe mit einem Patientenratgeber, der die körperliche Aktivität langsam steigern soll, hat in einer randomisierten Studie die Kernsymptome des chronischen Erschöpfungssyndroms gelindert. Die im Lancet (2017; doi: 10.1016/S0140-6736(16)32589-2) vorgestellte Selbsthilfe basiert auf einem umstrittenen Therapieansatz, der sich in einer früheren Studie bereits als wirksam erwiesen hat.

Die britische PACE-Studie war 2011 zu dem Ergebnis gekommen, dass Physio- und Psychotherapie die Beschwerden des chronischen Erschöpfungssyndroms lindern können, die häufig im Anschluss an einen Infekt zu einer anhaltenden körperlichen und mentalen Erschöpfung führt. Die Behandlung ist dennoch umstritten, da sie nach Ansicht vieler Patienten suggeriert, dass die Erkrankung psychischer Natur ist.

Viele sind überzeugt, an einer organischen Erkrankung, der myalgischen Enzepha­lomyelitis, zu leiden, die körperliche Schonung verlangt, weshalb eine Physiotherapie als potenziell gefährlich eingestuft wird. Entsprechend kontrovers wurden die Ergebnisse der PACE-Studie diskutiert. Das National Institute for Health and Care Excellence (NICE), das in England und Wales festlegt, welche Behandlungen der Nationale Gesundheitsdienst anbietet, betrachtet sie jedoch aufgrund der PACE-Studie als Therapie der Wahl. 

Anzeige

Die Behandlung ist jedoch sehr zeit- und personalintensiv. Dies gilt insbesondere für die Physiotherapie. Da die körperliche Belastbarkeit nur langsam und behutsam gesteigert werden kann, sind über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten bis zu 15 Termine bei einem Physiotherapeuten erforderlich, der eine spezielle Schulung zu den Besonderheiten der Erkrankung benötigt. Diese Kompetenz ist nur an wenigen Zentren vorhanden.

In der GETSET-Studie wurde deshalb untersucht, ob die Therapie teilweise in die Eigenverantwortung der Patienten übertragen werden kann. Alle 211 Teilnehmer der Studie, die an zwei Zentren in London und in der Region Kent durchgeführt wurde, erhielten eine spezielle medizinische Grundbetreuung durch einen Arzt, der auf die Behandlung des chronischen Erschöpfungssyndroms spezialisiert ist. Diese Grundbetreuung beschäftigte sich mit der Behandlung von Begleitsymptomen wie Schlaflosigkeit, Schmerzen oder depressiven Verstimmungen. Sie konnte in Rat­schlägen oder in der Verordnung von Medikamenten bestehen. 

Einer Hälfte der Patienten wurde zusätzlich eine „Graded exercise therapy" (GET) angeboten, die anders als in der PACE-Studie nicht durchgängig von einem Physio­therapeuten durchgeführt wurde. Die Patienten sollten das 12-wöchige Programm, das in sechs Stufen die körperliche Aktivität steigert, überwiegend in Eigenregie absol­vieren. Die Unterstützung des Physiotherapeuten beschränkte sich auf maximal vier Beratungen über Telefon oder Skype.

Die Patienten wurden angeleitet, sich eine körperliche Aktivität auszusuchen, die sie in langsam steigender „Dosis“ in ihren Alltag integrierten. Die meisten Teilnehmer entscheiden sich für Gehen oder Wandern. Am Anfang konnte die Aktivität auf einige Minuten beschränkt sein. Wenn ein bestimmtes Level ohne Erschöpfung ertragen wurde, sollte zunächst die Dauer und später auch die Intensität der körperlichen Bewegung langsam gesteigert werden.

Primäre Endpunkte der Studie waren die Erschöpfbarkeit, die mit der Chalder-Fatigue-Skala bestimmt wurde, sowie die körperliche Funktion im SF36-Fragebogen zur Lebensqualität. Wie Lucy Clark vom Wolfson Institute of Preventive Medicine in London und Mitarbeiter berichten, kam es in beiden Endpunkten zu einer signifikanten Verbesserung. Die Erschöpfbarkeit ging in der 33-Punkte Chalder-Skala um 4,2 Punkte (95-Prozent-Konfidenzintervall 2,3-6,1 Punkte) stärker zurück als in der Vergleichsgruppe. Die Effektstärke betrug 0,53, was ein guter Wert ist. Die körperliche Funktion verbesserte sich im SF36-Fragebogen um 6,3 Punkte (1,8-10,8) mehr als in der Kontrollgruppe. Die Effektstärke betrug hier 0,20, was ein relativ geringer Wert ist. 

In der Selbsteinschätzung meinten 18 Prozent der Patienten nach Abschluss der 12-wöchigen Studie, dass sie sich „viel besser“ oder „sehr viel besser“ fühlen. In der Kontrollgruppe hatten 5 Prozent diesen Eindruck. In puncto Erschöpfbarkeit sahen 14 Prozent gegenüber 6 Prozent eine positive Veränderung.  

Schwerwiegende Nebenwirkungen sind laut Clark nicht auftreten. Nur einer von 97 Teilnehmern in der GET-Gruppe stufte seinen Zustand am Ende als „schlechter“ oder „sehr viel schlechter“ ein im Vergleich zu acht von 101 Patienten in der Kontrollgruppe. Es gab in der GET-Gruppe allerdings mehr Studienabbrecher (10 versus 2 in der Kontrollgruppe), was aber nach Einschätzung von Clark nichts am insgesamt positiven Ergebnis der Studie ändert.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #730189
R.B.
am Dienstag, 4. Juli 2017, 16:27

Sorry!

Warum mein Kommentar 2x erscheint, weiß ich nicht.
Sollte ein Admin darüber stolpern, darf er den zweiten Kommentar behalten.

Außerdem wollte ich noch hinzufügen, daß die Psychiatrie mit ME-Patienten und auch mit anderen
Kranken genau das macht, was in unserer Gesellschaft leider (Un)Sitte geworden ist, nämlich
jemanden, der schon am Boden liegt noch zusätzlich mit den Füßen zu treten.
Avatar #730189
R.B.
am Dienstag, 4. Juli 2017, 16:03

Wieder so ein"copy & paste"- Artikel über ME

Ich möchte mit einem Zitat von Heraklit von Ephesus (etwa 540 - 480 v. Chr.) beginnen:
"Nichts ist so beständig wie der Wandel”
Das gilt auch in der Medizin, außer bei ME.
Die Theorien im Artikel und in der Studie entsprechen in neuem Wortlaut exakt der flammenden
Propagandarede, die Prof. Henningsen 1983 vor Fachkollegen gehalten hat.
Das heißt Stillstand im Denken seit fast 35 Jahren.
Wenn man eine Unwahrheit auch noch solange wiederholt, wird sie nicht wahr(er).

Auffällig ist auch das immer gleiche Studiendesign.
1. Auftraggeber und Durchführer sind immer Psychiater
2. Definition: "abnormal tiredness and other symptoms" =ME
3. Man nehme 10 Patienten mit "abnormal tiredness and other symptoms"
d.h. auch Patienten, die gerade eine Virusgrippe auskurieren oder einen Bipolaren, der mehrere
Wochen in der Psychiatrie sediert wurde oder einen Krebspatienten, dessen Chemo gerade vorbei
ist.
4. Dann läßt man die Ärzte mit CBT und GET auf die Patienten los.(Sarkasmus)
5. Wenn es danach 70% der Patienten besser geht, ist das der Beweis für die Wirksamkeit von CBT
und GET bei ME, weil siehe Punkt 2.

Ich glaube, daß die 10 Studienabbrecher in der GET-Gruppe die einzig echten ME-Patienten waren.

Erfahrungsbericht zur Psychopathologisierung:
Man wird wegen chronischer Kopfschmerzen zum Neurologen überwiesen.
Der Neurologe findet nichts d.h. es muß psychisch sein.
Da Neurologen und Psychiater meist in Personalunion auftreten, braucht man keine weitere Überweisung. Die Untersuchung kann direkt weitergehen.
Wenn der Psychiater dann 3x gesagt hat "Aber es könnte doch sein, daß..." ist die psychische Störung schon sicher. Als nächstes vertauscht er Ursache und Wirkung, damit alles zu einer F.-Diagnose
passt. Wenn man zusätzliche Symptome anführt, die absolut gegen eine psychiatrische Diagnose sprechen, kommen die beiden Sätze "Das kann nicht sein" und "Das hat ganz sicher nichts miteinander zu tun". Somit hat man "gesicherte" F.-Diagnosen.

So wird aus Kopfschmerzen eine somatoforme Störung, eine Verhaltensstörung und Neurasthenie.
Wenn GET und CBT nicht erfolgreich sind, bekommt man mündliche noch eine Persönlichkeitsstörung
zugesprochen.
Mit diesen Diagnosen wird man dann von Krankenkassen, Rentenversicherung und Arbeitsamt irgendwo zwischen Hypochonder und Sozialschmarotzer eingeordnet und dann aus unserem Sozialsystem
ausgespuckt. Man befindet sich somit im Abfalleimer unseres Gesundheitssystems.

Ich bedanke mich beim Verfasser dieses Artikels und allen, die an die engstirnigen Ideologien von
Prof. Wessely, Prof.Henningsen und seinen Jüngern glauben, für die Hoffnung auf eine baldige Genesung nach über 25 Jahren ME G93.3.(nochmal Sarkasmus)
Avatar #730189
R.B.
am Dienstag, 4. Juli 2017, 16:03

Wieder so ein"copy & paste"- Artikel über ME

Ich möchte mit einem Zitat von Heraklit von Ephesus (etwa 540 - 480 v. Chr.) beginnen:
"Nichts ist so beständig wie der Wandel”
Das gilt auch in der Medizin, außer bei ME.
Die Theorien im Artikel und in der Studie entsprechen in neuem Wortlaut exakt der flammenden
Propagandarede, die Prof. Henningsen 1983 vor Fachkollegen gehalten hat.
Das heißt Stillstand im Denken seit fast 35 Jahren.
Wenn man eine Unwahrheit auch noch solange wiederholt, wird sie nicht wahr(er).

Auffällig ist auch das immer gleiche Studiendesign.
1. Auftraggeber und Durchführer sind immer Psychiater
2. Definition: "abnormal tiredness and other symptoms" =ME
3. Man nehme 10 Patienten mit "abnormal tiredness and other symptoms"
d.h. auch Patienten, die gerade eine Virusgrippe auskurieren oder einen Bipolaren, der mehrere
Wochen in der Psychiatrie sediert wurde oder einen Krebspatienten, dessen Chemo gerade vorbei
ist.
4. Dann läßt man die Ärzte mit CBT und GET auf die Patienten los.(Sarkasmus)
5. Wenn es danach 70% der Patienten besser geht, ist das der Beweis für die Wirksamkeit von CBT
und GET bei ME, weil siehe Punkt 2.

Ich glaube, daß die 10 Studienabbrecher in der GET-Gruppe die einzig echten ME-Patienten waren.

Erfahrungsbericht zur Psychopathologisierung:
Man wird wegen chronischer Kopfschmerzen zum Neurologen überwiesen.
Der Neurologe findet nichts d.h. es muß psychisch sein.
Da Neurologen und Psychiater meist in Personalunion auftreten, braucht man keine weitere Überweisung. Die Untersuchung kann direkt weitergehen.
Wenn der Psychiater dann 3x gesagt hat "Aber es könnte doch sein, daß..." ist die psychische Störung schon sicher. Als nächstes vertauscht er Ursache und Wirkung, damit alles zu einer F.-Diagnose
passt. Wenn man zusätzliche Symptome anführt, die absolut gegen eine psychiatrische Diagnose sprechen, kommen die beiden Sätze "Das kann nicht sein" und "Das hat ganz sicher nichts miteinander zu tun". Somit hat man "gesicherte" F.-Diagnosen.

So wird aus Kopfschmerzen eine somatoforme Störung, eine Verhaltensstörung und Neurasthenie.
Wenn GET und CBT nicht erfolgreich sind, bekommt man mündliche noch eine Persönlichkeitsstörung
zugesprochen.
Mit diesen Diagnosen wird man dann von Krankenkassen, Rentenversicherung und Arbeitsamt irgendwo zwischen Hypochonder und Sozialschmarotzer eingeordnet und dann aus unserem Sozialsystem
ausgespuckt. Man befindet sich somit im Abfalleimer unseres Gesundheitssystems.

Ich bedanke mich beim Verfasser dieses Artikels und allen, die an die engstirnigen Ideologien von
Prof. Wessely, Prof.Henningsen und seinen Jüngern glauben, für die Hoffnung auf eine baldige Genesung nach über 25 Jahren ME G93.3.(nochmal Sarkasmus)
Avatar #730284
L. B.
am Montag, 3. Juli 2017, 22:31

Schon wieder so was...

Als Naturwissenschaftlerin (Psychologie ist keine Naturwissenschaft, zugegeben nur eine Meinung; irgendwie hat sich Psychologie ihren "naturwissenschaftlichen" "Status" erschlichen), die selber schon publiziert hat, kann ich nur den Kopf darüber schütteln, was so alles "wissenschaftlich" genannt wird. Da werden subjektive Antworten auf Suggestivfragen - was bestimmt ja interessant sein kann - als wissenschaftlich bezeichnet.

Ich durfte selber schon bei der Erstellung solcher Fragebögen mitwirken. Als erstes fiel auf, dass überhaupt nicht eindeutige Symptome verwendet werden. Bei der Depression wird z.B. die Libido abgefragt. Niedrige Libido spräche für Depression. Hormonmangel und -dysbalancen können aber auch zu Libidoverlust führen, z.b. Testosteronmangel. Wie viele Ärzte checken den Testosteronspiegel, und wieviele nehmen einen Mangel ernst, insbesondere bei Frauen? Und wieviele behaupten dann: Körperlich nichts zu finden?
Zum anderen sind die Fragen und Antworten suggestiv. Man kann nicht frei antworten (sonst lassen sich die stochastischen Modelle und Programme nicht anwenden). Man sucht die Antwort aus, die noch am ehesten zutrifft, auch wenn eigentlich gar keine die treffende Antwort wäre.
Drittens wird wohl ignoriert, dass jeder Mensch Worte, Sätze usw. ein klein wenig anders versteht. Es gibt keine eindeutige Definition von "oft" oder "manchmal". Für manche ist "oft" viermal, für manche ist viermal "manchmal".
Weiter werden die Fragen interpretiert - der Mensch interpretiert fast immer. Folge: Man antwortet auf eine Frage, die man anders versteht, als sie gemeint war. Die Antwort ist also eigentlich ungültig.
Zuletzt: Die Ergebnisse sind unter den gleichen Bedingungen nicht reproduzierbar, was aber eine Grundeigenschaft naturwissenschaftlicher Forschung ist.

Warum werden dagegen Paper, die harte Daten und Fakten liefern, reproduzierbar und überall auf der Erde gleich sind (biochemische Prozesse sind bei jedem Menschen dieselben; "psychische Erkrankungen" gibt es in manchen Kulturen gar nicht oder aber die Kriterien sind anders) ignoriert? Paper, die den wissenschaftlichen Richtlinien entsprechen? Das kann nur interessengeleitet sein, mit (Natur-)Wissenschaft hat das gar nichts zu tun.

Meine Meinung ist, die aus diesen Beobachtungen resultiert: Man bbenutzt die Psychologie - oder die Psychologie benutzt sich selbst - zur Etablierung von Machstrukturen. Es gibt eine klare Tendenz zur Psychologisierung. Damit wird Krankheit eine Angelegeheit des Betroffenen alleine, nur er selber ist Schuld an seiner Misere und nur er selber kann sich helfen. Wird er nicht "gesund", ist er selber Schuld, da "therapieresistent". Die "Gemeinschaft" ist fein raus, Versicherungen müssen nicht zahlen, Kosten werden eingespart, Unschönes beiseite geschoben. Und dabei wird weiter behauptet, das sei wissenschaftlich gestützt. Wie immer Verblendung des Bürgers!

ME ist vielleicht deswegen so schwer zu akzeptieren, weil sich die meisten in dieser leistungsgetriebenen Welt nicht vorstellen können, dass Aktivität schädlich sein könnte; irre eigentlich, diese Ansicht. Ein Zuviel ist meistens schädlich. Zu viel Training führt zu Übertraining.
Für mich wäre vor ME auch unvorstellbar gewesen, dass Sport/Bewegung schädlich sein könnte. Jetzt erfahre ich es am eigenen Leib, als leidenschaftliche ehemals-Sportlerin war das schwer zu begreifen.

Mal wieder wird die PACE-Trial angeführt. Das ist unseriös. Im Rahmen von Gerichtsprozessen wurde aufgedeckt, dass hier Datenmanipulation betrieben wurde. Die Autoren mussten sich rechtfertigen. Warum werden nachgewiesen manipulierte Paper zitiert? Das ist nicht naturwussenschaftliche Praxis (siehe DFG-Richtlinien). In unseren Kreisen wäre so jemand geliefert, das war's. In England produzieren diese Autoren aber weiterhin Müll, der zitiert wird.

Zur Idee des GET meine persönliche Erfahrung: Ich habe eine Fitnesstrainerausbildung (fortgeschritten). Ich weiß, wie Muskelaufbau, Aufbau von Leistung usw funktioniert. Ich kenne die biologischen Abläufe, die während des Trainings und danach einsetzen, und die Wichtigkeit von Regenerationsphasen. Ich weiß auch, wie hart es ist, mit einem neuen Training zu beginnen. Ich habe für Fortschritte "gelitten": No pain, no gain! Und ich kann sagen: Bei mir gelten diese Grundprinzipien scheinbar nicht mehr. Fortschritt, bessere Ausdauer, Muskelaufbau, ein Trainingsplan, wo man gezielt Reize setzt - das alles funktioniert bei mir nicht; vor meiner Erkrankung aber schon.

Wer mir also mit GET oder pipi-Physiotherapie kommt, darf eine entsprechende Reaktion erwarten. Ich merke, wenn ich verarscht werde, und ich reagiere darauf nicht freundlich.

Was muss passieren, dass Menschen nicht länger diffamiert, gedemütigt, entwürdigt, entmündigt, gequält, gebrochen und zerstört werden??

Avatar #696920
Katharina Voss
am Montag, 26. Juni 2017, 23:38

Britische Psychiater wollen uns einen Bären aufbinden

Auch wenn die Autoren des Ärzteblatts es immer wieder in der Rubrik "Psychische Erkrankungen" abhandeln: Das sogenannte "Chronische Erschöpfungssyndrom" ist keine psychische Erkrankung. Es ist im ICD unter G93.3 als neurologische Krankheit gelistet, ebenso wie die Myalgische Enzephalomyelitis.

Ob an der vorgestellten Studie aber tatsächlich "CFS"- bzw. ME-Kranke teilgenommen haben, darf stark bezweifelt werden. Denn Patienten, die seit mindestens vier Monaten unter nichts als Müdigkeit leiden und nur noch ein anderes Symptom dazu beklagen - mehr Symptome erfordern die laxen NICE-Kriterien, Eingangskriterien dieser Studie, nicht -, sind nach wissenschaftlich robuster Krankheitsdefinition, wie z.B. den Kanadischen Konsenskriterien von 2003 oder den Internationalen Konsenskriterien von 2011, keine ME/"CFS"-Patienten. Die beiden anderen in der Studie angewandten Krankheitsdefinitionen sind sogar noch weiter gefasst als die NICE-Kriterien.

Was die Autoren unter "CFS"- bzw. ME-Patienten verstehen, wird deutlich, wenn man sich das in der Studie verwendete GETSET-Booklet anschaut. Da wird z.B. "Patientin"Julie vorgestellt; anhand von "Julie’s boom-bust diary" und "Julie’s stabilised diary" wird man unschwer feststellen können, dass offenbar viele gesunde Menschen mit einem etwas unstrukturierten Tagesablauf an der Studie partizipierten - keineswegs aber körperlich schwerkranke Menschen, wie ME/"CFS"-Patienten es sind. Folglich hatten etliche Studienteilnehmer schon bei Randomisierung SF-36-Punkte im Normalbereich - sie waren lediglich in ihrer sozialen oder kognitiven Funktionsfähigkeit eingeschränkt.

Dennoch hatten nur ca. 20% der Probanden, die man nach wissenschaftlichen Maßstäben nicht als ME/"CFS"-Kranke bezeichnen kann, einen Benefit von der "Selbsthilfe-Behandlung", etwa 80% hingegen nicht. Und diese "Erfolgsergebnisse" kamen nur aufgrund von Fragebögen mit Selbstauskünften zustande. Kein einziger objektiver Messwert, beispielsweise mittels Aktometer, wurde hinzugezogen, um diese subjektiven Ergebnisse zu bestätigen.

Was haben wir also im Ergebnis? Eine unverblindete Studie mit subjektiven Endpunkten, an der erwiesenermaßen keine "echten" ME/"CFS"-Patienten teilgenommen haben. Wer solcher Pseudowissenschaft huldigt, siedelt sich selbst in der Nähe von Scharlatanerie an!
LNS
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER