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Politik

Krankenhausmarkt: Auf dem Weg in die Oligopolisierung

Montag, 26. Juni 2017

bas121 - stock.adobe.com

Berlin – Die unzureichende Investitionskostenfinanzierung durch die Bundesländer ist einer der Treiber für Fusionen im Krankenhausmarkt. Diese Meinung vertrat der Kaufmännische Direktor des Universitätsklinikums Münster, Christoph Hoppenheit, auf dem Hauptstadtkongress vergangene Woche in Berlin. In Münster gebe es eine intensive Diskussion zwischen Klinikgeschäftsführern darüber, wie man sein Portfolio abgleichen und Personal gemeinsam einsetzen könne. Das geschehe durch den finanziellen Druck, unter dem die Häuser ständen.  

Hoppenheit kritisierte, dass die alte Landesregierung in Nordrhein-Westfalen zu wenig unternommen habe. „Vor allem kleine Krankenhäuser haben große Probleme aufgrund der mangelnden Investitionskostenfinanzierung“, sagte er. In Münster sei durchaus noch viel investiert worden. „Aber das ist kein Beispiel für ganz Nordrhein-Westfalen“, so Hoppenheit. An vielen Orten im Land gebe es Krankenhäuser, die zum Teil mit einer katastrophalen Substanz arbeiten müssten.

Universitätskliniken suchen Kooperationen

Hoppenheit berichtete, dass der Austausch von Universitätskliniken und anderen Krankenhäusern zunehmend intensiver werde. „In Münster ist eine Gruppe von drei Krankenhäusern in die Insolvenz gegangen“, sagte er. Das Universitätsklinikum Münster habe eines dieser Häuser übernommen. „Mit dem alten Krankenhaus hatten wir traditionell einen Austausch von Patienten, den wir erhalten wollten“, nannte Hoppenheit als Motiv. „Wir haben schon immer die komplexen Fälle aus diesem Haus bekommen.“ Die Übernahme sei dabei in großer Einigkeit erfolgt. Bei der Zusammen­arbeit zwischen Universitätskliniken und anderen Krankenhäusern gehe es zudem um den Austausch von Assistenzärzten, die in kleineren Häusern lernen könnten, was sie in Unikliniken nicht lernen.

Thomas Isenberg, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, prognostizierte, dass die Bundesländer aus sich heraus ihrer Verpflichtung zur Finanzierung der Investitionskosten nicht nachkommen würden. Denn das Geld, das die Länder zur Verfügung haben, konkurriere immer mit anderen Ausgaben, zum Beispiel im Bereich der Kitas oder des Wohnungsbaus.  

Anspruch auf Geld

„Die duale Finanzierung findet nicht mehr statt“, konstatierte auch Axel Paeger, Vorstandsvorsitzender des privaten Krankenhausträgers Ameos. „Die Investitionen sind aber keine haushaltspolitischen Entscheidungen, sondern eine gesetzliche Verpflichtung. Wir haben einen Anspruch auf dieses Geld.“ Wenn dieses System nicht mehr funktioniere, dann müsse es geändert werden.

„Wenn ich als Bundesland die Investitionskostenfinanzierung aus der Hand gebe, kann ich aufhören: Dann findet keine Krankenhausplanung mehr statt“, meinte Bernhard Ziegler, Vorsitzender des Interessenverbandes kommunaler Krankenhäuser. „In einer Volkswirtschaft unserer Größe muss es möglich sein, eine sachgerechte Krankenhaus­finanzierung sicherzustellen.“

Trägervielfalt bleibt stabil

Ziegler sprach sich für eine Zusammenführung von Krankenhäusern aus. „Es gibt zu viele kleine Einheiten in Deutschland“, sagte er. „Ich bin ein großer Freund von Leistungskonzentrationen. In unserem Landkreis mit 140.000 Einwohnern gab es früher drei Krankenhäuser. Jetzt gibt es ein großes Krankenhaus. Das sind zukunftsfähige Strukturen.“ Das müsse man der Bevölkerung und den Aufsichtsgremien von kommunalen Häusern klarmachen.

Rainer Norden, Vorstand der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, prognos­tizierte, dass sich die Krankenhauslandschaft in Deutschland in der Folge des staatlich organisierten Wettbewerbs auf dem Weg in eine Oligopolisierung befinde. Es werde immer mehr große Gruppen geben.

Im Hinblick auf die Trägervielfalt ließen sich keine wesentlichen Veränderungsprozesse feststellen, meinte Ziegler. Sie werde im Wesentlichen stabil bleiben.

© fos/aerzteblatt.de

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