Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

KV Westfalen-Lippe will langsame Abkehr von Arztzahl-Sonder­regelung im Ruhrgebiet

Dienstag, 27. Juni 2017

/luna1904, stock.adobe.com

Dortmund – Die ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen von Nordrhein-Westfalen (NRW) steht vor einer neuen Herausforderung. Grund ist das Auslaufen einer Sonderregelung bei der Bedarfsplanung für Hausärzte im Ruhrgebiet. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) befürchtet, dass Hunderte Hausärzte ins Ruhrgebiet drängen, sollte die Sonderregelung auslaufen. Die Versorgung auf dem Land könnte darunter leiden.

„Als im Jahr 2013 die Bedarfsplanung neu gestaltet wurde, galt als neuer Rahmen, dass ein Hausarzt auf 1.671 Bürger kommen solle. Für das Ruhrgebiet galt eine Sonderregelung: Hier sollten 2.134 Bürger auf einen Hausarzt kommen“, erläuterte KVWL-Sprecher Jens Flintrop dem Deutschen Ärzteblatt. Diese Sonderregelung ist zeitlich befristet. Sie läuft Ende des Jahres aus, sollte der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) sie nicht aktiv verlängern. Dieser hat daher das IGES-Institut in Berlin mit einem Gutachten beauftragt, das seit Kurzem öffentlich ist.

Die Autoren bestätigen darin zunächst, dass das Ruhrgebiet in der vertragsärztlichen Bedarfsplanung eine Sonderregion darstelle. „Als ausschlaggebend gilt, dass die typischerweise für Kernstädte angenommene Mitversorgung von Patienten aus dem Umland im Ruhrgebiet weniger relevant sei, weil die Kernstädte dieser Region quasi nahtlos ineinander übergehen. Darüber hinaus wird auf eine überdurchschnittlich hohe Krankenhaus(betten)dichte und das enge Verkehrsnetz im Ruhrgebiet verwiesen“, begründen die Autoren den Sonderstatus.

Sie analysieren im Folgenden unter anderem Einwohner-, Verkehrs- und Versorgungssituation im Ruhrgebiet. Ihr Fazit bereitet den KVen in NRW Sorge. Es lautet: „Ein für das gesamte Ruhrgebiet systematisch geringeres Niveau der Arzt- beziehungsweise Psychotherapeutendichte in der haus- und allgemeinen fachärztlichen Versorgung lässt sich nicht ausreichend begründen – und in dieser Hinsicht auch keine generelle Fortgeltung des Sonderstatus in der Bedarfsplanung“.

Laut Berechnungen der KV Westfalen-Lippe würden rund 800 Hausärzte ins Ruhrgebiet drängen, wenn die Sonderregelung tatsächlich ausläuft. „Diese Situation führt dazu, dass wir auf dem Land immer mehr Probleme haben“, warnte der zweite Vorsitzende der KV Westfalen-Lippe, Gerhard Nordmann, heute in Dortmund. Bereits jetzt seien Ärzte knapp in einigen Regionen des Sauerlandes, Ostwestfalens, des Münsterlandes, der Eifel, des Bergischen Landes und des Niederrheins.

Zudem sei jeder dritte niedergelassene Arzt über 60 Jahre alt. Wenn jetzt noch Ärzte aus diesen Regionen ins Ruhrgebiet drängten oder Nachwuchsärzte sich lieber im Ballungsraum ansiedelten, werde es noch knapper. Die KV appelliert daher an den G-BA, eine Übergangsfrist zu vereinbaren. Gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt bezifferte sie diese auf fünf bis zehn Jahre. Die Entscheidung des G-BA soll laut KV in den nächsten Wochen fallen.

© hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

19. April 2018
Berlin – Die ambulante kinderärztliche Versorgung in Berlin wird ausgebaut: Die Hauptstadt erhält acht neue Arztsitze für Pädiater und zwei zusätzliche Arztsitze für Kinder- und Jugendpsychiater.
Zusätzliche Arztsitze für Pädiater und Kinder- und Jugendpsychiater in Berlin
4. April 2018
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) rechnet noch im zweite Quartal dieses Jahres mit der Vorlage eines Gutachtens, das für die Überarbeitung der Bedarfsplanung herangezogen werden soll. Das
Gutachten zur Bedarfsplanung soll im zweiten Quartal vorliegen
3. April 2018
Düsseldorf – Hunderte Pflegeeinrichtungen in Nordrhein-Westfalen (NRW) müssen dem Landesgesundheitsministerium zufolge zum 1. August mit einem Belegungsstopp rechnen, weil sie die gesetzliche
Hunderten Pflegeheimen in Nordrhein-Westfalen droht Belegungsstopp
22. März 2018
Düsseldorf – Der Landtag in Nordrhein-Westfalen (NRW) hat das „Entfesselungspaket I“, das einen Umbau der Krankenhausstruktur vorsieht, verabschiedet. Das hat das Landesgesundheitsministerium
Landtag in NRW verabschiedet Entfesselungspaket
21. März 2018
Kiel – Der Landtag in Schleswig-Holstein hat die Landesregierung einstimmig aufgefordert, den Versorgungsbedarf im Gesundheits- und Pflegebereich des Landes zu erfassen. Ein Gutachten soll dem Landtag
Landtag in Schleswig-Holstein verlangt Analyse der Gesundheitsversorgung
16. März 2018
Berlin – Nordrhein-Westfalens Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) macht Druck für die Gründung einer Landespflegekammer. Nach den Sommerferien werde es eine Umfrage unter den professionell
NRW-Ge­sund­heits­mi­nis­ter treibt Landespflegekammer voran
14. März 2018
Düsseldorf – Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen (NRW) will die Studienplätze für angehende Landärzte künftig selbst vergeben. „Wir werden eine zentrale Stelle einrichten, die die zehn Prozent

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige