Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Darmbakterien unterstützen Schutz von Immunsupprimierten vor Infektionen mit Listeria monocytogenes

Mittwoch, 28. Juni 2017

/villorejo, stock.adobe.com

New York – Darmbakterien bieten möglicherweise einen Schutz gegen schwere Infektionen mit Listeria monocytogenes. Dies berichtet eine Arbeitsgruppe des Memorial Sloan Kettering Cancer Center New York unter der Leitung von Simone Becattini und Eric Pamer. Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse im Journal of Experimental Medicine (doi: 10.1084/jem.20170495).

Listeria monocytogenes wird beispielsweise durch kontaminiertes Essen übertragen. Während immungesunde Personen die Infektion abwehren können, sind immunschwächere Personen wie Krebskranke anfälliger für disseminierte Infektionen mit Listeria monocytogenes. Auch Kinder und Schwangere können gefährdet sein. Es kann zur Sepsis, Mengingitis, Chorioamnionitis und sogar zum Tod kommen.

Die Wissenschaftler untersuchten, ob das natürliche Mikrobiom des Darms bei der Bekämpfung einer Infektion mit Listeria monocytogenes eine Rollte spielt. Die Behandlung von Mäusen mit Antibiotika, die das Mikrobiom schädigen, führte dazu, dass die Mäuse anfälliger für eine Infektion mit Listeria monocytogenes wurden. Das Bakterium konnte ungehinderter den Gastrointestinaltrakt besiedeln, um sich dann über den Blutkreislauf im Körper auszubreiten. Noch anfälliger waren deutlich immungeschwächte Mäuse, denen Immunzellen fehlten.

Dies legt laut den Forschern die Vermutung nahe, dass Risikogruppen wie Schwangere oder Kinder ebenfalls durch eine Störung im Mikrobiom anfälliger für Listerien sein könnten. Die Forscher konnten vier Darmbakterien der Clostridien-Spezies identifi­zieren, die in der Kultur fähig waren, eine Listeria-Monocytogenes-Infektion zu begrenzen. Diese Spezies ist den Forschern zufolge bei Schwangeren im dritten Trimenon vermindert. Die Wissenschaftler übertrugen daher die Bakterien in keimfreie Mäuse und stellten fest, dass diese so vor einer Listeria Infektion geschützt waren, da der Erreger nicht mehr in der Lage war, den Magen-Darm Trakt zu kolonialisieren und sich in andere Gewebe auszubreiten.

Zusammenfassend betont die Arbeitsgruppe, dass es sich um einen erfolgver­sprechenden klinischen Ansatz handeln könnte, immungeschwächte Patienten durch Bakteriengabe zum Beispiel in Probiotika vor Listeria-Monocytogenes-Infektionen zu schützen. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

12.01.18
Wundinfektionen: Neues Antibiotikum greift Biofilm an
Leiden/Niederlande – Ein neues Antibiotikum, das die Wirkung eines Peptids des menschlichen Immunsystems nachahmt, kann nosokomiale ESKAPE-Keime innerhalb von Minuten abtöten. Das Mittel wirkt auch in......
10.01.18
MERS: Passive Immunisierung durch Antikörper aus genmodifizierten Rindern
Bethesda – Menschen, deren Leben durch Ebola, MERS, SARS oder andere schwere Infektionen bedroht ist, könnten in Zukunft durch eine Behandlung mit spezifischen Antikörpern gerettet werden, die in......
05.01.18
WHO lässt neuen Typhus-Impfstoff für Säuglinge zu
Hyderabad – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) empfiehlt erstmals einen Impfstoff gegen Salmonella typhi, der bereits bei Säuglingen eingesetzt werden kann, die in vielen unterentwickelten Ländern......
05.01.18
Krankenhaus­infektionen in Berlin haben zugenommen
Berlin – In Berliner Krankenhäusern hat es im vergangenen Jahr einen sprunghaften Anstieg von Krankenhausinfektionen gegeben. Verzeichnet wurden 225 Ausbrüche, bei denen sich 1.763 Patienten in......
04.01.18
Zahl der Keuch­hustenfälle in Mecklen­burg-Vorpommern verdoppelt
Rostock – Die Zahl der Keuchhustenerkrankungen in Mecklenburg-Vorpommern hat sich 2017 im Vergleich zum Jahr davor mehr als verdoppelt. Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) gestern in......
20.12.17
Internisten fordern „Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie“
Wiesbaden/Berlin – Die Einführung eines neuen „Facharztes für Innere Medizin und Infektiologie“ fordert die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für......
18.12.17
Hantavirus: Baden-Württemberg zählt mehr als 900 Infizierte
Stuttgart – Das Hantavirus hat sich in diesem Jahr rasant in Baden-Württemberg ausgebreitet. Bis zum 12. Dezember infizierten sich 928 Menschen mit dem Virus, das unter anderem durch Mäusekot......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige