NewsPolitikKrankenhäuser rüsten sich gegen Cyber-Attacken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krankenhäuser rüsten sich gegen Cyber-Attacken

Donnerstag, 29. Juni 2017

Berlin – Große Krankenhäuser und Kliniken in Deutschland müssen sich künftig intensiver um die Sicherheit ihrer IT-Infrastruktur kümmern. Ab Ende Juni gelten nach dem IT-Sicherheitsgesetz auch Krankenhäuser als „kritische Infrastruktur“. Betroffen seien allerdings „nur die großen Pötte“, erklärte Matthias Fischer vom Bundesinnen­ministerium auf einem Expertenforum in Berlin.

Die neuen Regeln gelten für 110 Krankenhäuser und Kliniken, die mindestens 30.000 Behandlungsfälle im Jahr vorweisen. Die großen Einrichtungen hätten allerdings schon von jeher viel in IT-Sicherheit investiert, lautete die Kritik auf dem Forum. Dass kleinere Einrichtungen dabei nicht berücksichtigt würden, sei „mit der Versorgungs­realität nicht in Einklang zu bringen“, kritisierte zuletzt auch der Marburger Bund.

Kein Grund für Panik, aber ernste Gefahr

So falle etwa das Lukaskrankenhaus in Neuss, das im vergangenen Jahr Ziel eines Cyberangriffs gewesen sei, nicht unter die neuen Regelungen. Das Innenministerium könne aber die Versorgungsstrukturen nur aus Bundessicht bestimmen, sagte Fischer. Aus regionaler Sicht seien kleinere Häuser dagegen natürlich von großer Bedeutung.

Anzeige

Erst vor sechs Wochen waren von der Cyber-Attacke durch den Erpressungstrojaner „Wanna Cry“ allein in Großbritannien zahlreiche Krankenhäuser lahmgelegt worden. Die aktuell grassierende Attacke hat zumindest ein Krankenhaus im amerikanischen Pittsburgh erfasst. Eine Reihe von Referenten hatten auf dem Expertenforum in Berlin kurzfristig ihre Teilnahme wegen des laufenden Cyber-Angriffs abgesagt.

Die Schadsoftware hatte am Dienstag zunächst Dutzende Unternehmen und Behörden in der Ukraine befallen und erfasste dann auch Unternehmen in Europa und den USA. Betroffen waren neben Beiersdorf (Nivea, Tesa), der US-Pharmakonzern Merck und der französische Glashersteller Saint-Gobain.

Die Angriffe seien sehr breit gestreut gewesen, sagte Jan Neuhaus von der Deutschen Krankenhausgesellschaft und appellierte gegen „Panikmache“. Bereits in den bislang bestehenden Strukturen hätten Krankenhäuser eigene Notfallpläne. Dennoch seien die Gefahren real, „und selbst zufällige Angriffe können erhebliche Schäden verursachen“.

Bislang basierte die Sicherung der IT-Systeme in Krankenhäusern weitgehend auf Freiwilligkeit. Künftig müssen sie etwa eine Kontaktstelle für IT-Sicherheitsfragen rund um die Uhr unterhalten und „erhebliche Störungen“ an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) melden.

© dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

14. Februar 2019
Berlin – Bis zum Jahr 2021 sollen alle Krankenkassen ihren Versicherten eine elektronische Patientenakte (ePA) zur Verfügung stellen. Die in einem Änderungsantrag zum Terminservice- und
„Ohne Interoperabilität wird die ePA ihr Potenzial nicht entfalten können“
13. Februar 2019
Berlin – Die Pläne des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums, die Mehrheitsanteile an der gematik zu übernehmen, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben, haben Sachverständige und Verbände
Anhörung zum Terminservicegesetz: Umstrukturierung der gematik in der Kritik
13. Februar 2019
Erlangen – Der „Atlas of Ophthalmology“ ist eine umfangreiche webbasierte Referenzbilderdatenbank vorwiegend für Ärzte und Medizinstudierende, aber auch für Laien, die das gesamte augenärztliche
Augenheilkunde: Kommentierte Bilderdatenbank
12. Februar 2019
Berlin – Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) will sich bei der digitalen Transformation des Gesundheitswesens aktiv einbringen und eine „Positionsbestimmung“ als wissenschaftliche
Diabetespatienten profitieren erheblich vom digitalen Fortschritt
11. Februar 2019
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) sieht die digitale Medizin zunehmend als ein zentrales Thema der Fachgesellschaft an. In ihrem Positionspapier „Perspektiven 2025“, das dem
Digitale Medizin als zentrales Thema der Internisten
8. Februar 2019
Freiburg – Der neue Chef der Universitätsklinik Freiburg, Frederik Wenz, mahnt im Blick auf die Digitalisierung im Gesundheitsbereich zu äußerster Sorgfalt. „Datenschutz und Datensicherheit haben
Neuer Chef der Universitätsklinik Freiburg mahnt Sorgfalt bei Digitalisierung an
7. Februar 2019
Berlin – Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) Sorgen sich um einen neuen Markt in Deutschland, der aufgrund der vom 121. Deutschen Ärztetag beschlossenen
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER