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Medizin

Hirnerschütterung: Kopfkollisionen werden beim Fußball oft ignoriert

Mittwoch, 28. Juni 2017

/dpa

Toronto – Bei der letzten Fußball-Weltmeisterschaft erhielten mehr als 60 Prozent der Sportler nach Kopfkollisionen nicht die von der FIFA vorgesehene medizinische Betreuung, beklagt ein Neurochirurg im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; 317; 2548-49). 

Michael Cusimano vom St. Michael’s Hospital in Toronto hat Aufzeichnungen aller 64 Spiele der FIFA-Weltmeisterschaft in Brasilien überprüfen lassen. Insgesamt 81 Mal ging ein Spieler nach einer Kopfkollision zu Boden. Nur wenige Spieler konnten nach dem Zusammenprall gleich weiterspielen.

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Bei den meisten bemerkte Cusimano einen oder mehrere Hinweise auf eine mögliche Hirnerschütterung: Dazu zählt, wenn der Spieler vorübergehend bewusstlos ist oder krampfartige Bewegungen macht, sich nur langsam wieder aufrichtet, vorübergehend die Orientierung verloren hat oder aufgrund von Gleichgewichtsstörungen taumelt oder den Kopf mit den Armen abstützen muss. Nur vierzehn Spieler (17 Prozent) zeigten keines oder maximal ein Zeichen einer möglichen Gehirnerschütterung. 45 Spieler (56 Prozent) wiesen zwei Zeichen und 22 Spieler (27 Prozent) drei oder mehr Zeichen auf. 

Doch nur in zwölf Fällen (15 Prozent) wurden die Spieler nach einer Kopfkollision am Spielfeldrand medizinisch untersucht. Die  Untersuchungen dauerten in Durchschnitt nur 107 Sekunden (64 bis 180 Sekunden). Weitere 45 Spieler (56 Prozent) wurden auf dem Spielfeld vom Gesundheitspersonal, Mitspieler oder Schiedsrichter untersucht. 

Bei 21 Spielern erfolgte gar keine Einschätzung. Darunter waren 11 Spieler, die zwei oder mehr Zeichen einer Hirnerschütterung aufwiesen. Diese Spieler durften sofort weiterspielen. Insgesamt nur drei Spieler wurden nach Kopfkollisionen vom Feld genommen, von denen einer nach kurzer medizinischer Untersuchung am Spiel­feldrand weiterspielen durfte. Die Untersuchungen von Spielern mit drei oder mehr Zeichen einer Hirnerschütterungen dauerten im Durchschnitt lediglich 84 Sekunden.

Von den 81 Spielern, die bei Kopfkollisionen zu Boden gingen, wurden nur 19 von den Vereinsärzten später als verletzt gemeldet. Auf der Weltmeisterschaft wurde nach Ansicht von Cusimano nicht nur gegen die Regeln der FIFA verstoßen. Die Regeln blieben auch weit hinter den Vorsichtsmaßnahmen beim Eishockey und beim American Football zurück. Dort gebe es bei jedem Spiel ausgebildete Beobachter, die nach möglichen Kopfverletzungen fahnden und die betroffenen Spieler dann vom Spielfeld nehmen ließen. © rme/aerzteblatt.de

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