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Ärzteschaft

Hoffen auf mehr Allgemeinmediziner

Donnerstag, 29. Juni 2017

/Alexander Raths, stock.adobe.com

Berlin – Der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Ferdinand Gerlach, ist optimistisch, dass die Zahl der Hausärzte in Zukunft ansteigen wird. „Ich erwarte, dass sich in den nächsten Jahren deutlich mehr Ärzte für die ambulante Allgemeinmedizin entscheiden“, sagte er gestern auf dem Sicherstellungskongress der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin.

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Dafür seien die Chancen größer als je zuvor. Ursache dafür seien zum Beispiel Kompetenzzentren und regionale Weiterbildungsverbünde, die die Weiterbildung im Fach Allgemeinmedizin attraktiver und einfacher gemacht hätten. Zudem profitiere das Fach derzeit von dem „Frust der Krankenhausärzte“.

So gebe es Quereinsteiger aus der Anästhesiologie, die ihr Fach zuerst spannend fänden, dann aber merkten, dass sie im Schichtdienst blieben. Es müsse allerdings noch gelingen, die Lücke zwischen den angehenden Ärzten zu schließen, die es sich vorstellen könnten, Hausarzt zu werden, und denen, die es wirklich tun.

So unerfreulich ist der Trend nicht. Stephan Hofmeister

Auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV, Stephan Hofmeister, zeigte sich zuversichtlich. Aktuelle Zahlen der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) zeigten, dass sich am Ende des Studiums nur zwei Prozent weniger Ärzte für die Allgemeinmedizin interessierten als am Anfang des Studiums. Frühe sei diese Zahl deutlich höher gewesen. „Das ist besser als in vielen anderen Fächern“, sagte Hofmeister. „So unerfreulich ist der Trend nicht.“

Viele Krankenhausärzte hätten Angst davor, dass sie nur Routine erwarte, wenn sie sich zum Beispiel auf dem Land niederließen und dass sie keine spannenden Fälle mehr erhielten. „Jeder, der in diesem Bereich arbeitet, weiß, dass das nicht so ist“, sagte Hofmeister. „Wir müssen also einen Imagewandel vollziehen. Und da sind wir auf dem Weg.“

Landarztquote nicht sinnvoll

Hofmeister sprach sich gegen eine Landarztquote aus. „Ich glaube nicht, dass es funktionieren wird, 18-Jährige zu etwas zu verpflichten, was sie nach ihrem Studium machen sollen.“ Zudem gebe es einen gesellschaftlichen Trend dazu, aus ländlichen Regionen wegzuziehen. Man könne also keine Ärzte in diese Regionen schicken, in denen ansonsten immer weniger Menschen leben wollten. Auch Gerlach hält eine Landarztquote nicht für sinnvoll.

Hofmeister thematisierte auch, dass es in Deutschland heute zwar mehr Ärzte gebe als je zuvor. Doch dafür seien Arbeitsweise der Ärzte und Versorgungslage anders. „Es gibt heute ein verändertes Arbeitsverhalten, dazu gibt es eine höhere Spezialisierung“, erklärte er. Zudem sei die Arbeit durch die älter werdende Bevölkerung mehr geworden. Und es gebe viele Ärzte, die heute nicht in der kurativen Medizin arbeiteten.

Gerlach meinte, es sei heute nicht festzustellen, ob es genügend Ärzte in Deutschland gebe oder nicht. „Wir haben eine Fehlverteilung nach Regionen und Disziplinen“, sagte er. „Wir haben zu viele Ärzte in Ballungsgebieten, zu viele Spezialisten und zu wenige hausärztliche Generalisten. Erst wenn wir das ausbalancieren würden, könnten wir feststellen, ob es genügend Ärzte gibt oder nicht.“

„Es wäre gut, wenn wir im Studium wieder zu einer generalistischen Sichtweise auf die Medizin kommen würden“, betonte auch Hofmeister. Zudem sei die Verbindung von Praxis und Theorie wichtig – je früher die Studierenden mit der Praxis in Berührung kämen, desto besser.

© fos/aerzteblatt.de

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