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Medizin

Schilddrüsen­unterfunktion: Nicht jeder benötigt eine Substitutions­therapie

Donnerstag, 29. Juni 2017

TSH-Test in einer Blutprobe /jarun011, stock.adobe.com
Alter, Körpergewicht und Medikamente sind die im klinischen Alltag wichtigsten Einflussfaktoren, die extrathyreoidal zur Erhöhung des TSH-Wertes führen können. /jarun011, stock.adobe.com

Dresden -   Die Substitutionstherapie mit Levothyroxin bei Menschen mit einer latenten Hypothyreose wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Sie soll verhindern, dass sich eine Schilddrüsenunterfunktion manifestiert. Gleichzeitig besteht aber auch die Gefahr einer Übertherapie. Wie Ärzte Nutzen und Risiken einer Therapie abwägen, ist Thema einer CME-Fortbildung aus dem Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl Int 2017; 114(25):430-8).

Diagnose einer latenten Hypothyreose und Hashimoto-Thyreoiditis

  • TSH-Wert liegt oberhalb des Referenzbereichs (<4,0 mU/l; TSH-Obergrenze: 2,5 bis 5,0 mU/l). Dieser unterscheidet sich regional je nach umweltbedingten Einflussfaktoren, wie etwa der Jodversorgung.
  • Freies Tetrajodthyronin (fT4) befindet sich im Normbereich.
  • Bei 90 Prozent der Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis finden sich erhöhte Antikörper gegen thyreoidale Peroxidase (TPO-AK), bei 70 Prozent erhöhte Werte der Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-AK).
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Bei der Behandlung moderat erhöhter Werte des thyroidea-stimulierenden Hormons (TSH) stehen Ärzte vor einem Dilemma. Für sich genommen recht­fertigten THS-Werte zwischen vier und zehn mU/L keine Therapie. Wer sich für eine Substitution des Hormons mit L-Thyroxin entscheidet, riskiert eine iatrogene Hypothyreose auszulösen. Auf der anderen Seite könnte sich ohne Therapie ebenfalls eine Schilddrüsen­unterfunktion entwickeln, die zu kardiovaskulären Folgeerkrankungen führen kann. Basierend auf der durchgeführten Literaturrecherche (2000 bis 2016) kommen die Autoren zu dem Schluss, dass erst bei TSH-Werten ab sechs mU/l und einem positiven Antikörpertest gegen thyreoidale Peroxidase (TPO-AK) eine Behandlung vertretbar ist.

Einen einmalig gemessenen erhöhten TSH-Wert im Blut sollten Ärzte dabei durch eine wiederholte Messung unter den gleichen Bedingungen bestätigen, empfehlen die Forscher um Erstautorin Jeannine Schübel von der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden. Denn eine Reihe von Faktoren können den TSH-Spiegel beeinflussen, beispielsweise die Einnahme der Medikamente Amiodaron, Lithium, Dopaminantagonisten, Metoclopramid, Sulpirid oder Domperidon.

Alter und Gewicht des Patienten berücksichtigen

Die Entscheidung für oder gegen eine Substitutionstherapie sollte der Arzt individuell unter Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren treffen. Neben Medikamenten beschreiben die Autoren der Studie auch das Körpergewicht und Alter als solche. Mit zunehmendem Body-Mass-Index und Taillenumfang steigt der TSH-Wert. Höhere Referenzwerte von 5,9 mU/l im Alter zwischen 70 und 79 Jahren können derzeit noch nicht mit ausreichend Evidenz bestätigt werden. Entscheiden sich Arzt und Patient gegen eine Therapie der moderat erhöhten Werte, kann der TSH-Spiegel nach sechs bis zwölf Monaten nochmals kontrolliert werden.

Hingegen ist eine Hormonsubstitution immer angesagt, wenn sich bei Patienten mit latenter Hypothyreose und nachgewiesener Hashimoto-Thyreoiditis ein positiver Autoantikörper-Status bestätigt (siehe Kasten). So lautet die Empfehlung internistischer Leitlinien. Andere Normwerte gelten in der Schwangerschaft. Eine neue internationale Leitlinie ist derzeit in Vorbereitung.

© gie/aerzteblatt.de

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