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Medizin

Gezielte Aspirin-Prävention senkt Präeklampsie-Risiko in Studie deutlich

Donnerstag, 29. Juni 2017

Piotr Marcinski - stock.adobe.com

London – Die Beschränkung der ASS-Behandlung auf Schwangere mit dem höchsten Risiko kann die Effektivität der Präeklampsie-Prophylaxe verbessern. In einer randomisierten Studie konnte die Zahl der Erkrankungen um zwei Drittel gesenkt werden. Die Ergebnisse wurden auf einem Fachkongress in Ljubljana vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2017; doi: 10.1056/NEJMoa1704559) publiziert. 

Es gilt als erwiesen, dass die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) einer Präeklampsie vorbeugen kann. Die Prävention wird heute international praktisch von allen Fachgesellschaften empfohlen. Diese sind sich auch darin einig, dass die Prophylaxe in der Frühschwangerschaft begonnen und bis zum errechneten Geburtstermin fort­gesetzt werden muss.

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Konsens besteht auch darüber, dass die Therapie auf die Frauen mit dem höchsten Risiko beschränkt werden sollte, da ASS nicht ohne Risiken ist. Doch welche Frauen am meisten gefährdet sind, ist unklar. Der Einschluss von allen Frauen mit einer Präeklampsie in einer früheren Schwangerschaft, wie ihn die deutsche und die US-amerikanische Leitlinie empfiehlt, ist relativ ungenau.

Die britischen Kliniken setzen auf einen Algorithmus, der neben Eigenschaften der Mutter wie Blutdruck und Körpergewicht, Präemklampsien in früheren Schwan­gerschaften auch Ultraschallbefunde (Pulsatilitätsindex der uterinen Arterien) und biochemische Faktoren (Schwangerschafts-assoziiertes Plasmaprotein-A und plazentaler Wachstumsfaktor) berücksichtigt. Eine frühere Untersuchung hatte gezeigt, das der Index 96 Prozent aller Fälle erkennt, die unbehandelt zu einer Geburt vor der 34. Woche führen (Fetal Diagn Ther. 2013; 33: 8-15).

Der First Trimester Aspirin Trial (ASPRE) hat untersucht, ob die ASS-Prophylaxe die Rate von Präeklampsien senkt. An der Studie nahmen 1.776 Frauen mit Einzel­schwangerschaften und einem laut dem Algorithmus hohen Risiko teil. Sie wurden ab der 11. bis 14. Woche bis zur 36. Woche mit 150 mg ASS pro Tag oder Placebo behandelt. Die Dosis war damit etwas höher als die in Deutschland üblichen 100 mg/Tag (bis zur 34. Schwangerschaftswoche). 

Primärer Endpunkt war eine Präeklampsie mit einer Geburt vor der 37. Woche: Er trat bei 13 von 798 Frauen in der Aspirin-Gruppe (1,6 Prozent) und bei 35 von 822 Frauen (4,3 Prozent) in der Placebo-Gruppe auf (insgesamt 152 Frauen hatten die Auswertung ihrer Daten verweigert). Das Team um Kypros Nicolaides ermittelt eine Odds-Ratio von 0,38, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,20 bis 0,74 hoch signifikant war.

Sie bedeutet, dass die gezielte ASS-Gabe in der Dosis von täglich 150 mg die Häufigkeit der Präeklampsie um 72 Prozent senkt. Das Ergebnis ist damit deutlich besser als in früheren Studien, in denen laut einer Meta-Analyse von mehr als 30 Studien mit unterschiedlichen Dosierungen von 50 bis 150 mg ASS pro Tag eine Reduktion der Präeklampsie-Inzidenz um lediglich 10 Prozent erreicht wurde. 

Trotz der guten Prävention konnte ein günstiger Einfluss auf die einzelnen Schwanger­schaftskomplikationen und Risikogeburten nicht sicher nachgewiesen werden. Ein Trend war vielfach erkennbar, doch die Teilnehmerzahl der Studie war für definitive Ergebnisse zu niedrig. Auch die Qualität der medizinischen Betreuung, die heute viele Folgen der Präemklampsie verhindern kann, dürfte eine Rolle gespielt haben. Die Einnahme von ASS in der Dosis von 150 mg/die hat sich insgesamt als sicher erwiesen. Die Rate von schweren Nebenwirkungen (1,8 Prozent versus 3,1 Prozent in der Placebo-Gruppe) war nicht erhöht. © rme/aerzteblatt.de

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