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Medizin

Feinstaub und Ozon erhöhen Sterberisiko älterer Menschen ohne Schwellenwert

Donnerstag, 29. Juni 2017

Stefan Redel - stock.adobe.com

Boston – Feinstaub und Ozon erhöhen auch unterhalb der geltenden Grenzwerte das Sterberisiko älterer Menschen. Dies kam in einer Kohortenstudie an Begünstigten der US-Krankenversorgung für Senioren, Medicare, heraus, die jetzt im New England Journal of Medicine (2017; 376: 2513-2522) publiziert wurde.

Es gilt als erwiesen, dass Feinstaub, der vor allem vom Straßenverkehr und im Winter von Gebäudeheizungen freigesetzt wird die Gesundheit schädigt. Das gleiche trifft auf Ozon zu, das bei intensiver Sonneneinstrahlung überwiegend aus Stickstoffoxiden gebildet wird. Betroffen sind nicht nur die Atemwege. Feinstaubpartikel gelangen auch in den Kreislauf, wo sie Entzündungsreaktionen anstoßen und beispielsweise Herzkrankheiten begünstigen. 

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In vielen Ländern gibt es deshalb Grenzwerte. In Europa gilt für die Feinstaubfraktion PM2,5 ein Zielwert von 25 µg/m3 im Jahresmittel, der ab dem 1. Januar 2020 auf 20 µg/m3 gesenkt werden soll. Die Ozonkonzentration soll einen maximalen 8-Stunden-Wert von 120 µg/m3 an höchstens 25 Tagen pro Kalenderjahr überschreiten. In den USA sind die Grenzwerte beim Feinstaub strenger. Die National Ambient Air Quality Standards (NAAQS) für PM2,5 betragen dort 12 µg/m3. Für Ozon liegt der NAAQS bei 0,070 ppm (149 µg/m3) für den 8-Stunden-Wert.

Eine biologische Begründung für diese Schwellenwerte gibt es nicht. Ein Team um Francesca Dominici von der Harvard School of Public Health in Boston hat deshalb untersucht, ob Feinstaub und Ozon auch in geringeren Mengen schaden können. Sie setzten dazu die Feinstaub- und Ozon-Exposition am Wohnort mit dem Sterberisiko von fast 61 Millionen Medicare-Begünstigten in Beziehung, über die in den USA etwa 96 Prozent aller Menschen über 65 Jahre krankenversichert sind. Die Analyse umfasst die Jahre 2000 bis 2012 oder etwa 460 Millionen Personenjahre. 

Ergebnis: Jede Erhöhung des Feinstaubgehalts PM2,5 um 10 µg/m3 und jeder Anstieg der Ozonbelastung um 10 ppm war mit einer Zunahme der Gesamtmortalität um 7,3 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 7,1 bis 7,5 Prozent) beziehungsweise 1,1 Prozent (1,0-1,2 Prozent) verbunden. Die Assoziation bestand in allen Konzentrationsbereichen. Sie war beim Feinstaub unterhalb des geltenden Grenzwerts sogar noch ausgeprägter: Das Sterberisiko stieg um 13,6 Prozent (13,1-14,1) pro Mehrbelastung 10 µg/mm3. Beim Ozon blieb es bei einem Anstieg um 1,0 Prozent (0,9-1,1) pro 10 ppm.

Auf die USA hochgerechnet bedeuten die Zahlen, dass durch eine Senkung des PM2,5 um nur 1 µg/m3 jährlich rund 12.000 Leben gerettet werden könnten. Beim Ozon käme es zu 1.900 weniger Todesfällen für jede Reduktion um 1 ppm.

Der große Umfang der Kohorten macht die Daten statistisch hoch signifikant. Er erlaubte auch einige Subgruppen-Analysen. Danach reagieren Männer, Afroamerikaner und Hispanics empfindlicher auf Feinstaub. Beim Ozon lag das Sterberisiko von Afroamerikanern, Hispanics und Indianern unter dem Durchschnitt. © rme/aerzteblatt.de

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