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Medizin

Brustkrebs: Test erspart Frauen mit sehr geringem Rezidivrisiko unnötige Therapie

Freitag, 30. Juni 2017

DNA im Reagenzglas/ Dan Race, stock.adobe.com

Prognosetests bieten die Möglichkeit tumorbiologische Faktoren zu analysieren. Dazu zählen Tests wie Femtelle - uPA/PAI-1, MammaPrint, EndoPredict oder Oncotype DX. /Dan Race, stock.adobe.com

San Francisco – Ein genetischer Test kann bereits therapierte Brustkrebspatientinnen mit einem sehr geringen Sterberisiko aufgrund eines Rezidivs identifizieren. Diese Patientinnen könnten infolge weniger aggressiv therapiert werden. Die Ergebnisse wurden in Jama Oncology publiziert (2017; DOI: 10.1001/jamaoncol.2017.1261).

Forscher um Laura Esserman von der University of California untersuchten 652 Frauen aus der Stockholm Tamoxifen (STO-3) Studie (1976 bis 1990) mit Lymphknoten-negativem Brustkrebs. Bei ihnen wurde der Tumor bereits vor Jahren mittels Mastektomie oder Lumpektomie und Bestrahlung entfernt. Etwa die Hälfte der Patientinnen therapierten die Ärzte im Anschluss randomisiert mit Tamoxifen (40 mg pro Tag), der zweite Teil der Studiengruppe erhielt keine systemische Therapie, um ein Rezidiv zu verhindern. Anhand der Daten zu 70 Genen aus dem MammaPrint®-Test ordneten sie die Patientinnen einer von drei Risikogruppen zu: hohes Risiko (58 Prozent), niedriges Risiko (42 Prozent), ultra-geringes Risiko (15 Prozent, n = 98).

Die kleine Gruppe mit einem ultra-geringen Risiko hatte eine gute Überlebens­prognose – unabhängig davon, ob sie Tamoxifen erhalten hatten oder nicht. Mit Tamoxifen überlebten 97 Prozent die kommenden zwanzig Jahre, ohne waren es 94 Prozent. Im Vergleich zu den Patientinnen, die anhand der 70-Gen-Signatur zur Hoch- und Niedrigrisikogruppe zählten, lag das Sterberisiko aufgrund von Brustkrebsrezidiven in der Ultra-gering-Risikogruppe insgesamt niedriger (Hazard Ratio: 4,73 versus 4,54). Die Forscher empfehlen daher, den MammaPrint®-Test zu Rate zu ziehen, um eine Übertherapie von Brustkrebspatientinnen nach einer Operation und Bestrahlung zu verhindern.

Bei Brustkrebspatientinnen, die nicht zur Gruppe mit einem ultra-geringen Risiko zählten, kann der Gentest diese Entscheidung hingegen nicht abnehmen. Hier war die Größe des Tumors (>2 cm) das ausschlaggebende Kriterium, anhand dessen die Forscher eine Überlebensprognose abgeben konnten.

Erstautorin Esserman schätzt, dass etwa 20 bis 25 Prozent der diagnostizierten Tumoren heutzutage der Gruppe mit einem ultra-geringem Risiko zuzuordnen sind. 

Mit dem MammaPrint®-Test war es bereits im letzten Jahr gelungen, Brustkrebs­patientinnen in einem frühen Stadium zu identifizieren, die eine Chemotherapie ohne Nachteile umgehen konnten. Das war der Fall für jede zweite Patientin, obwohl diese nach den traditionellen Kriterien zu den Hochrisikopatientinnen gehören würde. 

Frühes Mammakarzinom: 70-Gene-Signatur hilft, unnötige Chemotherapie zu vermeiden

In frühen Stadien des Mammakarzinoms wird häufig nach der Operation eine adjuvante Chemotherapie empfohlen, um Rezidive zu verhindern. Da sich das Rückfallrisiko aber auf Basis der bislang verwendeten Kriterien nicht zuverlässig prognostizieren ließ, ist die Vermutung, dass eine Zytostatikabehandlung für einen erheblichen Teil dieser Frauen eine Übertherapie ist. In der internationalen

© gie/aerzteblatt.de
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