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Medizin

Ebola-Medikament auch gegen SARS, MERS und andere Coronaviren wirksam

Freitag, 30. Juni 2017

Chapel Hill – Ein Wirkstoff, der zur Behandlung von Ebola-Infektionen entwickelt wurde, hat in präklinischen Tests in Science Translational Medicine (2017; 9: eaal3653) eine breite Wirkung gegen Coronaviren gezeigt, einschließlich der Erreger von SARS and MERS und anderen Viren, die schnell zum Ausgangspunkt von Epidemien werden könnten. 

RNA-Viren benutzen zur Replikation eine spezielle Polymerase, die es in menschlichen Zellen nicht gibt, da das menschliche Erbgut als DNA abgespeichert ist. Diese RNA-abhängige RNA-Polymerase ist ein wichtiger Angriffspunkt zur Behandlung von RNA-Viren, zu denen beispielsweise das Hepatitis C-Virus gehört. Der Wirkstoff Sofosbuvir gehört in diese Gruppe von Wirkstoffen.

Der Hersteller Gilead Sciences hat weitere Substanzen synthetisiert, zu denen GS-5734 gehört. Es wurde zunächst für die Behandlung von Infektionen mit dem Ebola-Virus entwickelt, das zu den RNA-Viren gehört. Während der Ebola-Epidemie in Westafrika wurde es an zwei Patienten erprobt. Beide überlebten. Derzeit läuft eine Studie zur Behandlung von Männern, bei denen nach überstandener Ebola-Krankheit Viren in der Samenflüssigkeit nachgewiesen wurden.

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Ein Forscherteam um Ralph Baric von der Universität von North Carolina in Chapel Hill prüft derzeit die Wirkung von GS-5734 bei einer weiteren Gruppe von RNA-Viren, für die es derzeit keine effektiven Medikamente gibt: Das SARS-Coronavirus hatte 2002 eine kurze, aber heftige Epidemie ausgelöst, die ausgehend von China über Hongkong weltweit zu etwa 8.000 Erkrankungen geführt hat, von denen jede zehnte tödlich endete. Das MERS-Coronavirus hat seit 2012 vorwiegend auf der arabischen Halbinsel zu 1.700 Erkrankungen geführt, von denn etwa 40 Prozent tödlich endeten.

Coronaviren gelten als gefährlich, weil sie sich genetisch rasch verändern. Die Ursache ist eine hohe Fehlerrate der RNA-abhängigen RNA-Polymerase. Wirkstoffe, die hier angreifen, sind deshalb vielversprechende Medikamente, die nicht nur bei SARS und MERS, sondern auch bei Epidemien mit derzeit noch nicht bekannten Viren eingesetzt werden könnten.

GS-5734 könnte ein solches „Breitband-Virustatikum“ sein. In den Laborversuchen war es nicht nur gegen MERS- und SARS-Coronaviren aktiv. Auch andere bei Fledermäusen nachgewiesene „präpandemische“ Viren konnten in Zellkulturen durch GS-5734 gestoppt werden. In einem Mausmodell von SARS erzielte GS-5734 sowohl eine prophylaktische als auch eine therapeutische Wirkung. Im nächsten Schritt wollen die Forscher die Wirksamkeit bei Primaten prüfen. Anschließend könnten erste klinische Tests bei Patienten mit MERS erfolgen, das auf der arabischen Halbinsel weiter endemisch ist. © rme/aerzteblatt.de

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