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Medizin

Rückenschmerzen: Radio­frequenz-Neurotomie in Studie ohne Vorteile

Dienstag, 4. Juli 2017

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Amsterdam - Die Radiofrequenz-Neurotomie, eine auch in Deutschland zunehmend populäre Behandlung von Kreuzschmerzen, hat sich in drei pragmatischen Studien in den Niederlanden als nicht oder kaum wirksam erwiesen. Die Autoren raten im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; doi: 10.1001/jama.2017.7918) außerhalb von Studien von der Behandlung ab.

Die Radiofrequenz-Neurotomie oder -Denervation verspricht eine Schmerzlinderung durch die Zerstörung von sensorischen Nervenfasern, die den Schmerzreiz vom Ort ihrer Entstehung zum Rückenmark leiten. Als die drei wichtigsten mechanischen Entstehungsorte für den Schmerz gelten die Gelenke zwischen den Wirbelkörpern (Facettensyndrom), die Iliosakralgelenke und die Bandscheiben. Für alle drei Schmerzarten werden Behandlungen beschrieben. Die Therapie erfolgt transkutan mit einer Sonde, die in den Bereich der Nerven vorgeschoben wird, die das Zielobjekt der Behandlung ist.

Die Behandlung ist relativ neu und bisher kaum in kontrollierten Studien untersucht. Sie genießt vor allem unter Anästhesiologen einen guten Ruf, da der Behandlungsansatz plausibel ist, was in der Medizin allerdings keine Wirksamkeit garantiert.

Die MINT-Studien („Cost-Effectiveness of Minimal Interventional Procedures for Patients with Chronic Low Back Pain“) haben die Behandlungen erstmals an einer größeren Gruppe von Patienten mit Kreuzschmerzen untersucht. Drei Studien untersuchten die Wirksamkeit bei den unterschiedlichen Schmerzursachen (Facetten, Iliosakralgelenke und Bandscheiben). In der vierten Studie nahmen Patienten teil, die eine kurzfristige Schmerzlinderung nach der Injektion eines Lokalanästhetikums erreicht hatten. Die Studie zu Bandscheibenschmerzen musste mangels Teilnehmern vorzeitig abgebrochen werden.

Das Team um Esther Maas von der Vrije Universiteit Amsterdam fasst die Ergebnisse der anderen drei Studien zusammen. An ihnen hatten 681 Patienten teilgenommen. Sie wurden an 16 Schmerzkliniken in den Niederlanden auf eine Radiofrequenz-Neurotomie oder auf eine Kontrollgruppe randomisiert. Allen Teilnehmern wurde ein Sportprogramm und bei Bedarf auch eine psychologische Beratung angeboten.

Die Hälfte der Patienten erhielt zusätzlich eine Radiofrequenz-Neurotomie, wobei des den Therapeuten überlassen blieb, welche Technik sie anwendeten. Es gibt mehrere Anbieter von Sonden, deren Methoden sich im Detail unterscheiden. Bei allen besteht das Ziel jedoch darin, die Nervenfasern soweit zu schädigen, dass die Schmerzleitung unterbrochen wird. Gewöhnlich ist die Radiofrequenz-Neurotomie eine einmalige Behandlung. Im Einzelfall waren aber bis zu drei Behandlungen erlaubt. Die Studie war nicht verblindet. In der Kontrollgruppe wurde keine Scheinbehandlung durchgeführt, was eine gewisse Schwäche der Studie ist.

Allerdings würde das Fehlen einer Scheinbehandlung normalerweise die Intervention im Sinn eines Placeboeffekts begünstigen. Dies war allerdings in der Studie nicht der Fall. Der primäre Endpunkt war die Bewertung der Schmerzen durch den Patienten auf einer numerischen Skala mit 0 bis 10 Punkten. Hier gab es drei Monate nach der Behandlung keine wesentlichen Unterschiede zur Kontrollgruppe. Bei der Behandlung des Facetten-Syndroms gaben die Patienten im Durchschnitt um 0,18 Punkte niedrigere Schmerzen an als in der Kontrollgruppe, die nicht signifikant war. Nach der Behandlung der Iliosakralgelenke betrug der Vorteil 0,71 Punkte und in der Kombinationgruppe 0,99 Punkte. Hier war der Unterschied signifikant, aber nach Ansicht von Maas nicht klinisch relevant.

Die Ergebnisse bedeutet nicht, dass es den Patienten nach der Behandlung nicht besser ging. In allen Gruppen kam es etwa bei der Hälfte der Patienten zu einem Rückgang der Schmerzen. Dies war allerdings auch in den Kontrollgruppen der Fall. Die Wirkung ist deshalb entweder ein Verdienst der Begleitbehandlung oder Folge einer spontanen Erholung der Patienten. © rme/aerzteblatt.de

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