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Medizin

Mäuse ohne Geruchssinn nehmen ab, ohne weniger zu essen

Donnerstag, 6. Juli 2017

Nase /Makuba, stock.adobe.com
Bei Mäusen wirkt sich der Geruchssinn auf das Körpergewicht aus. Ob der menschliche Stoffwechsel ähnlich auf Änderungen des Geruchssinns reagiert, ist bisher nicht bekannt. /Makuba, stock.adobe.com

Köln/Berkely – Mäuse, deren Geruchssinn nicht mehr funktioniert, nehmen ab. Obwohl sie genauso viel aßen wie eine Vergleichsgruppe von Mäusen mit funktionsfähigem Geruchssinn, verloren sie etwa 16 Prozent ihres Körpergewichts, vor allem in Form von Körperfett. Umgekehrt nehmen Mäuse mit einem besonders scharfen Geruchssinn sogar zu, wie Forscher der University of California und vom Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln in Cell Metabolism berichten (2017; doi: 10.1016/j.cmet.2017.06.015).

Ursprünglich gingen die Forscher um Andrew Dillin aus Kalifornien davon aus, dass Mäuse ohne Geruchssinn weniger essen würden. Im Experiment zeigte sich aber, dass mit oder ohne guter Nase die Tiere gleich viele Kalorien aufnahmen. Am MPI in Köln führte das Team von Jens Brüning gleichzeitig, Versuche mit Mäusen durch, deren Geruchssinn noch verbessert worden war. Auf ihr Gewicht wirkte sich die „Super-Nase“ ebenfalls aus, sie nahmen zu bei vergleichbarer Kalorienaufnahme mit der Kontroll­gruppe.

Unterschiede fanden die Forscher jedoch bei der Verstoffwechselung der aufgenomme­nen Nährstoffe. Die geruchslosen Mäuse verbrannten vor allem braunes Fett und bauten weißes Fett in braunes um. Zudem konnten die Forscher um Dillin erhöhte Adrenalinlevel im Blut der Tiere ohne Geruchssinn nachweisen, die „bekanntermaßen die Verbrennung von Fett aktivieren“, erklärt Dillin.

„Wir hätten nie gedacht, dass das Zerstören des Geruchs­sinns eine solch dramatische Auswirkung auf das Gewicht haben würde“, sagt Dillin (siehe Abbildung). Im ersten Tiermodell wurden über die Aktivierung eines Promoters bei sieben Wochen alten Mäusen die bereits entwickelten olfaktorischen Neuronen entfernt. Gerüche konnten daher nicht mehr an das Gehirn weitergeleitet werden. In einem zweiten Mausmodell nutzten die Forscher einen Virus, der ebenfalls olfaktorische Neuro­nen außer Gefecht setzte, jedoch dabei weniger andere Zellen in Mitleidenschaft zog, als bei der ersten Methode. Bei diesem zweiten Modell bestätigte sich die Gewichts­abnahme der geruchslosen Tiere. Sie nahmen nur gering­fügig weniger Gramm ab.

Den fehlenden Link zwischen den olfaktorischen und sympathischen Nerven konnten die Forscher noch nicht im Rahmen ihrer Studie erklären. Sie vermuten aber, dass der Signalweg über den Hypothalamus verläuft. In einem zukünftigen Experiment will die Erstautorin Celine Riera daher auch diese Nervenbahnen untersuchen.

Ob der menschliche Stoffwechsel ähnlich auf Änderungen des Geruchssinns reagieren würde, ist bisher nicht bekannt. © gie/aerzteblatt.de

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