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Politik

Antibiotika: Modellvorhaben zur Resistenzvermeidung gestartet

Dienstag, 4. Juli 2017

/Grycaj, stock.adobe.com

Berlin – Ärzte und Patienten sollen für einen adäquateren Umgang mit Antibiotika sensibilisiert werden. Verbessert werden soll auch die Qualität der Versorgung. Beides wollen der Verband der Ersatzkassen (vdek) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit dem im Rahmen des Innovationsfonds entwickelten Projekt „Resistenz­vermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“ (RESIST) erreichen. Das Versorgungsprogramm für Ersatzkassen-Versicherte ist vor wenigen Tagen in den ersten Arztpraxen an den Start gegangen.

RESIST will dabei keine Defizite bei der ärztlichen Versorgung aufzeigen, sondern setzt auf Aufklärung und auf die Arzt-Patienten-Kommunikation. „Das Projekt zeigt, dass das Gegenteil einer Arzt-Maschine gefragt ist“, betonte Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, heute in Berlin. „RESIST setzt eine Behandlungssituation voraus, in der eine ausführliche Beratung nötig ist. Dieser Ansatz ist richtig und sollte zielstrebig verfolgt werden.“

Attila Altiner, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock, wies auf Missverständnisse bei der Arzt-Patienten-Kommunikation hin. So werde die Erwartungshaltung der Patienten, ein Antibiotikum verordnet zu bekommen, häufig von Ärzten überschätzt. Durch eine gemeinsame Entscheidungsfindung ließen sich diese Missverständnisse ausräumen.

Interview mit Kinder-und Jugendärztin Petra von Saurma zum Problem der Resistenzbildungen /KV-on

Auch wenn Deutschland bei den Antibiotika­verordnungen im europäischen Vergleich im unteren Drittel liege, ließe sich die Vergabe von Antibiotika noch optimieren, meinte auch Ulrike Elsner, Vorstands­vor­sitzende des vdek.  Schätzungsweise 30 Prozent aller Antibiotikaverordnungen seien unnötig, insbesondere bei Atemwegserkrankungen.

Angelaufen ist das auf zwei Jahre angelegte und mit rund 14 Millionen Euro aus Mitteln des Innovationsfonds geförderte Modellvorhaben am 1. Juli in den KV-Bezirken Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein, Saarland und Westfalen-Lippe. Etwa 600 Ärzte haben bereits ein spezielles Online-Schulungsprogramm abgeschlossen, um das Konzept in den Praxisalltag zu integrieren.

Zum Start der Grippesaison im Herbst sollen es etwa 3.000 sein. Parallel dazu wird das Projekt RESIST durch das Institut für Allgemein­medizin der Universitätsmedizin Rostock (UMR) in Zusammenarbeit mit dem Zentral­institut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Ergebnisse sollen Ende 2019 vorliegen. © ER/aerzteblatt.de

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