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Medizin

Kopf-Hals-Tumore: HLA-Gene könnten schwerer wiegen als Rauchen und Alkoholkonsum

Mittwoch, 5. Juli 2017

HLA-Test /jarun011 stock.adobe.com
Mutationen in Genen, die für Humane Leukozyten-Antigene (HLA) kodieren, gehen einher mit einem schlechten klnischen Verlauf bei Krebspatienten. /jarun011, stock.adobe.com

Leipzig – Forscher der Universität Leipzig haben erstmals eine genetische Disposition für Tumore in der Kopf-Hals-Region wie Zungen-, Rachen- oder Kehlkopfkrebs nachge­wiesen. Diese Veranlagung wiegt mitunter sogar schwerer als die Risikofaktoren Rau­chen und Alkoholkonsum. Die Ergebnisse der Beobachtungsstudie wurden kürzlich in Oral Oncology publiziert (2017; doi: 10.1016/j.oraloncology.2017.04.017).

Tabak- und Alkoholkonsum und neuerdings auch humane Papillomviren (HPV-16) gelten als die Hauptrisikofaktoren für Tumore in der Kopf-Hals-Region. „Zu viel geraucht, zu viel getrunken – selbst schuld!“, lautet meist die einfache Lösung, durch die Patienten mit Kehlkopf-, Rachen- oder Zungenkrebs stigmatisiert werden. „Viele unserer Patienten leiden psychisch unter dieser Zuschreibung. Gerade junge Frauen, die immer einen gesunden Lebensstil gepflegt haben, fallen darunter“, sagt Andreas Dietz, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde am Universi­tätsklinikum Leipzig.

Wir konnten sogar herausstellen, dass die Genetik schwerer wiegt als die klassischen Risikofaktoren Rauchen, regelmäßig hoher Alkohol­konsum oder fortgeschrittenes Lebensalter der Patienten. Gunnar Wichmann, Universität Leipzig


Die Leipziger Forscher konnten nun erstmals zeigen, dass es immunologisch relevante Gene gibt, die eine Prädisposition für diese Tumorarten bedingen könnten. „Wir konnten sogar herausstellen, dass die Genetik schwerer wiegt als die klassischen Risikofaktoren Rauchen, regelmäßig hoher Alkoholkonsum oder fortgeschrittenes Lebensalter der Patienten“, berichtet Gunnar Wichmann, Laborleiter des Hals-, Nasen- und Ohren-Forschungslabors der Universität Leipzig und zugleich Studienleiter. Da es sich um eine unkontrollierte Beobachtungsstudie handelt, kann diese Schlussfolgerung jedoch nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Für die Unter­suchung entnahmen er und sein Team 90 Krebspatienten Blut und analysierten die Erbinformation der Leukozyten. Sie erfassten die Häufigkeit von Humanen Leukozyten-Antigenen (HLA). Diesen kommt eine zentrale Rolle bei der Aktivierung von T-Lympho­zyten zu.

Diese HLA-abhängige Immunantwort und das Abtöten mutierter Zellen sind bei Patienten mit einer genetischen Prädisposition für Krebserkrankungen in der Kopf-Hals-Region jedoch gestört. Für einige Allele des Gens HLA-B, das unter anderem für die Immunantwort zuständig ist, wiesen die Leipziger Wissenschaftler eine signifikant veränderte Frequenz nach. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die betroffenen HLA-B-Allele und deren Kombination mit Allelen von HLA-A und anderen Genorten des HLA-Genkomplexes, trotz fehlender Risikofaktoren Alkohol und Rauchen mit einem schlechte­ren klinischen Verlauf verbunden waren“, sagt Wichmann.

Überrascht hat das Autorenteam, dass die HLA-Merkmale in multivariaten statistischen Analysen stabiler den klinischen Verlauf prognostizierten als eine Reihe etablierter klinischer Faktoren wie Lebensalter, Rauchen, Alkoholkonsum, Tumorlokalisation, Tumorgröße oder Lymphknotenbefall. Das könnte bedeutet, dass die Allele nicht mehr so miteinander zusammenwirken, dass entartete Zellen abgetötet werden. Besonders deutlich wurde dies bei Frauen. Nach Meinung der Autoren könnte die pauschale Zuweisung, der Patient trage die Schuld am Ausbrechen der Krankheit tragen, zu kurz. © gie/idw/aerzteblatt.de

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straif
am Samstag, 15. Juli 2017, 18:35

Aussagen nicht haltbar

Bei der Studie von Wichmann et al. handelt es sich um eine Beobachtungsstudie zum Effekt von über 90 HLA-Allelen auf das progressionsfreie Überleben (PFS) einer heterogenen Gruppe von 90 Patienten (Oropharynx, Hypopharynx, Larynx, andere, unterschiedlichster TNM Stadien), die mit insgesamt mindestens 8 unterschiedlichen Therapieschemata behandelt wurden. Die publizierten Ergebnisse lassen keine Aussagen zum Effekt von etablierten Risikofaktoren auf das Entstehen von diesen Krebserkrankungen zu, und somit auch keinen Vergleich der Effekte dieser Risikofaktoren mit den hier erstmals beschriebenen Effekten von HLA Allelen auf das PFS. Ich habe mir deshalb erlaubt, in der beigefügten Kopie des newsletter Artikels alle entprechenden Passagen zu streichen Weitere Aspekte des Berichts habe ich hier nicht kommentiert.

Leipzig – Forscher der Universität Leipzig haben erstmals eine genetische
Disposition für Tumore in der Kopf-Hals-Region wie Zungen-, Rachen- oder
Kehlkopfkrebs nachgewiesen. Die Ergebnisse der
Beobachtungsstudie wurden kürzlich in Oral Oncology publiziert (2017; doi:
10.1016/j.oraloncology.2017.04.017).

Tabak- und Alkoholkonsum und neuerdings auch humane Papillomviren (HPV-16)
gelten als die Hauptrisikofaktoren für Tumore in der Kopf-Hals-Region.

Die Leipziger Forscher konnten nun erstmals zeigen, dass es immunologisch
relevante Gene gibt, die eine Prädisposition für diese Tumorarten bedingen
könnten.

Laborleiter des Hals-, Nasen- und Ohren-Forschungslabors der Universität Leipzig
und zugleich Studienleiter. Da es sich um eine unkontrollierte Beobachtungsstudie
handelt, kann diese Schlussfolgerung jedoch nicht eindeutig nachgewiesen werden.
Für die Untersuchung entnahmen er und sein Team 90 Krebspatienten Blut und
analysierten die Erbinformation der Leukozyten. Sie erfassten die Häufigkeit von
Humanen Leukozyten-Antigenen (HLA). Diesen kommt eine zentrale Rolle bei der
Aktivierung von T-Lymphozyten zu.

Diese HLA-abhängige Immunantwort und das Abtöten mutierter Zellen sind bei
Patienten mit einer genetischen Prädisposition für Krebserkrankungen in der Kopf-
Hals-Region jedoch gestört. Für einige Allele des Gens HLA-B, das unter anderem
für die Immunantwort zuständig ist, wiesen die Leipziger Wissenschaftler eine
signifikant veränderte Frequenz nach. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die
betroffenen HLA-B-Allele und deren Kombination mit Allelen von HLA-A und
anderen Genorten des HLA-Genkomplexes, auch bei fehlenden Risikofaktoren Alkohol
und Rauchen mit einem schlechteren klinischen Verlauf verbunden waren“, sagt
Wichmann.

Überrascht hat das Autorenteam, dass die HLA-Merkmale in multivariaten
statistischen Analysen stabiler den klinischen Verlauf prognostizierten als eine
Reihe etablierter klinischer Faktoren wie Lebensalter, Rauchen, Alkoholkonsum,
Tumorlokalisation, Tumorgröße oder Lymphknotenbefall. Das könnte bedeutet, dass
die Allele nicht mehr so miteinander zusammenwirken, dass entartete Zellen
abgetötet werden. Besonders deutlich wurde dies bei Frauen.

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